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Nach Steuerbeichte : Alice Schwarzer gründet Stiftung

  • Aktualisiert am

Alice Schwarzer hatte ein Konto in der Schweiz Bild: dpa

Nach ihrer Steuerbeichte geht Alice Schwarzer in die Offensive. Die Gescholtene steckt eine Million Euro in eine neue Stiftung. Geplant sei das schon lange, aber wegen der Kritik an ihr spreche sie nun früher als geplant darüber.

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          Nach ihrer Steuerbeichte hat die heftig kritisierte Frauenrechtlerin die Gründung einer Stiftung zur Chancengleichheit mit zunächst einer Millionen Euro Kapital angekündigt: Das teilte die von ihr herausgegebene Zeitschrift „Emma“ am Montag auf ihrer Internetseite mit. Das Projekt sei seit Monaten in Vorbereitung. Doch wegen der „aktuellen Debatte“ habe sich Schwarzer entschlossen, mit der Ankündigung früher als geplant an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie selbst gebe zum Start eine Million Euro als Stiftungskapital, hieß es in der Mitteilung. Künftig würden auch die Gewinne der Zeitschrift „Emma“ zum Betrieb der Stiftung beitragen. Diese soll in vielen Bereichen Chancengleichheit und Menschenrechte von Frauen und Mädchen fördern.

          Die Steuerbeichte von Alice Schwarzer hat neben scharfer Kritik an der Frauenrechtlerin auch eine Debatte über das Steuergeheimnis und den Schutz von Persönlichkeitsrechten ausgelöst. Der Bund der Steuerzahler nannte die Veröffentlichung des Falls falsch und fatal. „Frau Schwarzer hat das legitime Instrument der strafbefreienden Selbstanzeige genutzt und damit den Weg in die Steuerehrlichkeit gefunden“, sagte Präsident Reiner Holznagel „Handelsblatt Online“.

          Schwarzer hatte am Sonntag nach einem Bericht des Magazins eingeräumt, seit den 80er Jahren ein Schweizer Konto geführt und es erst 2013 beim Finanzamt angezeigt zu haben. Für die vergangenen zehn Jahre habe sie rund 200.000 Euro Steuern nachgezahlt - plus Säumniszinsen. Ihr Anwalt Christian Schertz prüft rechtliche Schritte nach dem „Spiegel“-Text. Er kritisierte eine „unerträgliche Verletzung des Steuergeheimnisses und der Persönlichkeitsrechte von Alice Schwarzer“.

          Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft kritisierte die Veröffentlichung. „Dieses Signal, dass durchgestochen wird, wird viele abhalten, künftig eine Selbstanzeige zu erstatten“, sagte Vorsitzender Thomas Eigenthaler im ZDF-„Morgenmagazin“. Der Wirtschaftsethiker Matthias Fifka sagte der dpa: „Das Steuergeheimnis ist in diesem Fall ganz eindeutig verletzt worden.“ Dies gelte ausdrücklich auch bei Steuerhinterziehung.

          Die Kölner Autorin und Chefredakteurin der feministischen Zeitschrift „Emma“ hatte auf ihrer Internetseite das Recht auf Privatsphäre und das Steuergeheimnis angemahnt. Sie sprach von einem „Dammbruch für die Medien“ und ging vom Versuch einer bewussten Rufschädigung aus.

          Gewerkschafts-Chef Eigenthaler sagte: „Wenn das deutsche Recht die Möglichkeit der Selbstanzeige gibt, dann muss man das akzeptieren.“ Schwarzer habe ihre Steuerschulden plus sechs Prozent Zinsen beglichen. Auch Steuerzahlerbund-Chef Holznagel verteidigte die Möglichkeit, sich selbst anzuzeigen: „Ohne dieses Instrument würden viele Steuerhinterzieher nie entdeckt.“

          Voraussetzungen einer strafbefreienden Selbstanzeige

          Angesichts teils heftiger Twitter-Attacken auf Schwarzer wies der Grünen-Politiker Volker Beck auf die Rechte der umstrittenen Frauen-Aktivistin hin. „Ich habe mit #AliceSchwarzer wegen mangelnder Fairness auch persönlich eine Rechnung offen. Aber manches geht zu weit!“, twitterte er. Zuvor hatten sich etwa Vize-SPD-Chef Ralf Stegner oder Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt mit kritischen Beiträgen zu Wort gemeldet.

          Wettermoderator Jörg Kachelmann warf Schwarzer vor, sich als Opfer eines Rufmordes darzustellen. Schwarzer hatte Kachelmann im Zuge der Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn attackiert. Der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont (86) meinte, Schwarzer sei so sehr gewohnt, recht zu haben, dass die Selbstkritik vielleicht ein bisschen zu klein gerate: „Es ist doch diese Mentalität wie in der Schule - nur nicht erwischen lassen. Und wenn man doch erwischt wird, heißt es: Ach, Herr Lehrer, es tut mir ja so leid.“

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