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Nach Wahlsieg von Modi : Indien geht gegen seine Milliardäre vor

Jet-Airways-Gründer Naresh Goyal Bild: EPA

Narendra Modi legt sich nach der Wahl in Indien mit einigen Milliardären an. Jetzt wurde der Gründer von Jet Airways aus einem startbereiten Flugzeug geholt. Zwei weitere sitzen in London in Haft. Sie sollen Millionenbeträge veruntreut haben.

          Ein weiterer indischer Milliardär gerät ins Visier der Behörden. Zwei Tage nach dem überwältigenden Wahlsieg von Ministerpräsident Narendra Modi holten Beamte den Gründer der ehemals besten privaten indischen Fluggesellschaft – des Lufthansa-Partners Jet Airways – und seine Frau aus dem Flugzeug. Naresh Goyal und seine Frau Anita saßen an Bord einer Maschine von Emirates auf dem Weg von Bombay über Dubai nach London, die kurz vor dem Start auf dem Rollfeld stand.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Im März hatte Goyal nach dem Zusammenbruch von Jet Airways unter dem Druck der Gläubiger seinen Posten als Vorsitzender des Verwaltungsrates von Jet räumen müssen (F.A.Z. vom 25. März). Zuvor hatten Piloten und Mannschaften über Monate ihren Lohn nicht erhalten. Sie wandten sich deshalb vor der Wahl in einem Brandbrief an Modi – was den Ministerpräsidenten schlecht aussehen ließ, da die Regierung vor der Wahl der privaten Fluggesellschaft eines Milliardärs nicht helfen wollte, zumal auch Air India von Krise zu Krise taumelt. Goyal galt als Verbündeter der Kongress-Partei, die die Wahl haushoch verloren hat.

          Wahlkampf gegen Korruption

          Modis Bharatiya Janata Party hatte ihren Wahlkampf abermals auch mit der Ankündigung gewonnen, schonungslos gegen Korruption, Vetternwirtschaft und Schwarzgeld vorgehen zu wollen. Mit Vijay Mallya, dem ehemaligen „König der guten Zeiten“ in Indien, Brauereierben, Parlamentarier und Gründer der zusammengebrochenen Kingfisher Airlines, sitzt ein weiterer Milliardär an seinem Fluchtort London und wartet auf die Abschiebung. Auch er soll hohe Beträge veruntreut haben. Mallya indes sieht sich als Bauernopfer, an dem die neue Politik exekutiert werden soll. Ihn hatten die Beamten unter Modi noch ziehen lassen, was zu einem Aufschrei im Land geführt hatte.

          Und dann ist da auch noch der Schmuck-Milliardär Nirav Modi, nicht verwandt mit dem Ministerpräsidenten. Er war ebenfalls nach London geflohen, nachdem seine Juwelen-Handelskette zusammengebrochen war und einige Staatsbanken an den Rand des Abgrunds geführt hatte. Er sitzt in London in Haft. Die Entlassung auf Kaution wurde ihm gerade zum dritten Mal verweigert. Er soll rund 2 Milliarden Dollar veruntreut haben.

          Jet-Chefpilot Goyal saß auch im Verwaltungsrat von Emirates. Die Fluggesellschaft erklärte inzwischen, mit den indischen Behörden zusammenzuarbeiten. Derzeit ist deren Flugbetrieb eingefroren, während die neue Regierung und mögliche Geldgeber Verhandlungen aufnehmen wollen. Konkurrent Etihad Airlines ist als Großaktionär mit 24 Prozent an Jet beteiligt. Die Schulden der einst glorreichen indischen Fluggesellschaft, vor allem an die unter Druck stehenden indischen Staatsbanken, sollen mehr als 1,2 Milliarden Dollar betragen. Etihad kommt aufgrund der eigenen Probleme kaum als Käufer von Jet in Frage.

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