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Motorola : „10.000 Stellen in Gefahr“

  • Aktualisiert am

Hochtechnologie von Motorola Bild: dpa

Der US-Konzern Motorola streicht 2.500 Stellen in den Vereinigten Staaten. Dies sei Teil einer langfristigen konzernweiten Strategie. Massive Entlassungen sind auch in Europa wahrscheinlich.

          Der US-Mobiltelefon- und Chiphersteller Motorola plant nach eigenen Angaben die Einstellung der Fertigung und die Streichung von 2500 Stellen in seinen Produktionsanlagen in Harvard im US-Bundesstaat Illinois.

          Wirklich überraschend war ein solcher Schritt nicht. Schon bei der Präsentation des Geschäftsbericht am 10. Januar hatte Christopher B. Galvin, Vorstandschef von Motorola, erklärt, dass auf Grund des geringeren weltweiten wirtschaftlichen Wachstums Kosten gesenkt werden müssten. Die geplanten zusätzlichen Schritte sollen nach Growneys Worten dazu führen, dass es im Jahr 2001 wieder zu einem Wachstum bei den Ergebnissen komme.

          Die Entscheidung, in Harvard Stellen zu streichen, steht nach Angaben des Unternehmens nicht unmittelbar im Zusammenhang mit der aktuellen Marktlage für Mobilfunktelefone, sondern ist Teil einer langfristigen konzernweiten Strategie, mehr Effizienz in der Zuliefererkette zu erreichen sowie die finanzielle Situation des Unternehmens zu verbessern, kommentierte das Unternehmen die jüngsten Stellenstreichungen. “Wir sehen den Markt weiterhin als robust an und rechnen mit einem Wachstum von 30 Prozent“, erklärte Leif Soderberg, Senior Vice President, der für die Unternehmensstrategie im Bereich Mobilfunk zuständig ist.

          Weitere Entlassungen auch für Europa zu erwarten

          Die Kapazitäten sollten wie bereits im dritten und vierten Quartal 2000 auch im weiteren Verlauf des Jahres 2001 konsolidiert werden. Das mit dieser umschreibenden Ankündigung auch eine Reduktion der weltweit 130.000 Mitarbeiter verbunden sein würde, war anzunehmen.

          Analysten sind der Ansicht, dass noch weitere Stellenstreichungen überwiegend sogar in Europa zu erwarten sind. „In Amerika läuft es bei Motorola eigentlich ganz gut“, meint Per Lindberg, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. „Für Europa sieht es erheblich schlechter aus. Mir erscheint es sehr plausibel, dass bei Motorola eine Rückführung der Arbeitsplätze um 10.000 weltweit zu erwarten ist.“

          Christiane Bischof, Unternehmenssprecherin von Motorola Deutschland, sind keine konkreten Überlegungen hinsichtlich der Personalsituation in Deutschland bekannt. „Soweit ich sehe, ist zurzeit nichts in Planung.“ Im Mobiltelefonwerk Flensburg, dass bereits im Dezember begonnen hat 400 der dortigen 3000 Arbeitsplätze abzubauen, wollte man sich zu einem möglichen weiterer Verringerung der Belegschaft nicht äußern.

          Erwartungen nach zweifacher Gewinnwarnung erfüllt

          Vergangenen Mittwoch hatte Motorola mit den vorgelegten Unternehmenszahlen für das vierte Quartal 2000 zwar die Erwartungen der Analysten erfüllt. Allerdings hatte der zu den drei weltgrößten Mobiltelefonherstellern zählende Konzern bereits Ende vergangenen Jahres auf Grund einer schwächeren Chipnachfrage und Verzögerungen bei Kostensenkungen seine Gewinnprognose um 40 Prozent reduziert.

          Motorola erreichte im vierten Quartal einen Gewinn je Aktie von 0,06 Dollar gegenüber 0,25 Dollar im Vorjahr. Vor den insgesamt zwei im vergangenen Jahr ausgesprochenen Gewinnwarnungen hatten Analysten mit einem Ergebnis je Aktie von 0,37 Dollar gerechnet.

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