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Molkereikonzern Müller : Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

  • -Aktualisiert am

Stefan Müller Bild: Imago

Vor ein paar Jahren war es zum Bruch gekommen, doch jetzt folgt Stefan Müller im Aufsichtsrat von Deutschlands größtem Molkereikonzern auf Vater Theo.

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          Theo Müller, Milchmilliardär von eigenen Gnaden, übergibt die Macht, oder zumindest einen Teil davon, drei Tage nach seinem 80. Geburtstag an die nächste Generation. Sein ältester Sohn Stefan, Anfang 50, übernimmt zum 1. Februar vom Vater das Aufsichtsratsmandat in der Holding, die Deutschlands größten Molkereikonzern steuert. „Ich bin froh, dass Stefan wieder da ist“, sagt Theo Müller, ein Patriarch von altem Schrot und Korn; wohlwissend, dass die Personalie wie das Gleichnis von der Rückkehr des verlorenen Sohns gelesen werden kann.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sein Sohn Stefan war früh mit Führungsaufgaben in dem Familienunternehmen betraut worden, leitete unter anderem die riesige Molkerei im sächsischen Leppersdorf. Vor fünf Jahren dann kam es zum Bruch: Der Sohn schied aus dem Konzern aus, das Verhältnis zum Vater sei zerrüttet, so stand damals zu lesen – was Theo Müller heute bestreitet.

          Theo Müller hatte das Sagen

          Stefan Müller jedenfalls trat in der Öffentlichkeit etwas zurück, unser Foto stammt schon aus dem Jahr 2011, aber er bewies eine glückliche Hand als Immobilieninvestor und kümmert sich seit dem Abschied von Müllermilch um die eigene Firma in einem Randbezirk der Milchwirtschaft. Der Junior ist Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens namens „Colostrum Biotec“, angesiedelt nicht in der Schweiz, wohin der Senior vor Jahren aus steuerlichen Gründen gezogen ist, sondern in der Nähe von Augsburg, der ursprünglichen Heimat der Müllers.

          Dort verkauft er Colostrum, auch Vormilch genannt, die erste Milch, die eine Kuh für ihr neugeborenes Kalb in den ersten 24 bis 36 Stunden nach der Geburt bereitstellt. „Kein anderes Naturprodukt enthält so viele, perfekt balancierte und hoch konzentrierte Inhaltsstoffe“, wirbt Müller Junior, Colostrum steigere die seelische und körperliche Leistungskraft und fördere die Gesundheit. Verglichen mit dem Umsatz des Familienkonzerns ist das Geschäft freilich überschaubar.

          Die Unternehmensgruppe Theo Müller ist heute ein international agierendes Unternehmen mit 24.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von knapp 6 Milliarden Euro. In das Imperium gehören Milchprodukte (Müller, Weihenstephan, Sachsenmilch), Feinkost (Homann, Nadler) sowie Dienstleistungen. Die familienfremden Manager an der Spitze wechseln regelmäßig.

          Das Sagen hatte all die Jahre der Eigentümer, Patriarch Theo Müller, ein Vollblutunternehmer, der 1970 vom Vater eine Dorfmolkerei mit vier Mitarbeitern übernommen und daraus einen Lebensmittelkonzern gebaut hat. Kontrolliert wird er von einem vierköpfigen Aufsichtsrat, wo Theo Müller jetzt den Stab an Sohn Stefan übergibt. Als Vorsitzender für das Gremium wurde voriges Jahr Till Reuter verpflichtet.

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