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Ermittlungen zu Sky und Dazn : Müssen die Champions-League-Rechte neu ausgeschrieben werden?

Illegale Geschäfte mit Pay-TV-Angeboten: Dafür wird einer Bande nun der Prozess gemacht. Bild: dpa

Das Bundeskartellamt ermittelt gegen den Bezahlsender Sky und die Streamingplattform Dazn. Wie FAZ.NET-Recherchen zeigen, hat sich wohl auch die Uefa nicht korrekt verhalten. Vielleicht müssen die Rechte sogar neu ausgeschrieben werden.

          Das Bundeskartellamt hat ein Verwaltungsverfahren gegen den Bezahlsender Sky und die Streamingplattform Dazn eröffnet. Die Behörde will prüfen, ob die Vergabe der Übertragungsrechte für die Champions League im Fußball sauber abgelaufen ist.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          „Wir untersuchen, wann und in welcher Form die Kooperation der beiden Unternehmen beschlossen wurde und ob die Zusammenarbeit den Wettbewerb im Interesse der Verbraucher gefördert oder beschränkt hat“, ließ Kartellamtspräsident Andreas Mundt schriftlich mitteilen. Daraus ist zu lesen, dass sich die Wettbewerbshüter in Bonn für die Frage interessieren, ob es in dem Bieterverfahren eine unzulässige Absprache zwischen den beiden erfolgreichen Anbietern gegeben haben könnte.

          Strafgeld droht nicht

          Der wichtigste und lukrativste Wettbewerb für Vereinsmannschaften kann seit dieser Spielzeit in Deutschland und Österreich nicht mehr live im frei empfangbaren Fernsehen gesehen werden. Sky hatte die Ausschreibung der Agentur des europäischen Fußballverbandes Uefa, Team Marketing in Luzern, gewonnen und sich die Übertragungsrechte mit Dazn aufgeteilt. Der Streamingdienst gehört zur britischen Perform Group des Milliardärs Len Blavatnik. Der Zuschlag gilt bis Ende der Saison 2020/21. Sky zeigt in Deutschland nur noch 34 der 138 Partien der europäischen Meisterliga live und in voller Länge. Die übrigen Spiele sind über das Dazn-Portal im Internet zu sehen.

          Weil es sich um ein Verwaltungsverfahren handelt, drohen im Fall eines Verstoßes der Unternehmen aber keine Strafgelder. Dies wäre nur in einem Bußgeldverfahren möglich. Kartellrechtsfachleute weisen darauf hin, dass im schlechtesten Fall für die Uefa und die aktuellen Rechtevermarkter eine Neuausschreibung möglich wäre. Untersucht werden müsse, ob andere Interessenten durch mögliche heimliche Absprachen benachteiligt worden seien.

          Dazu will das Kartellamt offenbar auch Mitbewerber von Sky und Dazn in Deutschland wie die Deutsche Telekom, Eurosport oder die öffentlich-rechtlichen Sender befragen. Das ZDF hatte bis zur vergangenen Saison Spiele aus der Champions League gezeigt und war im Bieterverfahren leer ausgegangen.

          Sky wurde von Ermittlungen überrascht

          Das Kartellamt wies darauf hin, dass Sky als führender Pay-TV-Anbieter in Deutschland unter Umständen besonderen Beschränkungen in der Kooperation mit Wettbewerbern unterliege. Die Zusammenarbeit mit Dazn könne Sky möglicherweise helfen, seine Marktposition abzusichern. Dass bis auf ein mögliches Endspiel mit deutscher Beteiligung keine Spiele mehr ohne ein Abonnement zu sehen seien, könne auch einen Eingriff in den Wettbewerb darstellen.

          Von den Aktivitäten des Bundeskartellamts ist der deutsche Sender Sky vor einigen Tagen überrascht worden. Eine nähere Stellungnahme wollte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage nicht abgeben. „Selbstverständlich kooperieren wir mit der Behörde vollumfänglich“, sagte er nur.

          Erste Kritik schon im Juli

          Beide Unternehmen sollen in der Ausschreibung eine Bietergemeinschaft gebildet haben. Das war, wie zu hören ist, nach den Ausschreibungsmodalitäten zulässig. Damals öffentlich gemacht wurde dies aber nicht von der Uefa. Diese teilte mit, dass sie mit dem Kartellamt kooperieren wolle. Die Monopolkommission in Deutschland hatte in ihrem Hauptgutachten im Juli die Uefa und die Europäische Kommission dafür kritisiert, dass die Rechtevergabe für die Champions League unkontrolliert als Monopolveranstaltung abgelaufen sei.

          Seit dieser Saison müssen die Zuschauer dafür zahlen, die Spiele live sehen zu können. Der Konsument wird sogar doppelt zur Kasse gebeten – von Sky und Dazn. Sky überträgt 34 Spiele sowie 40 Konferenzen von mehreren Partien. Im Vordergrund stehen bei dem Münchner Anbieter die Spiele mit deutscher Beteiligung. Frei empfangbar ist dabei der Sportnachrichtenkanal Sky Sport News HD, der sich am Dienstag und Mittwoch zu einem Champions-League-Sender wandelt, auf dem zahlreiche Spiele als Aufzeichnung ausgestrahlt werden.

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