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Mobilfunk : Schweres Jahr für Handybranche

  • -Aktualisiert am

Der Boom ist vorbei Bild: dpa

Nokia, Motorola und Ericsson präsentieren dieser Tage ihre Jahresbilanz. Die ist schlecht, und auch die Aussichten sind trüb.

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          Nokia, Motorola, Ericsson, diese Namen standen einst für den Aufschwung der Telekommunikationsbranche. Nach dem Einbruch im vergangenen Jahr ist der Optimismus einem gesunden Realismus gewichen. Dieser Tage werden die drei führenden Handykonzerne ( Motorola 22.2., Nokia 24.2., Ericsson 25.2. ) ihre Jahresbilanzen vorlegen und, was noch wichtiger erscheint, einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2002 geben.

          Am Montag stuften die Analysten von Morgan Stanley Dean Witter die Nokia-Aktie von neutral auf underperform zurück mit einem Richtkurs von 15 Euro. Der Titel gab deshalb heute um gut fünf Prozent nach und fiel unter 24 Euro. Das ist kein gutes Signal für die Branche, und damit sind auch die Aussichten von Motorola und Ericsson getrübt.

          Dabei ist die Situation der Drei von der Handystelle zunächst einmal grundverschieden. Ericsson bestreitet seine Haupteinkünfte durch den Netzwerkverkauf, der rückläufig ist, und beginnt erst jetzt den Handymarkt durch eine Kooperation mit Sony neu aufzurollen. Motorola leidet unter dem einbrechenden Halbleitermarkt, und ist ebenfalls erst jetzt wieder in den Startlöchern zu einem Neustart in Handygeschäft.

          Der Chart zeigt die Entwicklung der Ericsson-Aktie im vergangenen Jahr

          Sonderrolle Nokia

          Marktführer Nokia hingegen hat den Gipfel erreicht und muss nun aufpassen, nicht heruntergestoßen zu werden. Traummargen von 20 Prozent dürften bald der Vergangenheit angehören, wenn Billiganbieter aus Asien den Massenmarkt aufrollen. „Womöglich hat Nokia im vergangenen Jahr erstmals wieder Marktanteile eingebüßt, diesen Schluss lässt zumindest das Weihnachtsgeschäft zu“, so Thomas Langer, Analyst der WestLB Panmure.

          Neue Spieler auf dem Handymarkt

          Langer rechnet mit neuen Spielern auf dem Handymarkt, die Nokia das Leben schwer machen könnten. Es könnten daher böse Überraschungen lauern, wenn Nokia, Ericsson und Motorola im Laufe der Woche berichten. Das drückt sich auch in der Entwicklung der Aktienkurse aus, die in den letzten beiden Wochen wieder deutlich rückläufig waren.

          Umsätze der Handybranche erstmals rückläufig

          Erstmals in der noch jungen Mobiltelefongeschichte sind 2001 die Verkaufszahlen global zurückgegangen: Von 415 Millionen 2000 auf unter 400 Millionen Handys das Jahr darauf. Analysten rechnen für 2002 mit einer leichten Erholung. Der Konsenus der Experten liegt bei rund 430 Millionen Geräten, die WestLB Panmure rechnet mit 459 Millionen verkaufter Endgeräte. „Nach den Gesetzen des zweijährigen Wiederbeschaffungszyklus müssten in diesem Jahr viele Verbraucher ein neues Gerät erwerben“, sagt Thomas Langer, Analyst der WestLB Panmure.

          Ersatzkäufe sorgen für Belebung

          Diese Ersatzkäufe schaffen jedoch kein Wachstum, und niemand weiß, woher es in diesem Jahr kommen soll: Zwar gibt es mittlerweile genügend GPRS-fähige Handys, doch die Dienstangebote der Telekomkonzerne sind teuer und rudimentär. Und UMTS? Nur noch Zweckoptimisten wie die Vertreter von Mobilcom rechnen für den Herbst mit einem Start der vielgerühmten dritten Mobilfunkgeneration. Realistisch ist dies nicht. Die Handys sind im Entwicklungsstadium, die Netzwerke noch nicht installiert. Zudem müssen die Telekomunternehmen aufgrund der immensen Schuldenbelastung ihre Ausgaben reduzieren, was einen flächendeckenden UMTS-Ausbau in weite Ferne rücken lässt.

          Für GPRS und UMTS fehlen die Verkaufsargumente

          Außerdem, und das wird vielfach unterschlagen, bietet UMTS nur unter bestimmten Umständen mehr Übertragungskapazität als etwa GPRS. VodafoneD2-Chef Jürgen von Kuczkowski gibt zu: Der Sprechfunk wird auch in den nächsten Jahren deutlich das Gros der Umsätze bringen - und nicht etwa der Datentransfer. „Insgesamt gibt es derzeit kein Verkaufsargument für GPRS oder UMTS“, sagt Analyst Thomas Langer: „Es fehlen immer noch die attraktiven Diensteangebote!“ Keine guten Aussichten für dieses Jahr also in der Handybranche.

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