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Mutmaßliche Hilfe bei Steuerhinterziehung : Schweizer Top-Banker stimmt Auslieferung nach Amerika zu

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In Italien wurde er gefasst und sitzt seither in einem überfüllten Gefängnis: der ehemalige UBS-Banker Raoul Weil Bild: dpa

Der ehemalige UBS-Top-Banker Raoul Weil soll Amerikanern geholfen haben, Steuern in Milliardenhöhe zu hinterziehen. Vor Wochen wurde er in Italien gefasst, nun kann er an Amerika ausgeliefert werden. Dort droht ihm eine Haftstrafe.

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          Der in Italien festgenommene frühere UBS-Spitzenbanker Raoul Weil stellt sich in den Vereinigten Staaten einem Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. „Herr Weil hat einer Auslieferung an die USA zugestimmt, weil er immer bereit war, sich diesen Anklagepunkten zu stellen“, erklärte sein Anwalt Aaron Marcu von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer in New York in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur Reuters. Er erwarte, dass Weil entlastet werde, wenn er die Gelegenheit habe, seinen Fall vor einem Geschworengericht darzulegen.

          Der Schweizer war im Oktober verhaftet worden, als er mit seiner Frau in Bologna Ferien machte. Die Amerikaner werfen ihm vor, als hoher Manager und Spartenchef des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts der UBS reichen Amerikanern geholfen zu haben, bis zu 20 Milliarden Dollar vor dem Fiskus zu verstecken. Die UBS selbst konnte sich 2009 mit der Zahlung von 780 Millionen Dollar und der Lieferung von rund 4500 Kundennamen von einer Strafverfolgung freikaufen.

          Seit Wochen in einem überfüllten italienischen Gefängnis

          Seit seiner Verhaftung hat Weil mehr als fünf Wochen in einem italienischen Gefängnis verbracht. Die Richter haben die Anträge seiner Anwälte auf Hausarrest wiederholt abgelehnt. Justizkreisen zufolge hat Weil seiner Auslieferung bei einer Gerichtsanhörung in Bologna am Montag zugestimmt. Der 54-Jährige dürfte nun noch einige Wochen in dem überfüllten Gefängnis Dozza bleiben. Der italienische Justizminister hat bis zu 45 Tage Zeit, um die Auslieferung formell zu verfügen. Dem Banker drohen in den Vereinigten Staaten bis zu fünf Jahre Haft.

          Weil ist der bisher höchste Schweizer Banker im Visier der Amerikaner. Die Amerikanern hatte ihn 2008 angeklagt und 2009 mit einem internationalen Haftbefehl zur Fahndung ausgeschrieben. Seit der Anklage lebte er in der Schweiz. Das Land liefert eigene Staatsangehörige in Steuerhinterziehungsfällen nicht aus. Nach der Anklage verließ Weil auch die UBS und wechselte später zum Schweizer Vermögensverwalter Reuss Private Group.

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