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Musiktauschbörse : Duet schielt auf Napster

  • -Aktualisiert am

Vivendi strahlt und hat trotzdem ein Problem Bild:

Die Musikindustrie hat ein Problem: Napster. Der Erfolg der Musiktauschbörse zwingt zusammen, was nicht zusammen sein will.

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          Der weltweit zweitgrößte Umwelt- und Kommunikationskonzern Vivendi Universal gab Ende Februar ein Joint Venture mit der japanischen Sony-Gruppe bekannt, dass hausintern "Duet" genannt wird. Über das neue Unternehmen sollen nach dem Vorbild der US-Musiktauschbörse Napster Titel online vertrieben werden.

          Vivendi Universal-Chef Jean-Marie Messier kündigte an, der Dienst werde in einigen Monaten starten. Brancheninsider gehen davon aus, dass Messier mit Duet auf die Stellung von Napster schielt. Die Online-Musikbörse verfügt über rund 65 Millionen Nutzer. Sie bescherte den fünf Großen der Musikindustrie Ausfälle in Milliardenhöhe.

          Nach deren Klagen versucht Napster seit dem Wochenende, einen Filter auf der Webseite zu installieren, um seine Existenz zu retten. Unterstützt wird die Börse dabei von Bertelsmann. Der deutsche Konzern, zu dem auch Bertelsmann Music Group (BMG) gehört, zog sich im Herbst aus der Gruppe klagender Musikriesen zurück und will Napster bis Juli in einen auf Mitgliedschaft basierenden Service verwandeln, der kostenpflichtig sein wird Dabei sind auch andere Unternehmen eingeladen, sich zu beteiligen.

          Drei Möglichkeiten für die Musikindustrie

          Diese Einladung nahm nun ausgerechnet Messier am Anfang der Woche offiziell an. "Wir wollen unsere Inhalte für alle Plattformen zur Verfügung stellen", äußerte der Vivendi Universal-Boss vor Journalisten. Im Klartext: Duet könnte mit Napster kooperieren. Die ausgestreckte Hand der Nummer zwei in der Musikindustrie - nach AOL Time Warner - kommt nicht von ungefähr. Alle Musikriesen sind neidisch auf den großen Erfolg von Napster.

          - Bringen sie den Service durch eine Klage zur Strecke, müssen sie mit Nachahmern rechnen.

          - Besteht Napster legal weiter, müssten sie die Bedingungen des Tauschs akzeptieren. Napster hatte den Musikriesen rund 150 Millionen Dollar in den kommenden fünf Jahren angeboten. Das basiert auf der Rechnung, dass Napster 40 Prozent der künftigen Einnahmen zahlender Mitglieder einbehält und 60 Prozent an die Musikindustrie weitergibt.

          - Die dritte Möglichkeit ist die Errichtung eigener Tauschseiten wie Duet. Messier hat allerdings ein Problem: In seinem Online-Plattenladen gäbe es nicht alle Musiktitel. Denn Universal gehören 23 Prozent der weltweiten Verkäufe, Sony 15 Prozent, AOL Time Warner ebenfalls 15 Prozent. Gelänge es Messier, AOL in Duet einzubeziehen, wäre er bei 53 Prozent Marktanteil. Allerdings könnten ihm Wettbewerbshüter auf die Pelle rücken.

          So richtig steht noch nichts

          Deshalb spricht er schon mal davon, dass Duet auch Yahoo, Freeserve oder Wanadoo beliefern will. Auch mit AOL oder Emi könne man zusammen arbeiten. Unklar ist noch, wie ein Service à la Duet funktionieren soll. Messier wies auf farmclub.com hin. Auf dieser Seite können Nutzer gegen Geld Singles herunterladen oder Bands ohne Vertrag ihre Songs einstellen.

          So richtig steht noch nichts - aber angesichts fallender Plattenverkäufe werden die Kuchen schon mal verteilt, bevor der Nutzer die Seiten überhaupt sieht. Vielleicht zwingt der am Ende die Musikriesen doch auf eine gemeinsame Webseite.

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