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Nach Betriebsstopp : Qantas muss wieder fliegen

Qantas muss den Flugverkehr wieder aufnehmen Bild: dapd

Die australische Fluggesellschaft Qantas hat nach fast 48-stündigem Stillstand ihren Flugbetrieb wieder aufgenommen. Bis zum Dienstag sollen wieder alle Flugzeuge planmäßig starten. Am Wochenende hatten zehntausende Passagiere festgesessen.

          Die australische Fluggesellschaft Qantas Airways hat nach fast 48-stündigem Stillstand am Montag ihren Flugbetrieb wieder aufgenommen. Der erste Flug ging von Sydney nach Jakarta. Bis zum Dienstag will die zehntgrößte Fluggesellschaft der Welt nach eigenen Angaben wieder alle 108 Flugzeuge im planmäßigen Betrieb haben.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Zuvor hatte ein von der australischen Regierung eingesetztes Schiedsgericht entschieden, dass die Fluggesellschaft an diesem Montag ihre gewerkschaftlichen Mitarbeiter nicht wie geplant aussperren darf. Zugleich müssen die Gewerkschaften ihren Streik beenden. Mehr als 70.000 Fluggäste der australischen Linie sitzen an Flughäfen rund um die Erde fest, nachdem der Qantas-Vorstand am Samstag überraschend die Einstellung des Flugbetriebes angeordnet hatte. An den australischen Flughäfen herrschte am Wochenende Chaos.

          Qantas-Vortandschef Alan Joyce hatte erklärt, das Unternehmen brauche sechs Stunden, um den Betrieb wiederaufzunehmen. Zugleich müssen Vorstand und Gewerkschaften nun verhandeln - auch der Streik ist für die Zeitspanne von 21 Tagen untersagt worden. Kommen sie zu keinem Ergebnis, wird es einen bindenden Schiedsspruch geben.

          Die Gewerkschaften der Ingenieure, der Piloten und der Gepäckarbeiter wandten sich mit ihren Streiks gegen den Aufbau von Qantas-Tochtergesellschaften in Asien. Mit ihnen will Joyce von den Standorten Singapur oder Kuala Lumpur aus kostengünstiger die Wachstumsmärkte erschließen. Die Arbeitnehmervertreter fürchten eine breitflächige Verlagerung ihrer Stellen und den Einsatz von Zeitarbeitern.

          „Wir wollen das Bluten und Geröstetwerden beenden“

          Das Management von Qantas wollte mit der Stilllegung das Ende eines seit September währenden Streiks noch vor Beginn der Tourismussaison in Australien vor Weihnachten erzwingen. „Wir wollen das Bluten beenden und das langsame Geröstetwerden“, sagte Qantas-Chef Joyce mit Blick auf die Taktik der Gewerkschaften. Qantas untersagte ab Samstag den Start für 108 Maschinen auf australischen und internationalen Strecken von 22 Flughäfen. Die Stilllegung kostete die Industrie-Ikone des fünften Kontinents täglich 20 Millionen australische Dollar (15,11 Millionen Euro), der Streik kostete sie bislang umgerechnet rund 50 Millionen Euro. Joyce sieht sich auch deshalb zum Handeln gezwungen, weil die Qantas-Aktie in diesem Jahr schon 39 Prozent ihres Wertes verloren hat. Der australische Leitindex ASX 200 hat dagegen nur 8,3 Prozent eingebüßt.

          Zehntausende Passagiere saßen am Wochenende auf Flughäfen in aller Welt fest

          Flüge der Tochtergesellschaften QantasLink, Jetstar, Jetconnect Services sowie Frachtflüge waren von dem Flugverbot nicht betroffen. Qantas bedient rund zwei Drittel des australischen Luftverkehrs. Die konkurrierende Fluggesellschaft Virgin Atlantic baute unterdessen ihre Kapazitäten aus. Im internationalen Geschäft begannen Verhandlungen mit Etihad Airways, Air New Zealand, Singapore Airlines und Delta Air Lines, um gestrandete Passagiere zu übernehmen. Joyce hatte angekündigt, die Fluglinie so lange stillzulegen, bis die Gewerkschaften von ihren Forderungen nach höheren Löhnen und einer Arbeitsplatzgarantie abließen.

          Qantas-Vorstandschef Joyce ist in Australien äußerst umstritten

          Der 45 Jahre alte Vorstandschef, der in Australien äußerst umstritten ist, hatte vor dem ungewöhnlichen Schritt die Reaktion seiner Anteilseigner auf der Hauptversammlung am Freitag abgewartet. „Wir sind mit 97 Prozent wiedergewählt worden. Danach haben wir eine Konferenz des Verwaltungsrates einberufen und uns dabei entschieden, nicht mehr zu fliegen, solange gestreikt wird“, sagte er am Sonntag. Sein eigenes Gehalt ließ er sich um 71 Prozent auf 5 Millionen australische Dollar erhöhen. Gewerkschaften, Politiker und Touristenverbände warfen Joyce vor, die Entscheidung lange geplant zu haben. „Das stimmt nicht. Als Fluggesellschaft müssen wir sehr schnell reagieren. Wir haben unsere Flotte von Airbus A380 Stunden nach dem Triebwerksschaden im Jahr 2010 stillgelegt. Wir sind in der Lage, im Konzern sehr spontan zu reagieren“, wehrte sich Joyce.

          Politiker wandten sich am Sonntag gegen Joyce und sprachen von einer Überreaktion auf die Streiks. Für sie ist die völlig überraschende Aktion peinlich, weil auch das alle zwei Jahre konferierende Forum der Commonwealth-Staaten im westaustralischen Perth betroffen ist: 17 Regierungschefs der ehemaligen britischen Kolonialländer waren auf Qantas-Flüge gebucht, was dem Management natürlich bewusst war.

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