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Mobilfunk : Allianz fürs Bezahlen per Handy

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Arbeitsfähige und etablierte Bezahlsysteme gelten als wichtige Voraussetzung für den UMTS-Erfolg. Jetzt kooperieren T-Mobile und Vodafone.

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          Die Mobilfunkkonzerne T-Mobile (D1) und Vodafone (D2) wollen das Handy mit vereinter Kraft zur Geldbörse aufrüsten. Die beiden schärfsten Konkurrenten auf dem deutschen Mobilfunkmarkt gaben am Donnerstag auf der weltgrößten Computermesse Cebit eine Kooperation für das elektronische Bezahlen per Handy bekannt. Noch in diesem Jahr solle eine gemeinsame Plattform starten, die später auch von anderen Netzbetreibern genutzt werden kann.

          Damit machen sie vor allem dem Marktführer paybox Konkurrenz, der das Bezahlen per Handy in Kooperation mit der Deutschen Bank anbietet. „Die Pläne von T-Mobile und Vodafone zeigen die Bedeutung des mobilen Bezahlens“, sagte Paybox-Chef Mathias Entenmann. Bislang verwendet nach Einschätzung von Branchenkennern nur jeder Hundertste Nutzer das Handy, um damit Bücher, Blumensträuße oder andere Waren und Dienstleistungen im Internet zu bezahlen.

          Telefonie, SMS und Bezahlservice

          Angesichts der schrumpfenden Wachstumsraten setzen die Mobilfunkanbieter große Hoffnungen auf das Bezahlen per Handy. Nach Einschätzung von paybox gehören mobile Zahlungsdienste zu der exklusiven Gruppe von „Killerapplikationen“, die neben Telefonie und SMS sichere Zusatzumsätze versprechen.

          Bei ihrer Plattform wollen T-Mobile und Vodafone die Technologie des inzwischen Pleite gegangenen Software-Unternehmens Brokat einsetzen. Die persönlichen Daten sollen in einer Art virtuellen Brieftasche gespeichert werden. Die Abrechnung ist individuell per Kreditkarte oder anderen Zahlungsarten für kleinere Beträge möglich. Die Plattform von T-Mobile und Vodafone soll zunächst in Deutschland und Großbritannien starten und die Akzeptanz des mobilen Bezahlens bei Kunden und Händlern erhöhen.

          Voraussetzung für UMTS-Erfolg

          Das einfache Bestellen von Waren und Dienstleistungen per Handy, der so genannte M-Commerce, gilt als eine Voraussetzung für den Erfolg des künftigen Mobilfunkstandard UMTS. „Eine offene Plattform wird dem M-Commerce einen erheblichen Schub verleihen“, sagte der bei Vodafone für das weltweite Produkt- und Servicegeschäft zuständige Manager Thomas Geitner.

          Konkurrent Paybox hat die Zahl der Kunden nach Angaben von Entenmann im vergangenen Jahr auf 750.000 mehr als verdreifacht und damit seine Position als Weltmarktführer ausgebaut. Für eine Jahresgebühr von 9,50 Euro können die Paybox-Kunden mit dem Handy Geld überweisen oder Bezahlungen abwickeln. Dabei wird der Kunde auf seinem Handy angerufen und muss dort die Zahlung mit einer Geheimnummer bestätigen. Der Betrag wird dann automatisch vom Konto abgebucht. Rund 10.000 Händler und Dienstleister wie beispielsweise Taxen akzeptieren diese Bezahlungsform. Vor der großen Konkurrenz fürchtet sich Entenmann nicht. „Wir spielen dann eben David gegen Goliath“. Von einer konkreten Lösung seien T-Mobile und Vodafone bislang ohnehin weit entfernt.

          Encorus als Partner statt Brokat

          Die Stuttgarter Brokat AG hatte in der Vergangenheit bereits Großaufträge von den Mobilfunkriesen erhalten, musste aber im November 2001 wegen Überschuldung Insolvenz anmelden. Die Sparte für das mobile Bezahlen wurde an das amerikanische Unternehmen EONE Global verkauft und in Encorus Technologies umbenannt. Encorus ist nun der Partner der geplanten Initiative.

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