https://www.faz.net/-gqe-7lz76

Nach Alice Schwarzer : SPD-Staatssekretär gibt Steuerhinterziehung zu

  • Aktualisiert am

André Schmitz Bild: dpa

Berlins Kulturstaatssekretär Schmitz hat Steuern hinterzogen. Er gibt den Fehler zu. Pikant ist auch: Regierungschef Wowereit wusste seit 2012 Bescheid - und beließ Schmitz im Amt.

          Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz hat jahrelange Steuerhinterziehung zugegeben und Fehler eingeräumt. „Ich habe einen schwerwiegenden Fehler begangen, den ich sehr bedauere“, erklärte der SPD-Politiker am Montag in Berlin und räumte ein, ein Konto mit fast einer halben Million Euro in der Schweiz nicht versteuert zu haben. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wusste seit 2012 von dem Steuerbetrug, ließ Schmitz aber im Amt, wie Senatssprecher Richard Meng sagte. SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte die Vorgänge in der Hauptstadt scharf.
          „Politische Repräsentantinnen und Repräsentanten haben eine Vorbildfunktion, der sie gerecht werden müssen“, sagte Gabriel nach einer SPD-Klausur in Potsdam. „Wir haben klar gesagt, dass wir dafür sind, Steuerhinterziehung strenger zu verfolgen und zu bestrafen“, so der Parteichef. „Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt.“

          Die Opposition, aber auch der Koalitionspartner CDU verlangten umfassende Aufklärung von Wowereit. „Ich hoffe sehr, dass wirklich alles offen gelegt ist“, erklärte CDU-Generalsekretär Kai Wegner. Die Berliner SPD wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern. Fraktion wie Partei lehnten eine Stellungnahme ab. Auch die Staatsanwaltschaft gab mit Verweis auf das Steuergeheimnis keine Auskünfte.

          Im Namen Wowereits, der derzeit im Urlaub ist, erklärte Senatssprecher Meng: „Der Regierende Bürgermeister sieht da eine ernstzunehmende private Verfehlung, die zu kritisieren ist.“ Schmitz habe Wowereit 2012 über das Steuerverfahren gegen sich informiert und auch gegenüber dem Regierungschef sein Bedauern geäußert, sagte Meng. Wowereit verantwortet seit 2006 das Kulturressort.

          „Schmitz ist ein hochkompetenter und in der Stadt hochangesehener Kulturpolitiker. Vor dem Hintergrund dieser dienstlichen Bewertung hat Wowereit 2012 entschieden, Schmitz im Amt zu belassen“, sagte Meng. Auf die Frage, ob sich diese Bewertung heute geändert habe, sagte der Sprecher: „Es gibt keine neuen Fakten seitdem.“

          Zuerst hatte die „B.Z.“ über den Steuerbetrug berichtet. Der Sprecher des Kulturstaatssekretärs bestätigte, dass Schmitz 425 000 Euro aus einem Erbe bei einer Schweizer Bank angelegt, die daraus stammenden Einnahmen aber nicht versteuert habe. Steuerfahnder entdeckten das Geld dem Bericht zufolge bei einer Bank-Razzia 2012.

          Schmitz selbst erklärte dazu: „Ich habe ein von mir in der Schweiz ererbtes Guthaben im Jahre 2005 in eine Lebensversicherung der Credit Suisse eingezahlt. Die Versicherung und das Konto wurden 2007 aufgelöst.“ 2012 sei ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet und gegen eine Geldauflage von 5000 Euro sowie eine Steuernachzahlung von rund 2000 Euro eingestellt worden. Zudem habe er für den Zeitraum von 2000 bis 2007 knapp 20 000 Euro Steuern nachgezahlt.

          Die Linke forderte Schmitz auf zu sagen, „welche Konsequenzen er zu ziehen gedenkt“. Die Grünen-Kulturexpertin Sabine Bangert erklärte: „Schmitz hat mit seinem Verhalten enormen politischen Schaden angerichtet. Besonders schlimm ist, dass es offenbar keinerlei Unrechtsbewusstsein gibt.“

          Weitere Themen

          Alles auf Wiederaufbau Video-Seite öffnen

          Ölkonzern in Saudi-Arabien : Alles auf Wiederaufbau

          Der Ölkonzern Saudi Aramco will die Produktion in Churais nach den Drohnenangriffen bis Monatsende wieder voll aufnehmen. Rund um die Uhr arbeiten Mitarbeiter am Wiederaufbau.

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.