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Mobilfunk im Zug : Bahn und Telekom versprechen lückenloses Netz bis 2026

Was ruckelt da? Die Bahn oder die Internetverbindung? Bild: dpa

Wer im Zug telefonieren oder surfen will, wird derzeit noch allzu häufig enttäuscht. Das soll sich bald ändern - und zwar überall im 33.400 Kilometer langen Schienennetz.

          2 Min.

          Lückenloser Mobilfunkempfang im Zug – davon können deutsche Bahnkunden bislang nur träumen. Doch in absehbarer Zeit soll das Wirklichkeit werden, zumindest wenn es nach den Netzbetreibern, der Deutschen Bahn und dem Bundesverkehrsministerium geht. Die Deutsche Telekom will das gesamte Streckennetz der DB bis Ende 2026 lückenlos mit ihrem Mobilfunknetz und mit schnellem Internet versorgen. Bis dahin soll es dann weder im Fern- noch im Regionalverkehr noch Versorgungslücken geben. Das kündigte der Konzern am Mittwoch in Berlin an. Basis für diese Mittelfristplanung ist eine Kooperation, die in einer gemeinsamen Pressekonferenz von Bahn, Telekom und dem Bundesverkehrsministerium vorgestellt wurde. 

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darin ist vereinbart, dass die Telekom ihr Mobilfunknetz an den Schienenstrecken der DB rasch ausbauen, Lücken schließen und die Leistungsfähigkeit des Netzes erheblich steigern will. Gemeinsam investieren beide Unternehmen den Angaben zufolge einen dreistelligen Millionenbetrag, um diese Ziele umzusetzen. Auf vielen Strecken werden die geplanten Investitionen bis 2024 erfolgen, wie es hieß, auf allen Strecken spätestens bis Ende 2026. „Auf einigen Regionalstrecken werden Fahrgäste anschließend zum ersten Mal überhaupt Empfang haben“, teilen die Unternehmen mit. 

          200 MBit/s - und mehr

          Das Vorhaben ist ehrgeizig, schließlich umfasst das Streckennetz der DB insgesamt 33.400 Kilometer. Die 7800 Kilometer Hauptverkehrsstrecken, auf denen alle ICE-Züge fahren, will die Telekom den Angaben zufolge bis Ende 2024 mit einer Internet-Datenrate von mehr als 200 Megabit je Sekunde versorgen. Auf weiteren 13.800 Kilometern, die als „fahrgaststark“ gelten und auf denen am Tag mehr als 2000 Fahrgäste unterwegs sind, soll dieses Tempo bis Ende 2025 möglich sein. Alle sonstigen Strecken sollen bis Ende 2026 mindestens Datenraten von mehr als 100 Megabit je Sekunde erhalten. 

          Wie es hieß, will die Telekom in den kommenden Jahren rund 800 neue Mobilfunkstandorte in Betrieb nehmen und die Kapazität an mehreren hundert Standorten erweitern. Die Deutsche Bahn wiederum kündigte an, in noch stärkerem Maße Flächen und Glasfaserinfrastruktur entlang der Schienen zur Verfügung zu stellen und Dienstleistungen rund um Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozesse anzubieten. Außerdem arbeite man daran, dass die Mobilfunksignale besser im Innern der Züge ankommen.

          „Ob am Bahnhof oder im Tunnel, im ICE oder im Regionalexpress – die Zeit des ,ich hab kein Netz' muss ein Ende haben“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Mobiles Surfen und Telefonieren müssten immer und überall möglich sein – die Deutsche Bahn und die Deutsche Telekom zeigten jetzt den Weg dorthin. Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges nannte die Kooperation ein klares Signal: „Wir wollen Deutschland digitaler machen.“ Bahnchef Richard Lutz betonte, die Fahrgäste forderten zu Recht ein lückenloses Mobilfunknetz ein. Jetzt schaffe man die Voraussetzungen dafür, und Bahnfahren werde damit nochmals attraktiver. Die Beteiligten sprachen von einem „Meilenstein“. 

          Vodafone kümmert sich um die Tunnel

          Die Telekom ist nicht der einzige Netzbetreiber, der mit der Bahn über besseren Mobilfunk verhandelt. Auch Vodafone und Telefónica befinden sich mit dem Schienenkonzern in regelmäßigen Gesprächen zu dieser Thematik. Vodafone erläuterte, man baue bis 2024 Mobilfunkstationen für alle Tunnel und schließe 360 weitere Funklöcher an den Bahnstrecken. Zudem erhöhen die Düsseldorfer nach eigenen Angaben mit der Aktivierung von LTE900 an 6000 Mobilfunkstationen die Bandbreite und Netzkapazität entlang des gesamten Schienennetzes. 

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