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Start-ups : Bedingt risikobereit

Ideensucher: Teilnehmer eines sogenannten Hackathons in einem Frankfurter Co-Working-Space. Bild: Vogl, Daniel

Die Zahl der Existenzgründer hat sich seit der Jahrtausendwende mehr als halbiert. Die Politik ist alarmiert. Wie das Gründen attraktiver werden soll.

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          Eigentlich war es nicht mein Ziel, ein Unternehmen zu gründen“, sagt Julia Roth. Mehrere Jahre arbeitete die Betriebswirtin nach ihrem Studium für den Siemens-Konzern, kümmerte sich um Lieferketten und Fertigungsplanung. Doch der Klimawandel trieb Roth so sehr um, dass sie schließlich den Sprung in die Selbständigkeit wagte. Im Herbst vergangenen Jahres gründete sie in Berlin zusammen mit einer Naturwissenschaftlerin das Start-up Carbon Instead. Vereinfacht gesagt, entwickeln sie aus Abfällen, wie sie etwa in der Lebensmittelindustrie entstehen, ein Material, das CO2 speichert und als Baustoff Zement oder Sand zumindest teilweise ersetzen könnte. Dass die Gründerinnen ihr Projekt so hartnäckig verfolgen, liegt nicht nur an der Unterstützung durch die FU Berlin und das Fraunhofer-Institut für Bauphysik, sondern auch an den 2000 Euro, die jede im Rahmen des Berliner Start-up-Stipendiums monatlich für den privaten Lebensunterhalt erhält. „Das macht das Ganze sehr viel einfacher“, sagt Roth.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Erfahren, ehrgeizig und im Klimaschutz aktiv: Wenn es nach der Bundesregierung geht, würde es in Deutschland mehr Gründergeschichten wie die von Carbon Instead geben. Die Zahlen zeigen jedoch in die andere Richtung. Im Jahr 2002 gab es noch rund 1,5 Millionen Existenzgründungen, im vergangenen Jahr nur noch 537.000, wie aus dem gerade veröffentlichten Gründermonitor der KfW-Bankengruppe hervorgeht. Thomas Jarzombek (CDU), der Start-up-Beauftragte der Bundesregierung, sieht diese Entwicklung mit Sorge. „Wir müssen vor allem bei den Tech-Gründungen massiv vorankommen, sonst wird das für den Standort Deutschland auf Dauer nicht gut gehen“, warnt er. „In der Forschung ist Deutschland super. Da müssen wir mehr draus machen.“

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