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Motorsport : Revolution in der Formel 1 oder kühler Machtpoker?

  • Aktualisiert am

Macht-Menschen der Motoren: Ecclestone, Haffa und Kirch Bild: ap

Die mächtigen Automobil-Konzerne wollen eine eigene Rennserie gründen. Max Mosley, Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA, hat dagegen keine grundsätzlichen Einwände.

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          Die Automobil-Konzerne wollen sich abkapseln. Sie planen neben der Formel 1 eine eigene Rennserie. Die Reaktion des Weltverbandes überascht. „Es gäbe keinen Grund, sie zu verhindern“, sagte nun der Brite Max Mosley. Haben Daimler-Chrysler, Renault und BMW, Ford und Fiat einen Freifahrtsschein im Kampf um die Macht in der Königsklasse des Motorsports?

          Als „Kettenrasseln“ wertet Ex-Weltmeister Niki Lauda, Teamchef von Jaguar, die Ankündigung einer eigenen Serie. Denn angeblich wollen die Autobauer etwas anderes: Ein Einstieg beim Formel 1-Veranstalter SLEC ist eher wahrscheinlich als eine neue Rennveranstaltung. Doch um dieses Ziel zu erreichen, geben die europäischen Autobauer weiter kräftig Gas und scheinen drauf und dran, Neueigentümer Leo Kirch mit seinem Pay-TV-Sender Premiere World auszubremsen.

          Affront gegen Ecclestone

          Durch die Ankündigung, so „bald wie möglich“ eine eigene Serie starten zu wollen, droht vordergründig auch Motorsport-Impressario Bernie Ecclestone glatt überfahren zu werden. „Ecclestone vor Verlust seines Imperiums nach Formel 1-Rebellion“, titelte die Londoner „Times“ am Tag nach dem in Fachkreisen als „Kriegserklärung“ gewerteten Paukenschlag und zeichnete die Zukunftsvision: „BMW, Fiat, Ford, Mercedes und Renault werden die wichtigsten Fahrer mitnehmen und mit einem Schlag auswischen, was Ecclestone innerhalb von 30 Jahren aufgebaut hat.“

          Geht die Formel 1 bald eigene Wege?

          Abwehrende Offerte von Kirch?

          Obwohl die KirchGruppe nach der Mehrheitsübernahme der Formel-1- Holding „Slavica Ecclestone Corporation“ (SLEC) über EM.TV bis 2010 in der Königsklasse des Motorsports offiziell am Lenkrad sitzt, droht ihr der Crash. Zwar sind die Teams bis 2007 vertraglich an die Formel 1 gebunden, doch die Automobilhersteller können sich dem Vernehmen nach mit jeweils 50 Millionen Mark pro Jahr selbst freikaufen. „Man hat jetzt noch sieben Jahre Zeit, um alles wieder ins Lot zu bringen“, glaubt Lauda.

          Angeblich bot Kirch-Vize Dieter Hahn den Autoherstellern prompt eine Beteiligung von 25 Prozent an der SLEC und zudem ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen auch im Bezug auf die Fernsehrechte an. Auch eine Beteiligung sei möglich.

          Furcht vor dem Pay-TV

          Die Autokonzerne befürchten, dass die KirchGruppe die Formel-1-Weltmeisterschaft künftig nur noch im Pay-TV live übertragen könnte. Bisher berichtet Premiere World neben RTL direkt von den 17 WM-Rennen. „Wir alle betreiben diesen sehr wichtigen Sport mit großem Engagement und finanziellen Aufwand. Dieser Sport genießt große Aufmerksamkeit, und wir wollen deshalb auch in Zukunft alle Zuschauer daran teilhaben lassen“, hatte Paolo Cantarella, der Vorstand von Ferrari-Eigentümer Fiat den Vorstoß begründet. „Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, stellte Mercedes-Sportchef Norbert Haug fest.

          Die Forderungen der Autobauer sind verständlich. Sie investieren Milliarden in den Sport, und nun haben sie mit ihrer symbolträchtig aus Italien, dem Land des Weltmeisters, verbreiteten Erklärung einen Hebel für künftige Verhandlungen in der Hand. „Wir geben viel Geld aus, also wollen wir auch die Rechte“, kündigte Cantarella unverhüllt an. Immerhin kontrollieren die fünf europäischen Formel 1-Autohersteller 16 der 22 Teams. Auch das Sponsorengeld wird dahin fließen, wo Stars wie Michael Schumacher und ihre Autos zu sehen sind.

          Warnendes Beispiel aus den USA

          Die Spaltung einer erfolgreichen Rennserie bringt jedoch nicht automatisch einen großen Erfolg. Dies zeigt das Beispiel aus den USA, wo die IndyCar Series in CART und Indy Racing League geteilt ist. „Dort ist der Motorsport eher auf dem absteigenden Ast“, warnt Lauda vor allzu großem Aktionismus.

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