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Corona-Ausbruch : Landrat will Tönnies Kosten in Rechnung stellen

  • Aktualisiert am

Helfer in Schutzanzügen weisen Wagen in die mobile Teststation in Gütersloh ein Bild: dpa

Der Fleischbetrieb von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück bleibt weiterhin geschlossen. Wann die Schlachtung weitergeht, hängt auch vom Hygienekonzept ab. Die ganze Fabrik wird genau überprüft.

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          Landrat Sven-Georg Adenauer will das Unternehmen Tönnies für Kosten in die Pflicht nehmen, die dem Kreis Gütersloh durch den großen Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Rheda-Wiedenbrück entstanden sind. Immerhin habe das Unternehmen von Clemens Tönnies viele Kosten im Kreis Gütersloh verursacht, sagte der CDU-Politiker am Dienstag. „Irgendwann wird ihm diese Rechnung auch präsentiert werden, zumindest das, was wir als Kreisverwaltung an Kosten hatten.“

          Eine konkrete Summe nannte Adenauer nicht, verwies aber unter anderem auf die zahlreichen Corona-Tests. Den Kosten kann man sich nur nähern: Labore bekommen seit Anfang Juli laut der Corona-Test-Verordnung des Bundes knapp 40 Euro für einen Test, bei Tönnies wurden mehr als 6100 Tests gemacht, hinzu kamen zuletzt noch mobile Teams, die gut 1000 Befunde hatten. Bei den dadurch entstandenen geschätzten 280.000 Euro dürfte es aber nicht bleiben: „Herr Tönnies hat sich ja bereit erklärt, die Kosten für die Testungen zu übernehmen. Der Deckel wird mit Sicherheit größer werden“, sagte Adenauer. Auch eine gerichtliche Auseinandersetzung über die Kostenübernahme schloss der Landrat nicht aus.

          „Wir wollen wirklich in jeden Winkel hineinschauen“

          Seit Anfang der Woche beraten Behördenvertreter des Kreises wie der Stadt Rheda-Wiedenbrück sowie der Bezirksregierung Detmold mit Fachleuten und dem Unternehmen über das von Tönnies vorgelegte Hygienekonzept zur schrittweisen Wiederaufnahme des Schlachtbetriebs. Am Dienstag fanden dazu Begehungen auf dem Werksgelände statt. „Wir wollen wirklich in jeden Winkel hineinschauen“, erklärte der Landrat. Auch das Amt für Arbeitsschutz, das Gesundheitsamt und Veterinäre seien dabei.

          Landrat Sven-Georg Adenauer

          „Ich wage überhaupt keine Prognose, wann das Werk wieder arbeiten wird, wie es arbeiten wird“, sagte Adenauer. Das Hygienekonzept gehe „in Teilen in die richtige Richtung. Erfüllt aber noch längst nicht alles, was erforderlich ist. Da muss das Unternehmen noch nacharbeiten und ich gehe davon aus, dass das Unternehmen das auch tun wird“.

          Die Schließungsverfügung läuft bis zum 17. Juli. „Wenn man dieses Datum einhalten will, dann muss sich die Firma in die Hände spucken“, sagte Adenauer. Im Fokus stehen demnach die Belüftung, aber auch die Frage, wie man sicherstellen könne, dass Abstandsregeln und Mundschutzpflicht eingehalten werden.

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