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Große Nachfrage, wenig Angebot : In Deutschland werden die Putzkräfte knapp

Nur 3,5 Prozent der Haushalte geben an, dass bei ihnen „meistens der Mann“ das Putzen übernimmt. Bild: mauritius images / Jochen Tack /

Legale Putzhilfen sind nur noch zu bekommen, wenn man hohe Löhne zahlt. Neun von zehn Haushaltshilfen arbeiten schwarz. Viele glauben, Männer putzen schlechter.

          3 Min.

          Geht es ums Putzen, ist alles Gerede von neuen Rollenbildern nur graue Theorie. Wie eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Vermittlungsplattform Helpling zeigt, bevorzugen 61 Prozent der Deutschen weibliche Putzkräfte, nur 1 Prozent hätte lieber einen Mann für diese Tätigkeit. 36 Prozent der Befragten ist es egal, der Rest hat keine Meinung zum Thema. Interessant ist auch die Antwort auf die Frage, warum die große Mehrheit lieber auf eine weibliche Putzkraft setzt. Hier gibt fast jeder zweite als Hauptgrund an, dass er sich „bei Frauen sicherer fühlt“. Mehr als jeder Dritte ist davon überzeugt, dass „Männer weniger gründlich“ putzen.

          Christoph Schäfer
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Auffällig ist ferner, wie groß der Unterschied zwischen dem Wunsch nach einer Putzhilfe und dessen Umsetzung ist. Exakt jeder zweite kann sich nach eigenen Angaben vorstellen, eine Reinigungskraft im Haushalt zu beschäftigen. Aber nur jeder zehnte Befragte hat tatsächlich eine Putzhilfe beschäftigt. Das deckt sich mit mehreren anderen Erhebungen, die ebenfalls auf zehn Prozent kommen.

          Für die magere Quote gibt es mehrere Ursachen. Die eine ist die Bezahlung. Dem Deutschen Hauswirtschaftsrat zufolge berechnet ein privates Unternehmen für eine Stunde Putzen je nach Region 23 bis 30 Euro die Stunde. Die Preise auf dem Schwarzmarkt schätzt Peter Hammer vom Hauswirtschaftsrat auf 11 bis 15 Euro. Mit anderen Worten: Wird es offiziell, wird es doppelt so teuer. Zwar können 20 Prozent der Kosten nach der Anmeldung als haushaltsnahe Dienstleistung von der Einkommensteuer abgesetzt werden, das reicht aber nicht, um die große Preisdifferenz zu überbrücken. Hinzu kommt, dass eine schwarz beschäftigte Reinigungskraft kein Geld bekommt, wenn sie Urlaub macht oder krank ist – eine legal beschäftigte Hilfe hingegen hat Anspruch auf Lohnfortzahlung und Urlaubstage. „Wir brauchen Zuschüsse vom Staat und vom Arbeitgeber, um den Schwarzmarkt auszutrocknen“, sagt Hammer vom Hauswirtschaftsrat. Diese Forderung nach staatlichen Gutscheinen steht auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD, allerdings tut sich faktisch seit Beginn der Legislaturperiode nichts.

          Viele haben kein Interesse an einer offiziellen Tätigkeit

          Oft ist die Höhe des Stundenlohns ohnehin nicht ausschlaggebend. Wer im Großraum Rhein-Main eine Putzhilfe offiziell beschäftigen will, wird immer wieder die Erfahrung machen, dass mögliche Kandidaten überhaupt kein Interesse an einer offiziellen Tätigkeit haben. Viele von ihnen beziehen Hartz-IV, Unterhaltszahlungen von ihrem Ex-Partner oder andere Transferleistungen, die sie teilweise oder komplett verlieren würden, wenn sie mehr offizielle Einkünfte hätten. Dominik Enste vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hält das sogar für den Hauptgrund, warum die Schwarzarbeit in Privathaushalten nach wie vor enorm hoch ist. Nachdem der Gesetzgeber das Anmeldeverfahren stark vereinfacht hatte, verdreifachte sich die Zahl der Minijobber in Privathaushalten seit 2005 zwar auf aktuell 300.000 Menschen. Seit drei Jahren stagniert die offizielle Beschäftigung aber. Und trotz der Verdreifachung arbeiten Enstes Berechnungen zufolge noch immer 88,5 Prozent illegal.

          „Vielen Arbeitgebern fehlt es an Unrechtsbewusstsein“, kommentiert Beate Imhof-Gildein, die Geschäftsführerin des Berufsverbands Hauswirtschaft. Auch viele Beschäftigte „wollen lieber brutto für netto haben, die denken nicht an die Rente oder den gesetzlichen Unfallschutz“. 

          Der dritte Grund, warum es schwierig ist, eine Putzhilfe zu finden, liegt am Fachkräftemangel. Viele Menschen, die vor ein paar Jahren noch geputzt haben, sind mittlerweile in der Gastronomie tätig, wo die Löhne samt Trinkgeld höher liegen. „Nicht nur in den Metropolen, selbst auf dem Land suchen immer mehr Menschen vergeblich nach einer Haushaltshilfe“, sagt Enste. Der Wunsch nach Entlastung im Haushalt sei zwar groß, insbesondere weil die Quote der erwerbstätigen Frauen enorm gestiegen ist, das Angebot an Putzwilligen sei aber knapp. „Das gilt auch für nicht angemeldete Haushaltskräfte.“

          In der Forsa-Umfrage geben zwar 77 Prozent der Befragten an, dass es ihnen „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ sei, dass ihre Putzkraft legal arbeite. Das sollte man aber nicht wirklich ernst nehmen. Johannes Bungart, Geschäftsführer des Bundesinnungsverbandes „Die Gebäudedienstleister“ spricht gar von einer „Doppelmoral“. Viele seiner 2500 Mitgliedsunternehmen hätten versucht, ihre Dienste in wohlhabenden Gegenden anzubieten, seien aber gescheitert: „Es gibt eine unheilbare Allianz zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern: Beide haben Interesse an Schwarzarbeit.“

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