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Nach dem Rücktritt Strauss-Kahns : Wer im IWF zahlt

Bild: reuters

Die Zeit von Dominique Strauss-Kahn beim IWF ist abgelaufen. Wer ihm nachfolgt ist noch unklar. Ein Europäer? Oder jemand aus einem Schwellen- oder Entwicklungsland?

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          An diesem Freitag wird in New York eine Jury entscheiden, ob Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn erhoben wird, dem „kriminelle sexuelle Handlungen“ vorgeworfen werden. Wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird, so ist mittlerweile eine Sache klar: Die Zeit Strauss-Kahns als Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds ist abgelaufen. Mit seinem Rücktritt stellt sich für den Währungsfonds nun allerdings eine andere Frage: Wer wird der Nachfolger?

          Europa hat sich noch nicht auf einen Nachfolger geeinigt. Dass es aber wieder ein Europäer sein soll, ist auf dem alten Kontinent unbestritten. Die Forderung aus den Schwellen- und Entwicklungsländern, dass jetzt sie mit der Besetzung der Chefetagen der internationalen Finanzinstitutionen an der Reihe seien, ist dabei eher ein Scharmützel mit Blick auf die Zukunft.

          Wer anschafft, sollte auch das Sagen haben

          Für einen europäischen Kandidaten spricht weniger, dass er sich im Idealfall mit der politischen Gemengelage in Europa auskennt und in der Schuldenkrise vermittelnd wirken könnte. Für die Zukunft der Währungsunion wäre es womöglich sogar besser, wenn ein gänzlich Außenstehender mit der Autorität des Währungsfonds den unsolide wirtschaftenden Regierungen im Euroraum auf die Finger klopfte. Das wollen die Europäer freilich nicht zulassen.

          In Haft: Dominique Strauss-Kahn

          Nach der bewährten Arbeitsteilung mit den Amerikanern aber spricht für einen europäischen IWF-Chef der alte Grundsatz, dass derjenige das Sagen haben sollte, der anschafft. Diese Rationalität der Aufteilung der Chefposten bei Währungsfonds und Weltbank zwischen Europa und Amerika hat trotz des Aufstiegs vieler Schwellenländer noch lange nicht ausgedient. Ernsthaft könnte bislang nur China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und von zunehmendem Gewicht im IWF, einen Anspruch auf die Spitzenposition geltend machen. Die Volksrepublik aber weiß, dass langer Atem sich auszahlt und dass ihr die Früchte des wirtschaftlichen Erfolgs auch auf internationalem Finanzparkett ohnehin zufallen werden.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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