https://www.faz.net/-gqe-x12l

Musikindustrie : Tokio Hotel will jetzt Amerika erobern

Umsatz bisher zwischen 30 Millionen und 40 Millionen Euro

An Hysterie ist auch in New York kein Mangel. Tokio Hotel haben sich einige hochkarätige Fernsehauftritte gesichert. Sie sind beim Musiksender MTV am Times Square und werden dort von kreischenden Mädchen empfangen. MTV hat ein ganzes Stockwerk seiner Glasfassade mit Tokio Hotel plakatiert. Am Tag danach sind sie in der Late-Night-Talkshow von Conan O’Brien beim Fernsehsender NBC.

Tokio Hotel haben bisher drei Millionen Alben und zweieinhalb Millionen Singles in aller Welt verkauft. Wenn man von üblichen Verkaufspreisen ausgeht, dürfte das einem Umsatz zwischen 30 Millionen und 40 Millionen Euro entsprechen. Rund ein Drittel dieses Betrags kommt noch einmal mit dem Verkauf von Fanartikeln hinzu. Die Band ist für Universal ein stattlicher Wirtschaftsfaktor, auch wenn sich die Zahlen im Vergleich zum gesamten Konzernumsatz von 4,9 Milliarden Euro noch bescheiden ausnehmen.

Auf dem Weg zur Weltmarke

Aber wenn es nach Briegmann geht, sind Tokio Hotel erst am Anfang auf dem Weg zur Weltmarke: In diesem Jahr stehen noch Amerika und Europa im Vordergrund, für das kommende Jahr will sich Briegmann Asien und Südamerika vornehmen. Briegmann sieht Tokio Hotel als eine der ganz wenigen Chancen, deutsche Künstler international zu etablieren. Kaum exportierbar sei dagegen eine Gruppe wie Rosenstolz, die in Deutschland Erfolge feiert und nach Tokio Hotel die zweitwichtigsten einheimischen Künstler für Universal sein dürften.

Die Jungs von Tokio Hotel haben sich an Erfolg und kreischende Mädchen gewöhnt, aber die Resonanz in Amerika ist offenbar etwas ganz anderes: „Diese riesigen Poster von uns am Times Square zu sehen, das war absolut überwältigend“, sagt Frontmann Bill Kaulitz. Und sein Zwillingsbruder Tom erzählt, nach dem „New York Times“-Artikel hätten die Jungs damals „die Zeitungen am ganzen Flughafen aufgekauft“.

Teenie-Bands sind traditionell nicht sonderlich langlebig

Für Briegmann ist der Erfolg von Tokio Hotel ein Lichtblick in einem schwierigen Markt. Die gesamte Musikindustrie steckt seit einigen Jahren in der Krise: Das Geschäft mit dem Verkauf von CDs schrumpft immer weiter, und die Wachstumsraten bei Online-Plattformen wie iTunes können dies bislang nicht annähernd ausgleichen. Briegmann gibt zu, dass sich die Branche umstellen muss. Das Geschäft mit physischen Tonträgern werde weiter schrumpfen, also müssen andere Einnahmequellen her. Universal hat Allianzen mit Internetseiten wie Myspace und Youtube geschlossen und kooperiert mit dem Handyhersteller Nokia beim Vertrieb von Musik auf Mobiltelefonen. Daneben will Briegmann immer mehr in „angrenzende Bereiche“ neben dem Verkauf von Musik, also Merchandising oder Livekonzerte. Der Weltuntergangsstimmung in der Branche will sich Briegmann daher nicht anschließen: „Ich bin mir sicher, man kann auch in zehn Jahren im Musikgeschäft noch Geld verdienen.“

Ob es dann Tokio Hotel noch gibt, ist eine ganz andere Frage. Teenie-Bands sind traditionell nicht sonderlich langlebig. Die vier Bandmitglieder sind heute zwischen 18 und 21 Jahren alt und zielen auf eine sehr junge Fangruppe. Ob sich die Popularität halten lässt, je erwachsener die Jungs werden, scheint fraglich. Universal-Chef Briegmann ist Zweckoptimist: „Die Jungs können noch genauso erfolgreich sein, wenn sie 30 sind.“ Und Bandmitglied Gustav Schäfer denkt noch in viel längeren Zeiträumen: „Wir machen das, bis wir hundert Jahre alt sind.“

Weitere Themen

Trump und Thunberg auf Konfrontationskurs Video-Seite öffnen

Davos : Trump und Thunberg auf Konfrontationskurs

Zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos ist der amerikanische Präsident Donald Trump auf Konfrontationskurs zur Klimaaktivistin Greta Thunberg gegangen. „Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und ihre Vorhersagen der Apokalypse zurückweisen“, sagte er.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.