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Musiker in der Corona-Krise : Konzerte für die Couch

Nicht live, trotzdem aufwendig: die Berliner Band Pabst vor einem Green Screen während einer Aufzeichnung für den WDR Bild: Julia Zimmermann

Kostenpflichtige und aufwendig produzierte digitale Shows können für Künstler in Zeiten der Pandemie eine Chance sein. Doch der Konzertbranche an sich helfen sie kaum.

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          Alles wieder auf null: Angesichts stark gestiegener Infektionszahlen müssen mindestens bis Ende November auch Konzerte ausfallen. „Es war aber ohnehin kaum noch etwas geplant in den wenigen Venues, die offen hatten“, sagt Stephan Thanscheidt, Geschäftsführer von FKP Scorpio, einem der führenden Konzertveranstalter in Deutschland und Ausrichter diverser großer Festivals in ganz Europa.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Im Vergleich zum Sommer war das marginal, und auch da ging es primär darum, überhaupt Kultur zu den Leuten zu bringen und Künstlern wie Gewerken einige wenige Aufträge zu verschaffen.“ Ein verständliches Motiv, doch für Veranstalter hätten sich diese Konzerte durch die Hygienemaßnahmen und die stark begrenzte Zuschauerzahl kaum gerechnet. FKP habe deshalb keine veranstaltet – auch um nicht das falsche Signal zu vermitteln, die Branche könne sich ja selbst helfen.

          Allerdings gab es nach dem ersten Stillstand im Frühjahr, verglichen mit den Vorjahren, über die Sommermonate äußerst wenige Konzerte, weshalb viele Künstler weiterhin in den digitalen Raum auswichen. Oft fiel die Wahl auf die großen Plattformen wie Facebook, Youtube oder Instagram, wo die Hürden niedrig sind, mitunter allerdings auch die Qualität des Streams. Neben den einfach möglichen Spendenaufrufen oder jenen zum Kauf von Platten und Fan-Artikeln lässt sich über Amazons Live-Streamingdienst Twitch zudem noch auf eine andere Weise Geld verdienen, nämlich wenn Nutzer den eigenen Kanal abonnieren.

          Billie Eilish grüßt vom Mond

          Längst gibt es aber eine ganze Reihe von Anbietern wie Stageit, Veeps oder Dreamstage, die das Corona-bedingt in den Fokus gerückte Konzert-Livestreaming professionalisieren wollen und darin ein lohnendes Geschäftsmodell sehen. Neben der Möglichkeit, digitale Tickets zu verkaufen, und einer hohen Qualität der Übertragung bieten viele auch die Möglichkeit, dass Künstler und Fans live per Chat kommunizieren können. Um nicht bloß ein gut produziertes, aber ansonsten normales Konzert in einem fast leeren Raum zu spielen, was Zuschauer auf die Dauer wohl kaum reizen dürfte, greifen manche Musiker zu allerhand technischen Hilfsmitteln.

          Das jüngste Ausrufezeichen setzte Billie Eilish. Dreißig Dollar „Eintritt“ kostete ihr Konzert, das Ende Oktober aus einem Studio in Los Angeles auf der Plattform Maestro gezeigt wurde. Während der Show fanden sich die Sängerin, ihr Bruder und Ko-Songwriter Finneas O’Connell sowie Schlagzeuger Andrew Marshall in verschiedensten Szenerien wieder. Mal schien das Trio vor einer riesigen Spinne zu spielen, mal standen sie scheinbar auf dem Mond. Neben all den opulenten visuellen Effekten zusätzlich zur Musik konnten die Zuschauer obendrein exklusive Fan-Artikel erwerben, von deren Einnahmen ein Teil an einen Hilfsfonds für Tourcrews fließen soll.

          Mit Zuschauerzahlen hält sich Eilishs Team bedeckt. Wie viele Fans Topstars der Musikwelt anziehen können, unterstrichen aber nicht zuletzt die Südkoreaner von BTS mit gut 750.000 Zuschauern bei einem Livestream-Konzert. Für kleine und mittlere Künstler, denen die Konzerteinnahmen oft besonders fehlen, sind solche Zahlen natürlich kaum zu erreichen. Trotzdem wagen sich auch hier Vertreter verschiedener Genres teils an aufwendige Varianten.

          Punkrock mit virtuellen Fans

          Frank Carter etwa, ein britischer Punkrocker, der bei normalen Auftritten gerne in der Menge badet, spielt diesen Freitag im Rahmen einer Konzertreihe der Plattform Melody VR und des Veranstalters Live Nation in der leeren Londoner Brixton Academy. Nach Belieben wechselbare Kameraeinstellungen, virtuelle Realität und die Möglichkeit für einige Zuschauer, auf einer LED-Wand quasi die Bühne zu stürmen, sollen möglichst viele Interessierte anlocken.

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