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Musikindustrie : Tokio Hotel will jetzt Amerika erobern

Frontmann Bill Kaulitz in New York Bild: AP

Die Teenie-Band Tokio Hotel aus Magdeburg ist für den Musikkonzern Universal eine Goldgrube. Nun soll der Durchbruch in Amerika gelingen - ein schwieriger Markt für jeden Ausländer, vor allem für Deutsche. Nur Nena hat im Jahr 1983 mit ihren „99 Luftballons“ dort einen Hit gelandet.

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          Frank Briegmann ist daran gewöhnt, die größten Musikstars der Welt zu erleben. Und doch gibt es für den Deutschland-Chef des Musikkonzerns Universal noch ganz besondere Auftritte. Die Magdeburger Teenie-Band Tokio Hotel, das beste Pferd im Stall von Universal Deutschland, ist nach New York gekommen, um hier ihre erste englischsprachige Platte vorzustellen. Briegmann sieht sich eigentlich nicht als die Art von Plattenboss, der sich bei seinen Künstlern in jede Kleinigkeit einmischt. Aber für Tokio Hotel ist er jetzt mit nach New York gereist. Denn er meint, Tokio Hotel haben im größten Musikmarkt der Welt eine echte Chance auf kommerziellen Erfolg. Und wenn es so käme, dann wäre das ein seltenes Kunststück: „Es gibt heute deutsche Sportler oder Models, die in Amerika berühmt sind, aber kaum Musiker. Es wäre etwas ganz Besonderes, wenn Tokio Hotel es schaffen würden.“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Tatsächlich ist Amerika ein notorisch schwieriger Markt für Ausländer. Das gilt nicht nur für Deutsche, sondern auch für Künstler aus dem englischsprachigen Ausland. Selbst der britische Superstar Robbie Williams wird in Amerika fast völlig ignoriert. Die Australierin Kylie Minogue kam mit ihrem letzten Album „X“ nicht einmal in die Top 100 der amerikanischen Billboard-Charts. Deutsche haben es noch schwerer: Nur Nena hat im Jahr 1983 mit ihren „99 Luftballons“ in Amerika einen Hit gelandet. Noch heute kann man Amerikaner fragen, welche deutschen Musiker sie kennen, und fast immer lautet die Antwort „Nena“. Nach ihr gelang den Scorpions mit dem Lied „Wind of Change“ ein Top-10-Hit, und die Band Rammstein schaffte ein paar Achtungserfolge, aber damit hören die deutschen Errungenschaften auch auf.

          Hochkarätige Fernsehauftritte gesichert

          Tokio Hotel sind heute schon ein Exportschlager, was ein bisschen rätselhaft ist. Die Band schaffte 2005 in Deutschland mit dem Lied „Durch den Monsun“ den Durchbruch und wurde zu einem Teenager-Phänomen mit einer hysterischen Fangemeinde. Bald hatte die Band auch in nicht deutschsprachigen Ländern wie Polen und Frankreich Anhänger, obwohl ihre Musik dort noch nicht veröffentlicht war. Briegmann wurde hellhörig: Er stellte die Band seinen Universal-Kollegen aus anderen Ländern vor und brachte sie dazu, erste Auftritte zu arrangieren und die Marketingmaschine anzuwerfen. In Frankreich ging es Schlag auf Schlag: Erst eine Minishow vor 600 fanatischen Fans, dann Unterstützung von Radiostationen, Chart-Erfolg für die CD und ein Konzert zusammen mit anderen Stars vor 500.000 Menschen unter dem Eiffelturm.

          Die Marketingmaschine läuft: Auftritt im Virgin Megastore am Times Square

          Einen ersten Sprung nach Amerika haben Tokio Hotel schon im Februar mit Konzerten in kleineren Hallen gemacht: Die Shows waren ausverkauft, und das Konzert in New York war der „New York Times“ eine üppig bebilderte Geschichte auf der ersten Seite ihres Feuilletons wert. Jetzt sind Tokio Hotel wieder in New York, weil sie mit ihrer gerade veröffentlichten Platte „Scream“ in die Charts wollen. Universal-Chef Briegmann schaut zufrieden auf die ersten Indizien wie die Hitliste beim Online-Musikvertrieb iTunes von Apple: „Gestern war das Album auf Platz 13, heute sind wir auf 24.“ Auch das Geschäft mit den CDs in den Läden sei gut angelaufen. „Nach den ersten Prognosen werden wir in die Top 50 der Billboard-Charts einsteigen.“ 15.000 bis 20.000 verkaufte CDs wären dafür wohl nötig, schätzt Briegmann. Er hofft, dass es insgesamt einmal 500.000 Stück werden.

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