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Mobilfunk : UMTS kommt, bloß wann?

  • Aktualisiert am

Die Masten stehen, allein die Handys fehlen Bild: dpa

Bei der Einführung des Mobilfunk-standards UMTS entscheiden vor allem die Endgeräte. Daher verschieben die Betreiber den Start immer wieder.

          Auf der Pressekonferenz von Nokia präsentierte Anssi Vanjoki, Executive Vice President der Nokia-Mobilfunksparte, das erste UMTS-Handy mit Kamera - nur um es sogleich wieder in seiner Hosentasche verschwinden zu lassen. Das Gerät kommt nämlich am 26. September 2002 auf den Markt. Und die Geräte sind auch das, woran der Start des Mobilfunkstandards hängen könnte.

          „Die Herausforderung ist die Verfügbarkeit von Handys, die im alten und im neuen Netz funktionieren“, stellte der Vorstandschef des britischen Mutterkonzerns mm02 von Viag Interkom, Peter Erskine, am Dienstag vor Beginn der Technologie-Messe Cebit in Hannover klar. Deshalb will der Konzern in Deutschland auch erst im Sommer 2003 mit UMTS starten. „Wir werden nicht in Netze investieren, die keine Kunden haben. Wenn die Handys früher oder später kommen, werden wir UMTS eben auch früher oder später starten.“

          Viag Interkom will im Sommer 2003 starten

          Die deutsche Tochter Viag Interkom solle ihren Marktanteil im Mobilfunk über „vernünftiges Wachstum“ in den nächsten Jahren von heute sieben auf zwölf Prozent steigern. Im nächsten Geschäftsjahr 2002/2003 (31. März) solle die Gewinnschwelle erreicht werden. Das Unternehmen wird ab Mai in O2 umbenannt. Die neue Marke werde künftig für alle europäischen Töchter von mm02 gelten. Beim Netzaufbau arbeitet Viag Interkom mit der Telekom-Tochter T-Mobile zusammen. Auf der Cebit stellt Viag Interkom den O2 xda vor, eine Kombination aus Taschencomputer und Handy für Geschäftsleute. Ein Angebot für Multimedia-Kurznachrichten für Handys, so genannte MMS (Multimedia Messaging), sei für Mitte 2002 geplant.

          Der Mobilfunkbetreiber Vodafone D2 will an der Einführung des neuen UMTS-Dienstes in Deutschland in diesem Herbst festhalten. „Wir arbeiten konzentriert auf einen Start in den wichtigsten deutschen Ballungszentren hin“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Jürgen von Kuczkowski, am Dienstag. Wo es genau losgehen soll, wollte er nicht sagen. Vodafone D2 sitzt in Düsseldorf. Wo es genau in welchem Umfang losgehen soll, wollte von Kuczkowski nicht sagen. „Es ist jetzt März. Wir müssen sehen, wie weit wir mit dem Ausbau des Netzes sind.“

          Vodafone D2 hält am Herbst 2002 fest

          Bis zum Herbst will Vodafone D2 (Düsseldorf) laut Kuczkowski „mehrere tausend Basisstationen gebaut haben“. Als Voraussetzung für einen erfolgreichen Start sieht allerdings auch er, „dass die Anbieter von Infrastruktur und Endgeräten ihre Zusagen einhalten“. „Wir halten ganz energisch an dem Ziel fest. Wir haben die Zusagen von Lieferanten.“ Der Vodafone D2-Chef sagte, heutige Dienste legten die Basis für kommende Anwendungen. „UMTS ist keine Revolution. UMTS ist ein Datenturbo - und damit die Möglichkeit, auf einem eingeschlagenen Weg schneller voran zu kommen.“

          Und dass dieses Ziel machbar ist, bestätigen Meldungen wie die des japanischen Elektronikkonzerns Sharp, der sich für die Einführung von UMTS gut gerüstet sieht. „Wann immer es soweit ist, wir sind gewappnet“, sagte Helmut Engel, Geschäftsführer von Sharp Electronic Europe. Der Konzern habe ausgereifte Produkte, Komponenten und Basistechnologien, um dem neuen Dienst zu begegnen. Mit einer verbesserten Technik bei Displays und Bildschirmen ließen sich die Chancen für UMTS noch vergrößern.

          Mobilcom verschiebt Einführung

          Auch Mobilcom ist nach neuesten Plänen erst Ende dieses Jahres startbereit für UMTS. Der neue Mobilfunkstandard solle im vierten Quartal in 20 Städten eingeführt werden, sagte der Vorstandsvorsitzende Gerhard Schmid. Auch Schmid betonte, der genaue Starttermin hänge entscheidend von den Handylieferanten ab. In der Vergangenheit hatte MobilCOM einen UMTS-Start bereits für den Sommer in Aussicht gestellt.

          Die ersten UMTS-Handys seien nach seinen Informationen ab dem zweiten Quartal zu erwerben; im vierten Quartal kämen dann Dual-Band-Geräte hinzu, die auch mit dem bestehenden GSM-Standard funktionierten. Beim Netzaufbau werde MobilCom so wenig Investitionen wie möglich tätigen. “Wann immer wir Geld sparen können in Investitionen tun wir es“, sagte Schmid. Auf jeden Fall wolle das Unternehmen aber die erforderliche UMTS-Mindestabdeckung von 25 Prozent der Bevölkerung im Jahre 2003 erreichen.

          Über UMTS lassen sich Sprache, Bild und Texte mit hoher Geschwindigkeit übermitteln.

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