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Nach Drohung der EU-Kommission : Mobilfunker senken Datentarife im Ausland

  • -Aktualisiert am

Mobiles Internet auch im Ausland: Die Telekom und Telefónica O2 senken ihre Tarife Bild: dpa

Mobile Internetnutzung im Ausland wird günstiger: Die Deutsche Telekom und Telefónica O2 senken ihre Tarife. Zudem soll der Ausbau des Mobilfunknetzes der vierten Generation, LTE (Long Term Evolution), beschleunigt werden.

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          Die Deutsche Telekom und Telefónica O2 senken ihre Tarife für die mobile Internetnutzung im Ausland. Beide Unternehmen reagieren damit auf die Androhung der Europäischen Kommission, notfalls die Tarife nach unten zu regulieren. Ob die Unternehmen damit einer Regulierung entgehen, ist allerdings noch nicht klar.

          Vertragskunden der Deutschen Telekom können künftig in den anderen EU-Ländern ein Übertragungsvolumen von zehn Megabyte für 1,95 Euro am Tag erwerben. 50 Megabyte sollen dann 4,95 Euro kosten, und ein Pauschaltarif für eine Woche soll mit 14,95 Euro berechnet werden. Die Tarife sollen spätestens von Juli an gelten. „Bisher haben nur 3 Prozent unserer Kunden Datenroaming im Ausland genutzt. Mit dieser Tarifsenkung wollen wir das mobile Internet zu einem Massenmarkt machen“, sagte Ed Kozel, der Technologievorstand der Telekom, in Barcelona. Vielen Kunden war die Nutzung des mobilen Internet im Ausland bisher viel zu teuer.

          Bis 2013 soll das Netz in ganz Deutschland eingeführt sein

          Telefónica O2 verfolgt ein anderes Tarifmodell. Wer im Ausland von nun an mehr als ein Megabyte an Daten auf sein Smartphone oder Notebook lädt, bekommt weitere zehn Megabyte dazu und zahlt dafür insgesamt 5,12 Euro, kündigte René Schuster, der Deutschland-Chef des Unternehmens, in Barcelona an. Bisher mussten die Kunden 55 Euro für diese Datenmenge zahlen. Sind die elf Megabyte aufgebraucht, werden für die zweiten elf Megabyte weitere 5,12 Euro fällig. Insgesamt ist die Rechnung auf Druck der EU auf knapp 60 Euro im Monat gedeckelt.

          T-Punkt in London: Vertragskunden im Ausland sollen zehn Megabyte für 1,95 Euro erwerben können

          Schuster kündigte in Barcelona an, den Ausbau des Mobilfunknetzes der vierten Generation LTE zu beschleunigen. LTE, die Abkürzung für Long Term Evolution, kann Daten theoretisch mit 100 Megabit je Sekunde übertragen. „LTE kommt schneller als erwartet. Nach unseren Berechnungen haben nur 5 Prozent der Bevölkerung keinen Breitband-Anschluss an das Internet. Diese ,weißen Flecken' können schneller erschlossen werden, so dass auch der Ausbau in den Städten schneller angegangen werden kann. Wir werden unser LTE-Netz bis 2013 in ganz Deutschland eingeführt haben“, sagte Schuster.

          Das Unternehmen, das sich nach der Integration von Hansenet in Telefónica umbenennen wird, will mit der Vermarktung seines LTE-Netzes in Deutschland im zweiten Quartal beginnen. „Erste Smartphones, die LTE unterstützen, werden schon Ende des Jahres verfügbar sein - ein Jahr früher als erwartet“, sagte Schuster. Nach seiner Schätzung wird LTE schon in zwei Jahren die Standard-Mobilfunkplattform auf dem deutschen Markt sein. Mit dem Bau des Netzes wurden die beiden Netzwerkausrüster Huawei und Nokia Siemens Networks beauftragt.

          „Kräftige Konsolidierung“ 2012

          Um Unternehmen wie Google und Apple Paroli bieten zu können, entwickeln die Netzbetreiber neue Dienste, damit sie neben der reinen Datenübertragung am mobilen Internet mitverdienen können. Ein wichtiges Feld ist dabei das mobile Bezahlen mit Hilfe der Funktechnik NFC. „Diese Zahlungssysteme stehen endgültig vor dem Durchbruch“, sagte Schuster. Nach seiner Einschätzung könnte schon im Jahr 2016 das Ende der Kreditkarte gekommen sein. „Kreditkarten sind analog. Wir leben in einer digitalen Welt“, sagte Schuster. Gemeinsam mit der Telekom und Vodafone will O2 das Zahlungssystem Mpass zuerst in Deutschland und dann auch im Ausland als Standard etablieren. O2 überlegt auch, eine Banklizenz zu beantragen.

          Für die Telekom ist aber noch nicht klar, welche Zahl-Plattform sie am Ende unterstützen wird. „Wir experimentieren mit neuen Modellen; das Geschäftsmodell muss erst noch gefunden werden. Aber 2012 wird es eine kräftige Konsolidierung geben“, sagte Kozel.

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