https://www.faz.net/-gqe-86a8l

Container-Transport : Skepsis gegen Riesenschiffe

  • Aktualisiert am

Die „MSC Zoe“ auf einem Archivbild Bild: dpa

Erst im Januar begrüßte Hamburg die „CSCL Globe“ als größtes Containerschiff. An diesem Wochenende ist es die „MSC Zoe“, die wieder ein paar Container mehr tragen kann. Die Kritik an den Mega-Carriern wird zunehmend lauter.

          2 Min.

          Riesige Containerschiffe gehören zur Faszination, die der Hamburger Hafen auf viele Menschen ausübt. Zu Hunderten versammeln sie sich am Elbufer, wenn wieder einmal ein Mega-Carrier von zuvor ungekannter Größe sich den Strom heraufbewegt. Die „MSC Zoe“, die am Wochenende zu ihrer Taufzeremonie den Hamburger Hafen anlief, ist das jüngste Beispiel. Sie kann 19.224 Container (TEU) tragen, so viel wie sonst nur ihre beiden Schwesterschiffe. Im Januar erst war die „CSCL Globe“ als größtes Containerschiff begrüßt worden, die diesen Titel schnell wieder verloren hat.

          Auch die „MSC Zoe“ und die anderen Schiffe der Olympic-Klasse der Reederei MSC werden nicht lange an der Spitze der Größenentwicklung stehen. Die japanische Werft Imabari baut für einen unbekannten Auftraggeber elf Frachter, die 20.000 Container transportieren können. Das erste Schiff soll Anfang 2018 fertig sein. Die französische Reederei CMA CGM hat bei Hanjin in Korea drei Schiffe mit 20.600 Containern Tragfähigkeit geordert, von denen das erste schon 2017 kommen soll.

          Schaulustige beobachten am Samstag in Hamburg das Anlegemanöver der MSC Zoe.

          Den Vogel abschießen wird aber die Reederei OOCL aus Hongkong: Sie hat bei Samsung sechs Schiffe bestellt, die 21.100 Container tragen können, plus sechs Optionen. Technisch möglich wären nach Ansicht der Prüfgesellschaft DNV GL schon heute 24.000 Container.

          Getrieben wird die Entwicklung zu immer größeren Schiffen durch wirtschaftlichen Druck und den harten Konkurrenzkampf zwischen den global agierenden Schifffahrtskonzernen. Seit Jahren drücken Überkapazitäten und niedrige Frachtraten auf die Erträge. Große Schiffe ermöglichen günstige Preise; eine Reederei mit einer alten Flotte wäre nicht konkurrenzfähig. Das ist in den Häfen deutlich zu spüren. An jedem Tag kommen statistisch zwei sehr große Frachtschiffe mit mehr als 10.000 Container in den Hamburger Hafen. Das ist eine Herausforderung für Nautiker und Logistiker, Umschlagbetriebe und alle Glieder der Transportkette.

          Container im Hamburger Hafen

          Kritik an dieser Entwicklung gab es schon länger, aber sie wird zunehmend lauter und vielstimmiger. „Das Risiko wächst mit den Schiffen mit“, heißt es vom „Aktionsbündnis lebendige Tideelbe“, in dem mehrere Umweltverbände zusammengeschlossen sind. Sie verweisen auf die Gefahr einer Havarie, wenn die riesigen Schiffe auf der engen Elbe manövrieren. Die Schiffe sind länger als die Fahrrinne breit ist und könnten sie komplett blockieren. Sollte einmal ein großes Containerschiff samt seiner Ladung auf See verloren gehen, wären die Verluste gigantisch. Die Versicherungsgesellschaft Allianz schrieb in einer Studie, die Branche müsste sich auf Risiken von einer Milliarde Dollar einrichten. Damit werden auch die Prämien sehr hoch.

          „Wir sind dicht an dem Punkt, an dem größere Schiffe keinen Sinn mehr ergeben“

          Die Linken in der Hamburger Bürgerschaft gehen noch einen Schritt weiter: „Immer größere Schiffe erfordern immer tiefere Häfen und Flüsse, größere Terminals und Brücken“, sagt ihr Hafenpolitiker Norbert Hackbusch. „Gegen diese Spirale des Wahnsinns sollte Hamburg eine Initiative der Hafenstädte in Europa setzen.“ Für ein paar Euro eigener Ersparnis verursachten die Reeder riesige Kosten für die Häfen und damit die öffentlichen Kassen.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Rückendeckung bekommt der Linke von der OECD, der Organisation der Industrieländer. Sie schätzt die Kosten für zusätzliche Infrastruktur durch die Mega-Carrier auf 400 Millionen Dollar jährlich. Die Zweifel gehen tief. „Wir sind dicht an dem Punkt, an dem größere Schiffe keinen Sinn mehr ergeben“, sagt Olaf Merk von der OECD, der bei der Welthafenkonferenz in Hamburg im Juni eine Studie zu dem Thema vorstellte. „Oder wir haben ihn bereits überschritten.“

          Rund 60 Prozent der Kosteneinsparungen der Großschiffe würden durch modernere Motoren erreicht, nicht durch die Größe. Zudem zementierten die vielen neuen Riesenschiffe die Überkapazitäten auf den Weltmärkten, so dass die Kostenvorteile durch geringere Erlöse zum Teil zunichte gemacht würden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Masken für alle? Hier ist eine Mundschutzmaske zu sehen, hergestellt aus Produktions-Materialien einer Matratze.

          Infektionsmediziner : „Viren werden auch beim Sprechen freigesetzt“

          Masken können eine Chance im Kampf gegen das Coronavirus bedeuten, sagt der Infektionsmediziner Mathias Pletz. Im Interview spricht er über eine Maskenpflicht, Krankenhaushygiene und die Stigmatisierung von Risikogruppen.
          Menschenleer: Der Petersplatz in Rom am 3. April 2020

          Wie der Papst Ostern feiert : Dieses Mal bleibt der Petersplatz leer

          Ein verkürzter Kreuzweg statt einer Prozession mit Zehntausenden: In Rom läuft die Heilige Woche dieses Jahr ganz anders ab als sonst. Und Italien streitet darüber, ob Messen ohne Gläubige die richtige Antwort auf das Virus sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.