https://www.faz.net/-gqe-ad3pr

Unternehmergespräch : „Nur mit   Herzblut ist man erfolgreich“

Tochter und Vater: Veronika Lindner, Chefin des Verwaltungsrates der Lindner-Gruppe, und Gründer Hans Lindner. Bild: Privat

Gründer Hans Lindner hat in Bayern einen globalen Mischkonzern rund um den Bau geformt. Tochter Veronika trimmt die Lindner-Gruppe auf Nachhaltigkeit.

          4 Min.

          Der erste Eindruck täuscht. Obwohl die Lindner-Gruppe von der Provinz aus gesteuert wird, war der bayerische Mittelständler vom globalen Pandemiegeschehen direkt betroffen. Während etwa die Monteure auf Baustellen in Osteuropa oder Asien die Folgen von Quarantäne und Einreisesperren spürten, arbeiteten die deutschen Mitarbeiter in der Verwaltung und den Hotels zeitweise „kurz“ oder nur im Homeoffice.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Veronika Lindner eine einmalige Erfahrung: „Wir haben die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bislang gut verkraftet“, sagt sie erleichtert. Ihrer Familie gehört das gleichnamige Unternehmen, das ihr Vater Hans Lindner 1965 gegründet hat: „Ein großer Vorteil unserer Gruppe ist, dass wir weltweit und in verschiedenen Branchen aktiv sind und daher das Auf und Ab in den Märkten intern besser ausgleichen können.“

          Kern ist das globale Baugeschäft

          Unterschiedlicher können die Geschäftsfelder kaum sein, in denen das Unternehmen mit Sitz im niederbayerischen Arnstorf tätig ist. Ob es um Fassaden, Innenausstattung oder Isoliertechnik für Bauvorhaben und Schiffe sowie um Immobilien, Hotels, Gaststätten und neuerdings Biolandwirtschaft geht: Bis zu 75 eigenständige Gesellschaften bündelt die Lindner-Gruppe, die mit 7500 Mitarbeitern im In- und Ausland rund 1,1 Milliarden Euro im Jahr umsetzt.

          Der heute 79 Jahre alte Firmenpatriarch zog sich beizeiten aus dem Tagesgeschäft zurück. Seine Nachfolge regelte der Vater von vier Töchtern, indem er die Führungsaufgaben schrittweise auf die übrigen Mitglieder seiner Familie übertrug. Dabei hat Veronika Lindner in der Riege der Geschwister die Schlüsselposition inne. Die ehemalige Unternehmensberaterin kontrollierte im Vorstand der Lindner-Gruppe zunächst zehn Jahre lang die Finanzen.

          Vor gut drei Jahren rückte sie an die Spitze des Verwaltungsrates und überwacht von dort aus jene 12 Geschäftsführer, die den Tagesbetrieb verantworten. Vor diesem familiären Hintergrund war „bei uns im Unternehmen immer schon klar, dass Frauen und Männer gleichberechtigt und gleichermaßen leistungsfähig sind“, sagt sie.

          Die Lindners führen eine Gruppe von Unternehmen, die mit dem Bau von Decken, Böden und Fassaden rund 80 Prozent des Gesamtumsatzes beisteuern und zudem auf filigrane Reinraum- und Isoliertechnik spezialisiert ist. Großprojekte an den Flughäfen London-Heathrow, Hongkong und Frankfurt stehen ebenso wie die Beteiligung am Bau der Hamburger Elbphilharmonie ganz oben auf der aktuellen Referenzliste.

          Gastronomie rundet Firmenpalette ab

          Die restlichen Erlöse und Ergebnisbeiträge der Gruppe entfallen laut Lindner auf die Verwaltung und Entwicklung von Immobilien sowie auf den Betrieb der eigenen Hotellerie. Einst aus der Idee entstanden, dass Lindner senior seinen Mitarbeitern auch erschwingliche Wohnungen bieten wollte, gehört zum Firmenkonglomerat heute eine eigene Hotelkette mit zehn Häusern. Das Gastronomiegeschäft der Gruppe runden vier Wirtshäuser mit eigener Brauerei ab.

          Zum Konzept, neue Felder im Geschäft mit Nahrungsmitteln zu erschließen, passt laut Lindner auch der Betrieb eines eigenen Biobauernhofs sowie ihr Plan, stärker in Weinanbau und Fischzucht zu investieren. „Das finanzielle Polster in unserer Gruppe erlaubt einen gewissen Spielraum für neue Geschäftsideen.“

          Dabei ist das Bioprojekt mit dem Namen „Land-Luft“ eher zufällig entstanden. Weil ein vor Jahrzehnten gekaufter Bauernhof im benachbarten Ort Leberfing nicht wie geplant in einen Wohnpark umgewandelt werden konnte, entstand bei einem Gedankenaustausch innerhalb der Familie die Idee, den Hof wieder landwirtschaftlich zu nutzen. Doch der Betrieb sollte unbedingt nachhaltig sein.

          Weitere Themen

          Flixbus übernimmt „Greyhound“ Video-Seite öffnen

          Bekannte US-Fernbuslinie : Flixbus übernimmt „Greyhound“

          Flixmobility hat das US-amerikanische Busunternehmen Greyhound übernommen. Die GmbH mit Sitz in München teilte am Donnerstag mit, dass sie die Firma mit den ikonischen blau-silbernen Bussen für 46 Millionen Dollar von der britischen FirstGroup gekauft habe.

          Das Arsenal von Istanbul

          Contemporary Istanbul : Das Arsenal von Istanbul

          Die Messe Contemporary Istanbul ist wieder da. Sie präsentiert sich als Teil eines urbanen Großprojekts am Goldenen Horn. „Tersane Istanbul“ soll Leben, Arbeit und Kunst vereinen. Was bahnt sich da an?

          Topmeldungen

          Tankstelle in Marseilles, Südfrankreich: Die französische Regierung will einige Mitbürgerinnen und Mitbürger nun durch ein Energiegeld entlasten.

          Benzinpreise : Hilfe auch für deutsche Autofahrer?

          Paris macht es vor: Die Regierung federt die steigenden Strompreise mit einem Energiegeld ab. Auch in Deutschland steigt der Unmut wie die Spritpreise. Wie reagiert Berlin?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.