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Musikbranche in der Krise : Konzerte als bloße „Beschäftigungstherapie“

Der positive Rückblick wird natürlich durch die derzeitigen Auswirkungen der Corona-Pandemie getrübt. Im Vergleich zu dem ursprünglich äußerst positiven Ausblick auf das laufende Jahr erwarten die Branchenvertreter nun knapp 7 Milliarden Euro weniger. Zuvor hatten die Befragten mit einem Anstieg auf mehr als 16 Milliarden Euro Umsatz gerechnet. 2021 dürften die Umsätze dem Stimmungsbild zufolge immer noch fast 2 Milliarden Euro unter dem Niveau von 2019 liegen. Die Studienautoren weisen jedoch daraufhin, dass die 861 Selbständigen und Unternehmen von Mitte Mai bis Ende Juni befragt wurden, was eine mögliche Überschätzung der Auswirkungen der Corona-Krise zur Folge haben könnte. Letztlich unterstreicht dieser Befund abermals die Unsicherheit, die vor allem mit Blick auf den Live-Sektor herrscht.

Denn während der deutsche Markt für Musikaufnahmen zum Halbjahr durch starke Zuwächse im Streaming noch ein leichtes Plus verbuchte, trafen die Corona-bedingten Einschränkungen den stationären Handel mit Plattenläden und Musikgeschäften, aber etwa auch Studios hart. Die größten Auswirkungen haben freilich die Einschränkungen für Konzerte, führen die Studienautoren an und weisen zudem daraufhin, dass entstandene Einnahmeverluste nicht nachgeholt werden könnten.

„Vielfalt des Kulturangebots auf dem Spiel“

Trotz der Hilfsprogramme stünden im vor der Krise gut laufenden „Teilsektor Musikveranstaltungen“ viele der knapp 53.000 Arbeitsplätzen auf dem Spiel. Zwar gibt es längst wieder Konzerte in verschiedenen, den Corona-Maßnahmen angepassten Formaten, aber diese seien mit Abstandsregeln und damit erheblich verringerten Zuschauerzahlen kaum wirtschaftlich zu gestalten, sagt Jens Michow, der geschäftsführende Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV). Er bezeichnete diese Konzerte abermals als „Beschäftigungstherapie“, die primär dazu dienten, dass zumindest Künstler und Dienstleister wieder etwas verdienten, anstatt womöglich umzusatteln.

Neben Veranstaltern, Tour-Crews, Booking-Agenturen, Bühnenbauern und diversen weiteren Berufsgruppen, die im Konzertgeschäft regelmäßig tätig sind, trifft die aktuelle Lage gerade auch aufführende Künstler und Autoren. Erstere stehen momentan ohne oder fast ohne ihre oftmals wichtigste Einnahmequelle und beste Promo-Möglichkeit dar. Auch durch das zunehmende Angebot kostenpflichtiger Livestreams von Konzerten kann dies nur sehr bedingt abgefedert werden. Autoren von Werken wie auch ihre Verlage müssen ebenfalls Einbußen hinnehmen, da ihre Kompositionen deutlich weniger aufgeführt oder etwa in Werbung oder Film genutzt werden. Durch die Ausschüttungs-Rhythmen fallen diese aber erst mit Verzögerung ins Gewicht.

„Wir sehen schon, dass Unternehmen nur deshalb noch keine Insolvenz angemeldet haben, weil die Antragspflicht ausgesetzt wurde“, so BDKV-Präsident Michow. Eine vor der Krise wachsende und kerngesunde Branche liege jetzt am Boden, daher brauche es schnelle unbürokratische Hilfe zur Überbrückung, wenn die Vielfalt des Kulturangebots erhalten bleiben solle. Vor allem die kleineren Veranstalter und Venue-Betreiber verfügen oftmals kaum über Rücklagen oder finanziellen Spielraum. Und wie zutreffend sich der Ausblick der Branchenbeteiligten für 2021 gestalten wird, hängt vor allem davon ab, ob und wie die vielen verlegten Touren neben den schon vorher gebuchten Konzerten letztlich stattfinden werden.

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