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Mobilfunk : E-Plus startet japanisches Modell

  • Aktualisiert am

Die Handy-Zukunft beginnt. Bild: dpa

Der deutsche Mobilfunkkonzern startet ab 16.März mit i-mode durch. Der Handydienst soll für „UMTS-Gefühle“ sorgen.

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          Der Mobilfunkanbieter E-Plus will noch in diesem Monat eine neue Ära in Deutschland einläuten: Ab dem 16. März sollen so genannte i-mode-Dienste für die Datenübertragung per Handy starten, wie das Unternehmen am Montag in Düsseldorf ankündigte. Damit will E-Plus die Konkurrenz noch vor dem Start der neuen UMTS-Technik Ende dieses Jahres beim Wettlauf um den neuen multimediafähigen Mobilfunk abhängen.

          Die neue Technik erlaubt es den Kunden, neben bunten Bildern auch E-Mails und elektronische Postkarten hin- und herzuschicken, Nachrichten und Informationen abzurufen und spezielle Internet-Seiten anzusurfen. I-mode sei „das Eintrittsticket in das neue Zeitalter des mobilen Multimedia in Deutschland“, betonte E-plus-Chef Uwe Bergheim. Da mit i-mode schon jetzt Technik eingesetzt werde, die später zum Standard für künftige Multimedia-Angebote werde, habe E-Plus hier „einen merklichen Zeitvorsprung gegenüber dem Wettbewerb“.

          UMTS-Feeling mit I-mode?

          Zudem biete i-mode schon vieles, was bei anderen Anbietern erst mit dem Start der neuen UMTS-Mobilfunknetze möglich werde, erklärte das Unternehmen. „Aus der Sicht unserer Kunden beginnt UMTS heute“, sagte eine Sprecherin. „Sie bekommen mit i-mode schon das UMTS-Feeling.“ In den ersten Monaten rechnet E-Plus „mit einigen zehntausend“ Nutzern, im ersten Jahr sollen es dann „einige hundertausend“.

          E-Plus geht zunächst mit 60 verschiedenen Inhalteangeboten an den Start. Nachrichten kommen von FAZ.NET, Sportergebnisse von Kicker Online und Börseninformationen von der Comdirect Bank. Zudem können Kunden die Fahrplan-Auskunft der Deutschen Bahn nutzen, Routenplaner konsultieren und über eine Kontaktbörse online flirten. Auch Spiele zum Herunterladen stehen bereit. Die Anbieter bekommen dabei in der Regel 86 Prozent der Nutzungskosten, E-plus 14 Prozent. Damit kopiert E-plus das Geschäftsmodell des japanischen i-mode-Erfinders NTT DoCoMo, der seine Kunden mittlerweile mit mehreren tausend Anbeboten lockt.

          I-mode ist nicht billig

          Billig ist der Umstieg auf i-mode nicht. Kunden brauchen zunächst ein spezielles Handy. E-plus bietet dazu in seinen Shops zunächst ein Mobiltelefon des japanischen Herstellers NEC an. Mit einem 24-Monatsvertrag kostet das n21i 249 Euro. Hinzu kommen drei Euro pro Monat Grundgebühr. Die meisten Informationsangebote sind laut E-plus dann frei. Bei einigen werden aber Kosten zwischen 25 Cent und zwei Euro pro Nutzung fällig. Der Versand einer E-Mail mit bis zu tausend Zeichen kostet 19 Cent. Hinzu kommen Kosten für den Datentransfer per GPRS, die bei einem Cent pro übertragenem Kilobit liegen.

          Das Unternehmen wandte sich ausdrücklich gegen Kritik, es gehe mit i-mode einen Sonderweg, der sich auf Dauer als Sackgasse erweisen werde. „I-mode ist keine Insellösung“, sagte E-plus-Sprecherin Catrin Glücksmann. Bei den neuen Angeboten werde die Internet-Programmiersprache i-html genutzt. Damit werde eine Vorstufe von des Standards WAP 2.0 eingesetzt, der künftig der gemeinsame Standard aller europäischen Mobilfunkkonzerne sein werde. Alle Dienste von i-mode würden auch unter WAP 2.0 funktionieren, das im Frühjahr 2003 starten soll. Zudem könne i-mode problemlos auch nach dem Start der schnelleren UMTS-Netze eingesetzt werden.

          Riesenerfolg in Japan

          I-mode war im Februar 1999 in Japan an den Start gegangen und fand anders als die in Deutschland möglichen WAP-Dienste großen Anklang bei den Mobilfunkkunden. Derzeit nutzen in dem asiatischen Land rund 30 Millionen Nutzer die neue Technik. Durch das Vorpreschen von E-Plus werden die Deutschen die ersten Europäer sein, die i-mode nutzen können. Noch im Frühjahr soll i-mode auch in Belgien und den Niederlanden an den Start gehen. NTT DoCoMo ist mit 15 Prozent am E-plus-Mehrheitseigner KPN aus den Niederlanden beteiligt. E-Plus hat in Deutschland derzeit rund 7,5 Millionen Kunden.

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