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Nach Schmidt-Interview : Darf ein Schnitzel vegan heißen?

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Schweine-, Kalbs- oder doch Gemüseschnitzel? Bild: dpa

Geht es nach Agrarminister Schmidt, sollen Fleischnamen für Veggie-Produkte tabu sein. Alles andere sei Verbrauchertäuschung. Die Sache ist allerdings kompliziert.

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          Im Internet erschienen wirre Schlagzeilen. „Minister fordert: Vegane Wurst soll verboten werden“, schrieb die Hausfrauenzeitschrift Brigitte am Mittwoch in ihrer Onlineausgabe. Das war aber Quatsch. Verboten werden sollte bloß der Name „vegane Wurst“. Denn Wurst sei ein Fleischprodukt, der Fall einer von Verbrauchertäuschung. Das gelte auch fürs Schnitzel, legte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) im Interview mit der Zeitung „Bild“ nahe, für das er sich mit einem echten Stück Schweinebraten fotografieren ließ. Doch was genau will Minister Schmidt verbieten lassen? Die Bezeichnung vegane Wurst, Schnitzel, Hackfleisch? Eine Nachfrage am Mittwoch ergab: Schmidt weiß es nicht so genau.

          Das müssten entsprechende Fachausschüsse der Lebensmittelbuch- und der EU-Kommission beantworten, sagte Schmidts Sprecher. Der Minister wolle nur, dass die Bezeichnungsfragen geregelt seien. Er sei, um das klar zu sagen, „kein Gegner vegetarischer Produkte“.

          Im Ministerium sieht man Parallelen zum Fall „Analogkäse“. Dieses pflanzliche Produkt darf längst nicht mehr Käse heißen. Ein Unterschied aber liegt auf der Hand: Er hieß, als er noch im Laden lag, nie „veganer Käse“, sondern einfach Käse. Vielleicht hätte sich auch nie jemand beschwert, hätte „pflanzlicher Käse ohne Milch“ draufgestanden.

          Bei Wurst ist die Sache klarer

          Das fleischlose Schnitzel heißt aber „vegetarisches Schnitzel“. Es richtet sich an Personen, die in der Fleischlosigkeit einen Mehrwert sehen und danach suchen, und liegt im Rewe nicht beim Fleisch, sondern bei den Frischnudeln. Schmidt hat mit seinem Vorstoß aber Fragen von begriffsgeschichtlicher Tiefe berührt: Stehen die Ausdrücke Schnitzel, Wurst und Hack überhaupt nur für Fleisch? Laut Duden stammt Schnitzel vom mittelhochdeutschen Sniz ab, das „Schnitt“ bedeutet. Ein Schnitzel sei allgemein ein „abgeschnittenes, abgerissenes kleines Stückchen von etwas“. Vegetarische Schnitzel aber werden nicht abgeschnitten, sondern aus Sojabrei gepresst.

          Auch spricht man von Apfelschnitzeln oder Holzhackschnitzeln. Klarer ist die Sache bezüglich der Wurst. Laut Duden ist das zwar ein „Nahrungsmittel aus zerkleinertem Fleisch und Gewürzen, das in Därme gefüllt wird“, aber eben auch allgemein „etwas, was wie eine Wurst aussieht, die Form einer länglichen Rolle hat“.

          Wie sieht es tatsächlich am Markt für Fleischersatzprodukte aus? Bofrost verkauft „vegetarisches Schnitzel“, Rügenwalder Mühle „Vegetarische Mühlen-Schnitzel“, Valess einfach nur „Schnitzel“, Garden Gourmet (Nestlé) „Vegetarische Schnitzel“, My Best Veggie (Lidl) „Vegetarisches Hackfleisch“, Gutfried gar eine „Veggie-Fleischwurst“. Es wird sich darüber streiten lassen. In der Expertenkommission des maßgeblichen Lebensmittelbuchs sitzen dafür Vertreter der Stiftung Warentest, der Verbraucherzentralen, von Universitäten und der Landwirtschaft.

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