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Nach Fukushima : Japan kehrt zum Atomstrom zurück

Weitere Reaktoren sollen demnächst ans Netz gehen Bild: AFP

Japan hatte nach der Katastrophe in Fukushima alle verbliebenen 50 Atomreaktoren für Sicherheitsüberprüfungen vom Netz genommen. Jetzt befürchten Regierung und Wirtschaft ohne Atomstrom im Sommer Energieengpässe.

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          Die japanische Regierung hat am Wochenende entschieden, die nach der Atomkatastrophe in Fukushima im vergangenen Jahr abgeschalteten Atomkraftwerke des Landes schrittweise wieder in Betrieb zu nehmen. Regierungschef Yoshihiko Noda, der sich schon seit mehreren Wochen für den Einsatz von zwei Atomreaktoren in der westjapanischen Stadt Oi stark gemacht hatte, teilte am Wochende mit, dass die Regierung den Kansai-Elektrizitätswerken (Kepco) als Betreibergesellschaft der Atomreaktoren die Genehmigung zum Start der beiden Reaktoren erteilt hat. Kepco-Präsident Makoto Yagi sagte, beide Reaktoren werden im Juli wieder ihre volle Kapazität erreicht haben.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Noda hatte zuvor die Zustimmung des Bürgermeisters von Oi und des zuständigen Gouverneurs der Präfektur Fukui, Issei Nishikawa, für diese Entscheidung erhalten. „Nachdem wir das Ja vor Ort bekommen haben, ist es nun die endgültige Entscheidung der Regierung, die Reaktoren 3 und 4 in Oi zu reaktivieren“, sagte Noda. Er werde weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit der Atomenergie wiederherzustellen. Vor Fukushima haben Atomkraftwerke rund 30 Prozent zur Energieversorgung der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt beigetragen.

          Japan hatte nach der Katastrophe in Fukushima alle verbliebenen 50 Atomreaktoren für Sicherheitsüberprüfungen und Wartungsarbeiten vom Netz genommen. In der einige hundert Kilometer von Tokio entfernten Kansai-Region mit den Ballungsräumen Osaka und Kyoto, wo viele japanische Industrieunternehmen ihren Sitz haben, befürchten Wirtschaft und Regierung ohne Atomstrom im Sommer Energieengpässe. Studien weisen eine Energielücke von rund 15 Prozent aus. Zudem hat die um rund 30 Prozent gestiegene Einfuhr von Öl und Gas, womit nach der Reaktivierung alter Kraftwerke die Energielücke zunächst geschlossen wurde, die Handelsbilanz Japans tief in die roten Zahlen gedrückt und die Energiepreise steigen lassen. Immer mehr Unternehmen weichen deshalb mit ihrer Produktion in benachbarte asiatische Länder aus.

          Die Energieunternehmen und Wirtschaftsverbände begrüßten die Entscheidung der Regierung. Hiromasa Yonekura vom Unternehmerverband Keidanren gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass nun bald weitere Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen. Nur so könne Japan als Industriestandort und damit der Lebensstandard der Bevölkerung gesichert werden. In der Bevölkerung sind die Bedenken gegen Atomkraft Umfragen zufolge aber noch sehr stark.

          Die Entscheidung zum Neustart der Atomreaktoren in Oi könnte nur ein Auftakt für weitere Wiederinbetriebnahmen gewesen sein. Die beim Wirtschaftsminister angesiedelte Agentur für Nuklear- und Industriesicherheit (Nisa) nannte am Sonntag fünf weitere Standorte bekannt, die nach erfolgreichen Stresstests demnächst wieder ans Netz gehen könnten.

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