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Mobile Luftreiniger : Schulen und Kitas bekommen 200 Millionen vom Bund

  • Aktualisiert am

Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum an einer Grundschule in Bayern. Bild: dpa

Im Herbst und Winter soll es weiter Präsenzunterricht und eine Betreuung von Kindern geben. Daher gibt der Bund nun Mittel zum Kauf der mobilen Geräte frei, auch die Länder schießen einen Teil zu.

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          Die Bundesregierung unterstützt die Länder mit 200 Millionen Euro bei der Beschaffung von mobilen Luftreinigern für Schulen und Kitas. Wie das Wirtschaftsministerium am Montag mitteilte, sollen davon Einrichtungen mit Kindern unter zwölf Jahren profitieren, für die es derzeit keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Bei Kinderbetreuung und Unterricht solle der bestmögliche Infektionsschutz erreicht werden.

          „Unser Ziel ist es, in diesem Herbst und Winter den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten“, erklärte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Brandenburgs Bildungsministerin und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), betonte: „Es ist gut, dass die finanzielle Unterstützung des Bundes kommt.“ Mobile Luftreiniger könnten Schulen und Kitas helfen, auch Räume zu nutzen, die sich nicht gut lüften ließen. Die 200 Millionen Euro sollen nach dem Königsteiner Schlüssel zwischen den Ländern aufgeteilt werden, die Länder müssen ebenfalls einen Teil zuschießen.

          Förderprogramm zuletzt ausgeweitet

          Das ursprüngliche Luftfilterprogramm des Bundes in Höhe von rund 500 Millionen Euro, das 2020 aufgelegt wurde, förderte bereits den Einbau festinstallierter Anlagen in öffentlichen Gebäuden, Theatern und Museen. Seit Mitte Juni 2021 gilt dies nun unter anderem auch für Kitas und Schulen. Die Förderung ist allerdings auf Räume und Einrichtungen für Kinder bis 12 Jahre begrenzt, da für sie bisher kein Impfstoff gegen Corona zugelassen ist. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, Luftfilter - unabhängig vom Alter der Schüler - in allen Klassenräumen zu installieren.

          Angesichts der Corona-Gefahr in Schulen hat das Thema Luftfilter lange für Streit gesorgt. Gewerkschaften, Eltern und Lehrer forderten immer wieder, so schnell wie möglich in Luftfilteranlagen für den Unterricht zu investieren, damit es nach den Sommerferien nicht wieder zu Schließungen kommt.

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          Dass politische Beschlüsse zu spät gekommen seien, kritisierte unter anderen der Deutsche Lehrerverband. Während der Nutzen fest installierter Luftreinigungsanlagen, die aufwendiger einzubauen sind, auf der Hand liegt, ist die Lage bei mobilen Geräten nicht so klar. Diverse Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

          Vorteile fest installierter Anlagen

          Dass sich fest installierte Anlagen bestens eignen, um virushaltige Partikel aus der Raumluft zu entfernen, ist unbestritten. Deren Einbau sei die „nachhaltigste Maßnahme zur Verbesserung der Innenraumlufthygiene“, allerdings auch mit hohem technischen und zeitlichen Aufwand verbunden, heißt es beim Umweltbundesamt (UBA). Neben der Einhaltung der Hygieneregeln sei daher auch regelmäßiges Lüften über die Fenster in der Pandemie besonders effizient. Wo die Belüftungsmöglichkeiten unzureichend sind, könnten aber auch mobile Luftreiniger - mit „hocheffizienten Gewebefiltern“ zum Beispiel - ergänzend zum Einsatz kommen.

          Denn der Nutzen von mobilen Luftfiltern ist in der Fachwelt zumindest umstritten. Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt zum Beispiel betonen als Ergebnis einer Studie, dass Luftreiniger der Filterklasse Hepa das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus deutlich verringern und empfehlen sie für Klassenräume. Forscher der Universität Stuttgart hingegen warnen: Mobile Geräte seien „keine Alternative zu einem Außenluftwechsel“ und nur dort zur Unterstützung ratsam, wo es zu kleine oder zu wenige Fenster gebe.

          Nur Umwälzen von Raumluft

          In einer Richtlinie für den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen hatten sich medizinische Fachgesellschaften, Robert Koch-Institut, Bildungs- und Kinderschutzverbände weder klar dafür noch dagegen positioniert. Kritiker wenden unter anderem ein, die Geräte seien für den Einsatz im Klassenzimmer zu laut, angesichts des Stromverbrauchs ökologisch nicht sinnvoll und erzeugten unangenehme Zugluft. Zudem wälzten sie die Raumluft nur um und könnten die notwendige Zufuhr frischer Luft daher nicht ersetzen.

          Befürworter verweisen auf den technischen Nutzen mobiler Filter bei der Virenreduktion und plädieren für ein Zusammenspiel aller Maßnahmen, um die Infektionsgefahr einzudämmen. „Fachgerecht positioniert und betrieben ist ihr Einsatz wirkungsvoll, um während der Dauer der Pandemie die Wahrscheinlichkeit indirekter Infektionen zu minimieren“, heißt es auch beim UBA.

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