https://www.faz.net/-gqe-6xngq

Nach Fukushima : Japan stützt Tepco mit Milliardenspritze

  • Aktualisiert am

Am 11. März jährt sich die Katastrophe von Fukushima Bild: dpa

Der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima, Tepco sieht sich mit riesigen Entschädigungszahlungen und Aufräumkosten konfrontiert. Im laufenden Geschäftsjahr schreibt das Unternehmen höhere Verluste als erwartet. Mit 6,7 Milliarden Euro will die Regierung Tepco stützen.

          Der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima, Tepco, kann mit weiteren Milliarden an Staatshilfen rechnen. Die Regierung beschloss am Montag die Bereitstellung zusätzlicher Hilfen von 689,4 Milliarden Yen (6,7 Milliarden Euro), damit der angeschlagene Konzern den massiven Entschädigungszahlungen nachkommen kann. Industrieminister Yukio Edano machte jedoch bei einem Treffen mit Tepco-Chef Toshio Nishizawa zur Bedingung, dass die Regierung „hinreichende“ Kontrolle über das Management bei Tepco erhält, wie Medien berichteten. „Ich beabsichtige nicht, einer Forderung von Tepco nach einer Kapitalspritze nachzukommen, solange der Konzern nicht ausreichenden Stimmrechten in Relation zu den Staatsmitteln zustimmt“, wurde Edano nach dem Treffen zitiert.

          Der Konzern sieht sich mit riesigen Entschädigungszahlungen, Aufräumkosten sowie steigender Kosten für Ersatzbrennstoffe konfrontiert. Im laufenden Geschäftsjahr rutscht das Unternehmen denn auch tiefer in die roten Zahlen als gedacht. Wie Tepco bekanntgab, dürfte zum Bilanzstichtag 31. März angesichts der steigenden Entschädigungszahlen unter dem Strich ein Fehlbetrag von 695 Milliarden Yen (6,7 Milliarden Euro) anfallen. Bislang war Tepco noch von einem Nettoverlust von 600 Milliarden Yen ausgegangen. Der Umsatz dürfte sich auf 5,28 Billionen statt 5,32 Billionen Yen belaufen.

          Tepco kämpft um seine Unabhängigkeit

          Großkunden von Tepco sollen ab April 17 Prozent mehr zahlen. Kritiker fordern jedoch, dass Tepco zuerst mehr Anstrengungen machen müsse, intern Kosten zu sparen. Industrieminister Edano forderte Tepco denn auch zu „drastischen Umstrukturierungen“ auf. Die Regierung führt gegenwärtig hinter verschlossenen Türen harte Verhandlungen über eine geplante Kapitalspritze. Sie hofft, dabei mehr als zwei Drittel der Anteile an Tepco zu bekommen, während Tepco seine Unabhängigkeit behalten will. Die Summe der bislang bewilligten Steuergelder beläuft sich bereits auf mehr als 1,5 Billionen Yen.

          Tepcos Überleben als unabhängiges Unternehmen steht seit dem schweren Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März 2011, bei dem das AKW Fukushima Daiichi schwer beschädigt wurde, in Frage. Japanische Medien hatten kürzlich berichtet, dass ein Sanierungsplan eine staatliche Kapitalspritze von einer Billion Yen im kommenden Steuerjahr vorsieht. Das käme einer Verstaatlichung gleich und wäre zugleich eine der weltweit größten Rettungsaktionen für ein Unternehmen außerhalb des Bankensektors. Hinzu käme eine weitere Billion Yen an Bankkrediten. Tepco und ein staatlicher Entschädigungsfonds für die Atombranche legen den Plan im März vor.

          Möglicherweise wieder Temperaturanstieg im Reaktorblock 2

          Ein knappes Jahr nach der Atomkatastrophe sorgt Fukushima abermals für Aufregung. Instrumente hätten am Montag einen Anstieg der Temperatur im Reaktorblock 2 auf über 90 Grad Celsius angezeigt, teilte Tepco mit. Damit habe sich der Wert im Vergleich zum Vormonat verdoppelt. Das Unternehmen geht aber nach eigenen Angaben davon aus, dass es sich nur um ein fehlerhaftes Thermometer handelt. Es gebe wenig Anzeichen für eine Dampfentwicklung. Deswegen befinde sich der Reaktor wohl noch immer in der Kaltabschaltung, hieß es.

          Der japanische Umweltminister Goshi Hosono erklärte, auch er gehe weiter von einer Kaltabschaltung aus. Es gebe aber keinen Grund, sich in Sicherheit zu wiegen. Die Regierung bereite sich auf alle Eventualitäten vor.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Klimaaktivistin : Das Team hinter Greta

          Vor einem Jahr hat die schwedische Teenagerin Greta Thunberg ihre Schulstreiks begonnen. Heute ist sie weltberühmt und segelt über den Atlantik. Wir zeigen die Leute hinter ihr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.