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Manipulationsvorwürfe : Experte: Volkswagen erweist deutscher Dieseltechnologie einen Bärendienst

  • Aktualisiert am

Volkswagen auf einer Autoshow in New York Bild: dpa

Die Wolfsburger müssen in Amerika eine halbe Million Autos zurückrufen. Die Ermittelungen der Behörden werfen einen Schatten auf das VW-Image. Doch nicht nur das: Eine ganze Branche ist betroffen.

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          Massive Manipulationsvorwürfe der amerikanischen Umweltbehörde gegen Volkswagen genau zur Automesse IAA sorgten am Wochenende für Aufregung. Ein Experte fordert nun strukturelle Änderungen beim Wolfsburger Konzern. „Da ist etwas fundamental schiefgegangen bei VW“, sagte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Die Umweltbehörde EPA beschuldigt den deutschen Automobilhersteller, mit einer Software die Messung des Schadstoffausstoßes manipuliert zu haben. 482.000 Diesel-Autos sollen zurückgerufen werden. „VW muss den Fall zum Anlass nehmen, um die internen Prozesse zu überprüfen“, sagt Bratzel.

          Es sei sehr verwunderlich, dass die mutmaßlichen Machenschaften der amerikanischen Tochter nicht längst an Wolfsburg gemeldet worden seien und das Durchgreifen der Konzernspitze nach sich gezogen hätte, sagt der Experte. „Das muss jetzt ein Weckruf zur Einhaltung der Compliance-Regeln sein.“ Compliance-Regeln legen fest, wie sich Konzerne verhalten müssen, damit ihre Geschäfte im Einklang mit geltendem Recht stehen. Bratzel vermutet, die VW-Tochter in Amerika sei mit ihren dortigen Geschäftspraktiken gewissermaßen aus dem Ruder gelaufen. „In Wolfsburg ist man sich doch im Klaren, dass man Regeln nicht einfach aushebeln darf.“

          „Bärendienst für deutsche Dieseltechnologie“

          VW könnten Strafen von bis zu 37.500 Dollar (gut 33.000 Euro) pro Wagen drohen, also insgesamt über 18 Milliarden Dollar, wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten. Bratzel hält das aber für einen sehr theoretischen Wert. Da VW ja bereits zugesagt hat, mit den Behörden zu kooperieren, würde das Strafmaß ohnehin gesenkt. Vermutlich drohten daher Strafzahlungen von mehreren Hundert Millionen Dollar oder ein Betrag im knappen Milliardenbereich, schätzt der Professor.

          Wie andere Autoexperten auch ist Bratzel entsetzt über die Vorwürfe. „Das ist ein Bärendienst für die ganze deutsche Dieseltechnologie“, sagt er. Hierdurch würde das Image von Dieselautos - in Amerika ohnehin in einer Nische - schwer beschädigt.

          Auch BMW und Daimler seien dadurch indirekt betroffen. „Man versucht seit Jahren, die Dieseltechnologie zu etablieren in Amerika- und jetzt das“, sagt Bratzel kopfschüttelnd. „Der Fall kommt zur Unzeit für die Strategie deutscher Autobauer, Dieselfahrzeuge als saubere Technologie in Amerika zu etablieren.“ Sollten sich die Vorwürfe aber als haltlos erweisen, wäre das Image nicht dauerhaft angekratzt, so Bratzel. „Die breite Kundschaft vergisst relativ schnell.“

          Dudenhöffer fordert Untersuchung auch in Europa

          Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat angesichts der Manipulationsvorwürfe gegen Volkswagen in Amerika auch in Europa eine Untersuchung gefordert. „Sicherlich müssen jetzt auch die EU-Kommission und das Bundesverkehrsministerium den Dingen nachgehen und klären, inwieweit diese Software auch in Europa und Deutschland eingesetzt wurde und falsche Abgaswerte vorgaukelt“, sagte Dudenhöffer den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

          „Da die US-Behörde weitere Ermittlungen auch gegen andere Autobauer angekündigt hat, kann man derzeit nichts ausschließen.“ Dudenhöffer sieht angesichts der Tragweite des Falls auch Konzernchef Martin Winterkorn in der Verantwortung. „Wir haben es hier mit einer Sache zu tun, die nicht beim Pförtner endet“, sagte Dudenhöffer.

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