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Nach Herabstufung : Frankreich gibt sich gelassen

Wie stark ist das Fundament des Landes? Die alte Pariser Börse Bild: dpa

Die Regierung in Paris versucht die Bedeutung der Herabstufung herunterzuspielen: Der Finanzminister sagt, die Nachricht sei „besser als erwartet“. Doch politisch ist die Herabstufung eine schwere Hypothek für Nicolas Sarkozy.

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          Die Herabstufung Frankreichs durch die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor's hat die Erwartungen der meisten Wirtschaftsakteure bestätigt, die politische Welt in Frankreich am Freitag aber in Aufregung versetzt. Der französische Aktien-Leitindex CAC-40 schloss mit einem Rückgang von 0,1 Prozent auf 3196 Punkte nur leicht im Minus. Auch im Handel mit Staatsanleihen überwog die Ruhe: Die zehnjährige Anleihe notierte mit einer Rendite von 3,1 Prozent 135 Basispunkte über der deutschen Bundesanleihe. Die Entspannung der Anleihemärkte setzte sich damit am Freitag fort.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Auf dem politischen Feld sahen sich Präsident Nicolas Sarkozy und seine Regierung allerdings heftigen Angriffen ausgesetzt. Der sozialistische Abgeordnete Jean-Marie Le Guen sprach von einer Niederlage für Sarkozy und von einer schlimmen Nachricht für Frankreich. "Unser Land wird schwere Konsequenzen davontragen", sagte er. Die Präsidentschaftskandidatin der Grünen, Eva Joly, kritisierte die "Steuergeschenke" aus der Anfangszeit von Sarkozys Amtszeit, die Frankreichs wirtschaftliche Lage verschlimmerten. Die Kandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, die den Austritt Frankreichs aus der europäischen Währungsunion fordert, sprach vom "Ende des Mythos des schützenden Präsidenten".

          Die Sprecherin der Regierung und gleichzeitige Haushaltsministerin Valérie Pécresse, versuchte dagegen die Bedeutung der Herabstufung herunterzuspielen. Die Nachricht sei "besser als erwartet", denn etliche Akteure an den Finanzmärkten hatten in den vergangenen Wochen eine Abstufung um zwei Stufen befürchtet. "Frankreich ist heute eine sichere Investition. Es kann seine Schulden zurückzahlen", sagte Pécresse. Der französische Wirtschafts- und Finanzminister François Baroin hatte am Abend die Herabstufung bestätigt, zugleich aber betont, das sei keine Katastrophe. Der haushaltspolitische Sprecher der Regierungspartei UMP, Gilles Carrez, wies darauf hin, dass Frankreich in diesem Jahr als eines der wenigen Euro-Länder sein Versprechen der Schuldeneindämmung eingehalten habe. In diesem Jahr sinkt die französische Neuverschuldung von 7,1 auf voraussichtlich 5,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

          An den Finanzmärkten ist die Entscheidung der Ratingagentur seit längerem vorweggenommen worden. Frankreich wird etwa seit dem vergangenen Herbst nur noch wie ein Land mit AA-Note gehandelt. Im November erreichte der Zinsabstand zwischen der französischen und der deutschen Zehnjahresanleihe Höchststände. Damals rentierte das französische Papier bei 3,4 Prozent, das deutsche dagegen nur bei 1,8 Prozent. "Wichtig ist jetzt die Frage, ob auch Moody's Frankreich das AAA wegnehmen wird", sagte Olivier Lecomte, Professor für Finanzwirtschaft an der Ecole Centrale von Paris, "denn viele Investoren blicken auf beide Ratings". Der amerikanische Konkurrent von S & P hatte vor drei Monaten angekündigt, dass er bis Januar dieses Jahres den mit dem Rating verbundenen Ausblick für Frankreich überprüft. Eric Heyer, Ökonom des Beratungsinstituts OFCE, glaubt, dass bald auch französische Banken sowie einige Unternehmen und Regionen herabgestuft werden.

          Politisch ist die Herabstufung für Präsident Sarkozy eine schwere Hypothek. Im Dezember sagten 68 Prozent der befragten Franzosen, dass der Verlust des AAA einem Scheitern von Sarkozy gleich komme. Der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande wirft Sarkozy vor, die Verschuldung Frankreichs um 500 Milliarden Euro auf rund 1700 Milliarden Euro erhöht zu haben, gut 85 Prozent des BIP.

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