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Musik im Netz : Youtube startet kostenpflichtigen Abo-Dienst

Startseite des Videoportals: Youtube ist bald auch im Abo erhältlich. Bild: dpa

Der Musikabruf über das Internet gilt als die Zukunft der Musikbranche. Darauf stellt sich jetzt auch Youtube ein - mit einem eigenen kostenpflichtigen Dienst. Anfangs soll er 7,99 Dollar im Monat kosten.

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          Alles deutet daraufhin, dass 2014 in die Geschichte der Musikindustrie eingeht: als das Jahr, in dem sich die Umsätze der Branche zum ersten Mal nicht mehr mehrheitlich aus dem Verkauf von CDs und Schallplatten speisen. In den vergangenen beiden Jahren fiel der Anteil der physisch verkauften Tonträger von 60 Prozent 2012 auf zuletzt 51,5 Prozent des globalen Gesamtmarkts von umgerechnet 12 Milliarden Euro. Im selben Zeitraum wuchsen die über digitale Kanäle erwirtschafteten Erlöse auf 39 Prozent – auch wegen des zunehmenden Erfolgs des sogenannten Streamings, bei dem Musikliebhaber die Lieder direkt über ihre Internetverbindung abrufen und anhören. Nun schickt sich auch die Videoplattform Youtube an, diese Entwicklung voranzutreiben.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Mittwochabend gab die Tochtergesellschaft des Suchmaschinenkonzerns Google bekannt, einen eigenen kostenpflichtigen Streaming-Dienst namens „Youtube Music Key“ einzuführen.

          Deutschland bleibt vorerst ausgenommen

          Der Dienst soll unter anderem in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Spanien auf den Markt kommen. Deutschland bleibt vorerst ausgenommen. Youtube liegt hier schon wegen seines bisherigen Angebots in festgefahren scheinenden Lizenzverhandlungen mit der Musikrechteverwertungsgesellschaft Gema.

          Neben dem kostenpflichtigen Dienst wird Youtube in seinen Smartphone-Anwendungen auch ein kostenfreies reines Musikangebot einführen. Wie das bisherige Youtube-Angebot wird diese durch Werbeeinblendungen gegenfinanziert. Das werbefreie Abomodell soll dagegen anfangs 7,99 Dollar im Monat kosten; später soll sich der Preis auf 9,99 Dollar erhöhen. Zahlende Nutzer sollen dafür auch Zugriff auf die Musik erhalten, die in Googles digitalem Plattenladen „Play Store“ liegt. Bisher konnten Nutzer dort Musik herunterladen – ähnlich wie im iTunes-Store des Elektronikkonzerns Apple.

          Mit dem Schritt greift Youtube die wachsende Branche des Streamings an. Erst am Dienstag hatte der Musikdienst Spotify mitgeteilt, dass er innerhalb der vergangenen sechs Monate seine Nutzerzahl um 25 Prozent auf nunmehr 50 Millionen Nutzer gesteigert hat.

          Über die Einführung des neuen Youtube-Dienstes war in der Branche seit langem spekuliert worden. Bisher hatte Youtube nie Stellung dazu genommen. Auftrieb hatten die Gerüchte allerdings erhalten, als die Google-Tochtergesellschaft nach und nach Lizenzvereinbarungen mit den großen global agierenden Plattenfirmen schloss.

          Im Mai dieses Jahres erhielten dann auch viele unabhängige Musikproduzenten und Labels Post von Youtube. Sie sollten eine neue Lizenzvereinbarung für „Tonaufnahmen und audiovisuelle Inhalte“ unterschreiben. In dem Brief hieß es, die Vereinbarung enthalte notwendige Rechte, damit Youtube „neue und bessere Wege“ bereitstellen könne, um Inhalte über alle möglichen Empfangswege zu verbreiten, womit wohl auch Streaming gemeint war. Dies solle Partnern mehr Möglichkeiten bieten, Fans zu erreichen, und neue Wege eröffnen, mit Inhalten Geld zu verdienen. Sollten die Labels ihre Zustimmung verweigern, kündigte Youtube an, die bisherige Zusammenarbeit binnen 60 Tagen zu beenden.

          Gegen dieses Ultimatum zogen mehrere Verbände des unabhängigen Teils der Musikindustrie ins Feld. „Nach Angaben unserer Mitglieder sind die Vertragsbedingungen äußerst ungünstig und nicht verhandelbar“, hieß es etwa in einer Stellungnahme des deutschen Verbands unabhängiger Musikunternehmen (VUT). Zugleich liege die Vergütung unter den Preisen, die andere Streamingdienste wie etwa Spotify zahlen.

          Kurz vor der Einführung des Youtube-Dienstes hatte es laut einem Medienbericht allerdings eine Einigung zwischen einem großen Teil der unabhängigen Label und Youtube gegeben. Die „Financial Times“ berichtete am Mittwoch, das Videoportal und die britische Musikrechteagentur Merlin hätten eine Lizenzvereinbarung geschlossen, um die Musik der von Merlin vertretenen 20.000 unabhängigen Plattenfirmen weiter auf der Plattform bereitzustellen. Auf Anfrage dieser Zeitung wollten zunächst weder Merlin noch Youtube Stellung. Der VUT lehnte ebenfalls einen Kommentar ab.

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