https://www.faz.net/-gqe-ydee

Nach Ausfall von Atomreaktoren : Japan braucht mehr Flüssiggas

  • -Aktualisiert am

Flüssiggas wird in Tankern transportiert Bild: REUTERS

Nach dem Atomunfall ist das Land auf alternative Energiequellen angewiesen. Länder wie Russland und Südkorea wollen jetzt mehr Flüssiggas liefern. Auch der niederländisch-britische Öl- und Gaskonzern Shell leitet Schiffstransporte mit verflüssigtem Erdgas nach Japan um.

          Nach dem Erdbeben und den Störfällen in Atomkraftwerken in Japan steigt der Bedarf des Landes an Flüssiggas (LNG, Liquefied Natural Gas). Japan ist auf alternative Energiequellen angewiesen, nachdem mindestens 11 Reaktoren keinen Strom mehr liefern. Länder wie Russland und Südkorea wollen jetzt mehr Flüssiggas an Japan liefern. Auch der niederländisch-britische Öl- und Gaskonzern Shell leitet Schiffstransporte mit verflüssigtem Erdgas nach Japan um. Shell ist unter den Energiekonzernen führend im LNG-Geschäft. Da die Nachfrage nach Erdgas zur Stromerzeugung global zulegen dürfte, ist auch in Europa mit höheren Gaspreisen zu rechnen.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Im Jahr 2009 verbrauchte Japan 87,4 Milliarden Kubikmeter Gas, das entspricht 64 Millionen Tonnen LNG. Damit ist das Land der weltgrößte LNG-Importeur. Rohstoffanalysten schätzen, dass Japan nach dem Beben etwa 13 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr zusätzlich benötigen wird. Die Internationale Energieagentur geht allerdings nicht davon aus, dass Japan ein langfristiger Engpass an Strom drohe. Es sei genügend Öl in Japan vorhanden, um Strom zu erzeugen.

          Die russische Regierung ist mittlerweile auf die Bitte Japans nach größeren Energielieferungen aus Russland eingegangen. Der russische Vizeministerpräsident Igor Setschin sprach davon, im April und im Mai zusätzlich 200 000 Tonnen verflüssigtes Erdgas nach Japan schicken zu können. Im fernen Osten Russlands gebe es außerdem einen Stromüberschuss, rund 6000 Megawatt könnten nach Japan exportiert werden. Es gebe bereits ein Projekt für ein Stromkabel unter Wasser. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin sagte, das Öl- und Gasprojekt Sachalin 3 vor der Pazifik-Küste soll vorangetrieben werden, weil Japan wohl längerfristig auf russische Lieferungen angewiesen sei.

          Sakhalin Energy, der Betreiber des Projektes Sachalin 2, sagte, dass das Unternehmen in Kontakt mit Abnehmern stehe, um möglicherweise LNG-Chargen nach Japan umzuleiten. Russlands einzige LNG-Anlage liegt auf der Insel Sachalin in der Nähe zu Japan. Der russische Erdgas-Riese Gasprom hält die Mehrheit an Sachalin 2, Shell sowie Mitsui und Mitsubishi sind Minderheitsaktionäre. Ob Sachalin 2 jedoch in der Lage ist, in der nächsten Zeit die Produktion zu steigern, ist fraglich. Die Anlage hat eine Kapazität von 9,6 Millionen Tonnen LNG im Jahr, rund 60 Prozent davon werden bereits nach Japan geliefert. Vielmehr sollen Mengen in den Inselstaat gelenkt werden, die bereits an andere Abnehmer mittels langfristiger Verträge verkauft wurden. Sakhalin Energy teilte mit, dass die eigene Produktion durch die Erdbeben keinen Schaden genommen habe. Auch die LNG-Anlagen in Japan würden voll arbeiten.

          Da die Japaner den Ausfall der Atomenergie für die Stromerzeugung auf anderem Wege ersetzen müssen, hat sich der Preis für Erdgas erhöht. Auch der Energieriese Shell hält es für möglich, dass die Gaspreise in Europa in den kommenden Jahren steigen, wenn viele Regierungen stärker auf den Bau von Gaskraftwerken statt Atomkraft setzen sollten. Eine Angebotsverknappung im europäischen Markt sei wahrscheinlich, sagte Shell-Finanzvorstand Simon Henry. Besonders Großbritannien ist auf LNG-Lieferungen angewiesen. In Deutschland gibt es bisher kein Terminal, um Tanker mit LNG zu entladen. Allerdings weisen Rohstoffanalysten darauf hin, dass genügend Flüssiggas auf der Welt vorhanden ist: Das globale Überangebot betrage 30 Millionen Tonnen, heißt es in der Bank Morgan Stanley. Dies sei genug, um den Rückgang des mit Atom erzeugten Stroms in Japan zu kompensieren.

          Der russische Gasprom-Konzern könnte aufgrund der zusätzlichen japanischen Nachfrage profitieren. Europäische Abnehmer, wie Eon Ruhrgas, hatten zuletzt Druck auf Gasprom ausgeübt, die Koppelung des Gaspreises an die Erdölnotierung aufzuweichen. Der vertraglich festgelegte Preis für russisches Pipeline-Gas lag weit über der Notierung an den Spotmärkten. Wenn die Gaspreise in Europa steigen, wird diese Frage weniger drängend.

          Weitere Themen

          Neuer Interessent für Osram

          Bieterwettstreit? : Neuer Interessent für Osram

          Überraschend ist die österreichische AMS als Bieter für den Münchner Lichttechnik-Konzern auf den Plan getreten. Er will den Finanzinvestoren Bain und Carlyle Paroli bieten. Der Osram-Vorstand hat größte Bedenken.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.