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Flugsicherheit : Gewerkschaft hält neue Regel nach Germanwings-Unglück für gefährlich

  • Aktualisiert am

Zwei Piloten in einer Maschine der Lufthansa Bild: AFP

Seit der Germanwings-Katastrophe müssen sich immer zwei Personen im Cockpit aufhalten. Laut der Gewerkschaft Cockpit verringert die Regel die Sicherheit aus mehreren Gründen.

          Zum zweiten Jahrestag des Germanwings-Absturzes hat die Pilotengewerkschaft Cockpit die Rücknahme einer Sicherheitsvorschrift gefordert, die im Zuge des Unglücks eingeführt wurde. Im Sender MDR kritisierte Gewerkschaftssprecher Markus Wahl am Freitag, die geltende Zwei-Personen-Regel für das Cockpit. Diese sei aus Sicherheitsgründen bedenklich.

          Einerseits sei Fliegen etwas sicherer geworden, weil es immer eine Zweierbesetzung geben müsse, sagte Wahl in der MDR-Sendung „Aktuell“. Andererseits werde nun aber beim Personaltausch die Cockpittür viel häufiger und zudem mit Ankündigung geöffnet.

          „Es ist sicherlich richtig: Zwei Mann im Cockpit sind immer sicherer als einer“, sagte der Gewerkschafter. „Wenn ich mir dadurch auf der anderen Seite, durch das ständige Rein-und-Raus, Tür-auf-Tür-zu ein Risiko erkaufe, dass das Cockpit gestürmt wird, muss man beides gegeneinander abwägen.“ Er würde sich angesichts dessen „dafür entscheiden, dass diese Maßnahme abgeschafft wird – einfach, um die gesamte Sicherheit zu erhöhen.“

          Andere Regeln sinnvoll

          Wahl beklagt zudem, dass kurz vor Beginn der gesetzlich vorgeschriebenen Alkohol- und Drogenkontrollen für Piloten das Prozedere der Tests noch unklar sei. Die Tests sollten zwar ab Mitte beziehungsweise Ende April umgesetzt werden. Es seien aber noch immer nicht Zuständigkeiten und Abläufe geklärt. „Röhrchen, Urinprobe, Pusten - das ist gerade der Gegenstand von Diskussionen, muss aber jetzt zügig gelöst werden“, forderte Wahl.

          Grundsätzlich lasse sich aber feststellen, dass ein Unglück wie vor zwei Jahren deutlich unwahrscheinlicher geworden sei, sagte Wahl. Seither seien viele gute Maßnahmen ergriffen worden. Als Beispiel nannte Wahl die erweiterten psychologischen Tests bei der Einstellung sowie Hilfsprogramme für Piloten.

          Einem Bericht des „Focus“ zufolge prüfen derzeit eine Reihe von Fluggesellschaften, ob sie am 4-Augen-Prinzip festhalten wollen. Dem Magazin zufolge sind darunter die Lufthansa, Air Berlin, Condor und Tuifly.

          Bei dem Absturz der Germanwings-Maschine waren vor zwei Jahren alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Der offenbar unter Depressionen leidende Copilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug am 24. März 2015 absichtlich in die Berge in den französischen Alpen gesteuert. Der Opfer wird an diesem Freitag unter anderem nahe der Absturzstelle in Frankreich gedacht.

          Unterdessen will der Vater des Copiloten am gleichen Tag erläutern, warum er nicht an eine Selbsttötung seines Sohnes als Absturzursache glaubt. In einer Pressekonferenz in Berlin will er um am Vormittag vor Journalisten sprechen. Bereits in der Einladung zu der Veranstaltung bezweifelt Lubitz' Vater die „Annahme des dauerdepressiven Copiloten, der vorsätzlich und geplant in suizidaler Absicht das Flugzeug in den Berg gesteuert haben soll„. In einem Interview mit der „Zeit“ hatte er gesagt: „Unser Sohn war ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Er hatte keinen Anlass, einen Selbstmord zu planen und umzusetzen, und erst recht nicht, dabei noch 149 andere unschuldige Menschen mitzunehmen.“

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