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Nach Finanzkrise : Geschrumpfte Großbanken

Keine rosige Zeit: Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Christian Sewing bei der Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle im Mai. Bild: dpa

Die Deutsche Bank und Commerzbank haben schwierige Jahre hinter und vor sich. Nach der kräftezehrenden Finanzkrise in Amerika und können beide Banken nicht wirklich im internationalen Vergleich mithalten.

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          Die Eskalation der Finanzkrise in den Vereinigten Staaten ging in Deutschland mit einer Bündelung der Kräfte im privaten Bankgewerbe einher: Am 31. August 2008, gut zwei Wochen vor dem Fall von Lehman Brothers, gab die Commerzbank die Übernahme der Dresdner Bank bekannt. Am 13. September 2008 erwarb die Deutsche Bank 29,8 Prozent der Anteile an der Postbank; gleichzeitig sicherte sie sich ein Anrecht auf den Kauf der restlichen Anteile. Die Konsolidierung der privaten deutschen Großbanken, die im Jahre 1998 mit dem Zusammenschluss der Bayerischen Vereinsbank mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank begonnen hatte, kam unter dem Eindruck der Krise voran.

          Mit ihrem jungen Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing sah sich die Commerzbank in der Offensive. Die Dresdner Bank war ursprünglich größer und wertvoller als die Commerzbank gewesen, unter der Aufsicht ihres Großaktionärs Allianz allerdings heruntergewirtschaftet worden. Die Übernahme durch die Commerzbank wurde nicht unwesentlich von dem auch in Berlin unterstützten Willen getragen, die Allianz von der schwachen Dresdner Bank zu befreien, damit die deutsche Öffentlichkeit, die schon Angst um die Banken hatte, nicht auch noch Angst um die Versicherungen bekam. Gerne hätte Blessing bei dieser Gelegenheit gleich auch noch die Postbank vereinnahmt, aber die ging an die Deutsche Bank.

          Die Eskalation der Finanzkrise nach dem Fall des Hauses Lehman erschütterte den Deal zwischen Commerzbank und Dresdner Bank. Erst wurde der Übernahmepreis von 9,8 auf 5,5 Milliarden Euro reduziert, dann benötigte die Commerzbank 8,2 Milliarden Euro stille Einlagen aus einem staatlichen Rettungsfonds. Im Januar 2009 schoss der Fonds noch einmal für 8,2 Milliarden Euro stille Einlagen in die Bank ein; außerdem erwarb der Staat im Rahmen einer Kapitalerhöhung für 1,8 Milliarden Euro 25 Prozent des Kapitals plus 1 Aktie. Seitdem ist der Staat der wichtigste Aktionär der Commerzbank; heute hält er 15,5 Prozent. Die stillen Einlagen sind zurückgezahlt, allerdings mussten die Aktien im Verhältnis von 10 zu 1 zusammengelegt werden. Für den Aktionär ist die Kursentwicklung der Commerzbank über die vergangenen zehn Jahre eine Katastrophe gewesen.

          Anders als die Commerzbank, deren Schwerpunkt der deutsche Markt geblieben war, hatte die Deutsche Bank seit dem Jahre 1989 eine Präsenz als globale Investmentbank aufgebaut; im Zuge dieses Prozesses war sie unter die Kontrolle der amerikanisch geprägten Investmentbanker geraten. Sie waren vor der Finanzkrise stark genug gewesen, eine nennenswerte Expansion der Deutschen Bank auf ihrem Heimatmarkt mit Verweis auf die dort sehr niedrigen Renditen zu verhindern. Mit der Finanzkrise gewannen billige Kundeneinlagen als sichere Finanzierungsquelle einer Bank aber eine große Bedeutung, und so kam es zur Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank. Der damalige Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann betrachtete die Stärkung des Massengeschäfts nun als Stabilisierung eines Hauses, das seinen Rang als eine der größten Investmentbanken der Welt nicht nur bewahren wollte. Die Bank hatte sich zum Ziel gesetzt, in der Krise von der Schwäche mancher Konkurrenten zu profitieren.

          Aus blanker Not über Kostenseite gesteuert

          Wurde die Commerzbank nach der Finanzkrise aus blanker Not vor allem über die Kostenseite gesteuert, zählte für Ackermann vor allem die Maximierung der Erlöse. Anders als die Commerzbank benötigte die Deutsche Bank niemals den Einschuss von Staatsgeld in ihr Kapital; aber sie profitierte von staatlichen Rettungsaktionen für Häuser wie den amerikanischen Versicherer AIG. Hier bekam die Deutsche Bank Forderungen über 11,9 Milliarden Dollar ausgezahlt, die ohne die Rettung der AIG mutmaßlich verloren gewesen wären.

          Auch die Aktie der Deutschen Bank ist über die vergangenen zehn Jahre eine schlechte Anlage gewesen. Hierfür ist nicht nur die durch Ackermanns Großmannssucht geprägte Geschäftspolitik verantwortlich. Anders als beispielsweise die UBS hatte es die Deutsche Bank versäumt, ihr Geschäftsmodell rechtzeitig neu auszurichten. Erst blieb Ackermann länger, als er eigentlich geplant hatte, weil der Aufsichtsrat mit der Regelung der Nachfolge scheiterte. Als Ackermann dann 2012 die Bank verließ, unterließen seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen eine Kurskorrektur. Stattdessen wurden weiterhin ehrgeizige Ziele ausgerufen, die mit den Ressourcen der Bank nicht vereinbar waren. Einnahmen durch Kapitalerhöhungen und Ausgaben für Strafzahlungen hielten sich in den vergangenen Jahren in etwa die Waage.

          Während sich international viele Banken gut entwickelten, kamen Deutsche Bank und Commerzbank nicht voran. Eine nicht unwahrscheinliche Fusion beider Banken in den kommenden Jahren wäre keine Traumhochzeit, sondern eine Vernunftehe zweier schwacher Partner.

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