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Wirtschaft in der Corona-Krise : „Der Mittelstand wird vergessen“

Mittelständler fürchten in der Corona-Krise um ihre Existenz. Bild: dpa

Der Präsident des Mittelstandsverbundes beklagt, von der Politik im Stich gelassen zu werden – und macht einen Vorschlag, wie die Fördermittel in der Corona-Krise besser verteilt werden könnten.

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          Der Mittelstand fühlt sich von Bundeshilfen ausgeschlossen. Die jetzige Regelung, mit der die Corona-Krise abgefedert werden soll, komme einer kalten Enteignung mittelgroßer Unternehmen gleich, weil zwar den Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern (über Leistungsverweigerungsrechte) und den Großunternehmen (über Kredite) geholfen werde, „der Mittelstand aber komplett ausgeschlossen wird, ohne dass eine praktikable und vor allem schnelle Lösung für die Bereitstellung der liquiden Mittel auch nur ansatzweise beschrieben ist“, beklagt Eckhard Schwarzer, Präsident des Mittelstandsverbundes.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Es sei inzwischen allen Sachverständigen klar, „dass die Verteilung der dringend benötigten liquiden Mittel über die staatlichen Förderbanken und die Geschäftsbanken in der bisherigen Systematik länger dauern wird, als nur ein paar Wochen. Die meisten mittelständischen Betriebe brauchen das Geld aber nicht in 6 oder 10 Wochen sondern jetzt“, appelliert Schwarzer an die Politik. Wie dringend finanzielle Hilfe ist, bestätigt auch eine Umfrage des Handelsverbandes HDE. Danach wollen mehr als 90 Prozent der deutschen Einzelhändler staatliche Hilfe zur Bewältigung der Krise in Anspruch nehmen. Nach Schätzung des Verbands sind derzeit bis zu 300.000 Einzelhandels-Geschäfte geschlossen.

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          Um gerade diesen Händlern, die jetzt keine Umsätze mehr machen, schnell zu helfen, schlägt der Mittelstandsverbund vor, statt über Hausbanken und die staatliche KfW lieber über die Direktbanken der Genossenschaften zu gehen. Im Mittelstandsverband sind Genossenschaften mit 230.000 mittelständischen Unternehmen organisiert, die mit ihren 2,5 Millionen Vollzeitbeschäftigten 507 Milliarden Euro umsetzen. Die Genossenschaften übernehmen für diese Unternehmen über eigene Direktbanken (DZB Bank, Cronbank) die Zahlungsabwicklung mit den Lieferanten. Ihr großer Vorteil sei, dass sie für Kunden die Bonitätsprüfung schon gemacht haben, die bei einer Kreditvergabe über Hausbank und KfW noch einmal erfolgen müsste.

          Der Verband schlägt vor, dass die Verbundgruppen den angeschlossenen mittelständischen Unternehmen die Bezahlung der aktuell offenstehenden Warenlieferungs-Forderungen temporär stunden. Damit die Verbundgruppen ihrerseits die Forderungen in Richtung Industrie (Vertragslieferanten) bedienen können, erhalten die Verbundgruppen von einem bestehenden Banken-Konsortium Kredite zur Liquiditätsüberbrückung. Die Kredite des Banken-Konsortiums wiederum sind durch Staatsbürgschaften zu 100 Prozent abgesichert.

          Das ginge über den bisherigen Gesetzestext hinaus, der bei KfW-Krediten eine Eigengarantie der Hausbanken von 10 Prozent vorsieht. Der Verband habe für die Umsetzung eine „Taskforce Liquidität für den Mittelstand“ ins Leben gerufen. Außerdem fordert der Mittelstandsverband, das Leistungsverweigerungsrecht über den Kreis der Privatpersonen und Kleinstunternehmen auf alle Unternehmen auszuweiten.

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