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Mobiltelefone : Apple und Samsung hängen HTC ab

HTC-Smartphoneattrapen in Taipeh Bild: REUTERS

Der Pionier verliert: Der taiwanesische Hersteller HTC rechnet nur noch mit stagnierendem Umsatz. Auf dem Markt für Smartphones rücken derweil chinesische Anbieter vor.

          3 Min.

          Auf dem Markt für internetfähige Mobiltelefone, den Smartphones, liefern sich Samsung und Apple eine Schlacht der Giganten. Nokia droht schon länger, zwischen den Polen zerrieben zu werden, und jetzt schafft es noch nicht einmal mehr das aufstrebende taiwanesische Unternehmen HTC, in der Auseinandersetzung mitzuhalten. Unterdessen schwingen sich chinesische Hersteller wie ZTE und Huawei zu ernstzunehmenden Wettbewerbern auf. Vor diesem Hintergrund hat HTC seine Umsatzprognose für das vierte Quartal am Mittwochabend überraschend zurückgenommen.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Anstatt wie bisher mit einem Plus von 20 bis 30 Prozent rechnet HTC nun sogar mit einer Stagnation des Umsatzes. Auch Analysten sind skeptisch, ob sich die aktuellen HTC-Produkte gegen das iPhone 4S von Apple mit seiner Spracherkennungssoftware „Siri“ oder gegen die aktuellen Samsung-Spitzenprodukte werden durchsetzen können.

          Zu früh für Android entschieden

          Zudem will HTC nach einem verlorenen Patentstreit mit Apple die gerade erst abgeschlossene Übernahme des Graphikchipherstellers S3 Graphics noch einmal prüfen. Beide Nachrichten kamen an der Börse nicht gut an: Der Kurs der HTC-Aktie stand am Donnerstag deutlich unter Druck. Dabei ist HTC so etwas wie ein Pionier: Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren sehr schnell Marktanteile gewonnen, weil es sich früh dazu entschieden hatte, für seine Mobiltelefone auf das Google-Betriebssystem Android zu setzen.

          HTCs neueste Entwicklung: Das Smartphone Rezound
          HTCs neueste Entwicklung: Das Smartphone Rezound : Bild: REUTERS

          Der Produktoffensive des südkoreanischen Samsung-Konzerns auf dem Android-Markt kann HTC derzeit aber nicht schnell genug eigene Produkte im Hochpreissegment entgegensetzen. Und im Wettbewerb mit Unternehmen wie ZTE fehlt HTC die Anziehungskraft einer bekannten Marke wie eben Samsung. Im Mittelpunkt steht nun die Frage, mit welchen Produkten HTC den Abwärtstrend stoppen will. „Wir denken, dass HTC einen Weg finden muss, im unteren und mittleren Marktsegment erfolgreich zu sein“, sagte Analyst Daniel Chang von Macquarie gegenüber dem amerikanischen Onlineportal ZDNet.com. Dort müsse HTC das Angebotsvolumen ausweiten und gleichzeitig im Hochpreissegment wieder zu alter technologischer Stärke gelangen: „Unglücklicherweise ist HTC derzeit in beiden Bereichen nicht wettbewerbsfähig.“

          Eine Antwort auf diese Entwicklung könnte ein künftiges Facebook-Handy sein. So arbeitet das größte soziale Netzwerk der Welt nach einem Bericht des amerikanischen Branchendienstes „All Things D“ zusammen mit HTC an einem eigenen Mobiltelefon: Das Modell wird unter dem Decknamen Buffy entwickelt, soll mit Android betrieben werden und für die Bedürfnisse von Facebook-Nutzern konzipiert sein. Bis es so weit ist, würde allerdings noch einige Zeit vergehen: Das Facebook-Smartphone soll dem Bericht zufolge erst in 12 bis 18 Monaten auf den Markt kommen, was angesichts von Modellzyklen mit einer Kürze von gut sechs Monaten wenig ehrgeizig erscheint.

          Peter Chou, der Vorstandsvorsitzende von HTC
          Peter Chou, der Vorstandsvorsitzende von HTC : Bild: REUTERS

          Schon heute hat HTC aber zwei Smartphones für häufige Nutzer von Facebook im Angebot. So haben die Modelle „Salsa“ und „Chacha“ eigene „Facebook“-Tasten, die dafür sorgen, dass Texte, Fotos und Videos sofort und unkompliziert mit den jeweiligen Facebook-Freunden geteilt werden können. Auch seinen Standort kann der Nutzer jedem seiner Kontakte mitteilen. Angeblich will Facebook schon seit zwei Jahren ein Handy mit dem eigenen Namen herausbringen, so wie Google mit dem Nexus. Der erreichbare Markt ist groß: Facebook hat rund 800 Millionen Mitglieder; viele von ihnen nutzen auch unterwegs regelmäßig das Internet.

          HTC übt sich in Optimismus

          Die S3-Übernahme hingegen würde HTC gerne rückgängig machen, falls der Verkäufer VIA Technologies zustimmt. Das scheint nicht völlig ausgeschlossen zu sein, da die Verwaltungsratsvorsitzende von HTC auch an VIA beteiligt ist. Eine Entscheidung steht aber noch aus. In dem Patentrechtsstreit mit Apple ging es um Softwaresysteme von S3 Graphics, die in Spielen unter anderem auf iPhones und iPads von Apple Anwendung finden. Die amerikanische Handelskommission ITC hatte jedoch am Montag entschieden, dass Apple hierbei nicht gegen Patente von S3 verstoße. Auch vor diesem Hintergrund wird von Investoren derzeit bezweifelt, dass der Kaufpreis von 300 Millionen Dollar für S3 gerechtfertigt war.

          Für die letzten drei Monate des Jahres 2011 erwartet HTC jetzt nur noch einen „weitgehend ähnlichen“ Umsatz wie in der vergleichbaren Zeitspanne des Vorjahres, also umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro. Die Enttäuschung darüber war auch deshalb so groß, weil der Umsatz im dritten Quartal noch um 79 Prozent gestiegen war. Für das kommende Jahr übt sich HTC dennoch in Optimismus: Im ersten Halbjahr sollte sich das Wachstum im Smartphone-Markt fortsetzen, hieß es. Das wiederum ist alles andere als eine Überraschung.

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