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Nach 58 Jahren : In Edinburgh rollt wieder die Straßenbahn

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Die ersten Fahrgäste Bild: AP

Eigentlich sollte sie schon vor vier Jahren in Betrieb gehen: Jetzt fahren die ersten Züge durch die schottische Stadt. Die Verzögerung hat auch der deutschen Baufirma Bilfinger Berger Ärger gebracht.

          Mit vier Jahren Verspätung und nach erbitterten Streitigkeiten hat die schottische Hauptstadt Edinburgh endlich wieder eine Straßenbahn. Am Samstag beförderten die ersten Züge ihre Fahrgäste auf der neu gebauten Trasse zwischen Stadtzentrum und Flughafen. Das neue Straßenbahn-System, ursprünglich auf mehreren Linien geplant, sollte bereits 2010 fertig sein. Edinburgh hat damit erstmals nach 58 Jahren wieder eine Tram.

          Die Stadtverwaltung machte vor allem die deutsche Baufirma Bilfinger Berger für die Verzögerung verantwortlich. Die starke Überschreitung der geplanten Baukosten hatten zu mehreren Baustopps geführt.

          Mit 776 Millionen Pfund (954 Millionen Euro) liegt das aus einer Linie bestehende Projekt schließlich um rund eine Viertelmilliarde Pfund über der ursprünglichen Kostenschätzung für drei Linien. Die in die Länge gezogenen Bauarbeiten hatten Edinburgh jahrelang in ein Verkehrschaos gestürzt.

          Edinburgh

          Aber auch politisch hatte es Querelen gegeben: Während Andrew Burns, Lokalpolitiker der Labour-Partei und Vorsitzender des Stadtrats, sich für die Wiedereinführung der Tram stark gemacht hatte, hielt der Verkehrsminister der schottischen Regionalregierung, Keith Brown, dagegen. Seine Schottische Nationalpartei (SNP) hält das Projekt für zu teuer.

          Noch bei der Eröffnungsfeier am Samstag prallten die Positionen aufeinander. „Offensichtlich wird es in der Stadt immer positiver gesehen, dass wir ein ganz neues Verkehrssystem errichtet haben“, sagte Burns. Der SNP-Minister hielt dagegen: „Wir haben nicht vor, das Netz auszubauen.“

          In mehreren europäischen Großstädten hat es in den vergangenen Jahrzehnten Überlegungen zur Wiedereinführung stillgelegter Straßenbahnnetze gegeben. Bereits in den 1990er Jahren ließ Straßburg die Tram in die Stadt zurückkehren. Pläne zum Bau einer neuen Stadtbahn in Hamburg hatte Bürgermeister Olaf Scholz nach seinem Wahlsieg 2011 gestoppt. Die Hansestadt verfügte einst über eines der größten Straßenbahnnetze Europas.

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