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Digitalisierung in Betrieben : Als erste müssen die Dozenten online gehen

Klebezettel und Pinnwände müssen nun auch digitalisiert werden. Bild: Daniel Pilar

Die Corona-Krise gibt Gelegenheit, die Belegschaft von Unternehmen für die Digitalisierung zu schulen. Davor müssen die Anbieter von Fort- und Weiterbildung die Transformation meistern.

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          In den vergangenen Monaten hat jeder viel dazugelernt, auch diejenigen, die sonst anderen die Lektionen erteilen. Claus Kapelke, Vorsitzender des Vereins Weiterbildung Hessen, kann den Zuwachs in Zahlen fassen: Zwischen 15.000 bis 16.000 Angebote für berufliche, kulturelle oder politische Fort- und Weiterbildung versammelt die Bildungsdatenbank, die der Verein betreibt.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer 2019 darin stöberte, konnte ganze 177 Online-Kurse finden. Im Mai 2020 waren es bereits 3450 Angebote, die via Internet funktionieren sollten, im November dann 5839. Wenn Branchen gerade einen Digitalisierungsschub erleben, dann gehören die Bildungsanbieter dazu. Dabei hatte der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft noch 2018 über sie geschrieben, dass “digitale Lernangebote höchst selten genutzt“ würden. Dagegen stellte der Wuppertaler Kreis, ein Zusammenschluss bundesweit führender Anbieter von beruflicher Fort- und Weiterbildung, gegen Ende des Jahres 2020 fest: „Die Pandemie ist ein Turbo für die Digitalisierung der Weiterbildung.“

          Einstieg in die Online-Welt

          Plötzlich waren die Internetlektionen die Rettung. Denn mit dem ersten Lockdown im März wurden auch Managerseminare, Meisterkurse, Mitarbeiterschulungen und Sprachklassen geschlossen. Claus Kapelke, der im Hauptberuf die Landesfachschule des Kfz-Gewerbes Hessens leitet, erinnert sich gut: 45 Kurse musste er absagen, rund 500 Teilnehmer, vom Azubi bis zum angehenden Meister, durften nicht mehr kommen.

          Für die Lehrlinge fielen die überbetrieblichen Teile ihrer Ausbildung für einige Wochen aus. Erst über den Sommer konnten sie in Kleingruppen und mit gestrafftem Programm nachgeholt werden. Autoschrauben kann man eben nicht am Bildschirm lernen, weswegen hier wie generell in der Berufsausbildung alle Beteiligten bemüht sind, sichere Präsenzkurse zu ermöglichen.

          Etliches aus den Meisterkursen lässt sich hingegen ohne Zusammenkunft in der Werkstatt vermitteln. „Zuerst haben wir den Teilnehmern schriftliche Unterlagen nach Hause geschickt, dann haben wir angefangen, mit unseren Trainern Videos zu drehen, und am 7. April gab es bei uns die erste Live-Vorlesung via Zoom“, berichtet Kapelke. Und auch wenn mancher Fast-Meister gemurrt habe oder sogar mit einem Anwalt versuchte, den gebuchten Präsenzunterricht einzufordern - bei den Prüfungen im Sommer "waren die Ergebnisse sogar etwas besser als 2019", wie Kapelke sagt.

          Ihm ist der Stolz anzumerken, dass seiner Einrichtung der Einstieg in die Online-Welt gelungen ist. „Das war viel, viel Aufwand, aber es hat uns weit nach vorne gebracht.“ Ein Satz, den wohl die meisten der gut 300 Mitglieder des Vereins Weiterbildung Hessen so unterschreiben würden. Mit einer Einschränkung, die auch andere Branchen kennen: Noch können die Einkünfte aus den Digitalangeboten die Ausfälle bei den Präsenzseminaren nicht auffangen.

          Persönlich kommt keiner mehr

          In einer Umfrage erklärte zuletzt jeder zweite Anbieter, dass sein Umsatz um mindestens 25 Prozent gesunken ist, jedes fünfte Unternehmen berichtete von Liquiditätsengpässen. Knapp die Hälfte hat Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, nicht benannt, aber hoch ist die Zahl freiberuflicher Ausbilder, die ohne Aufträge und Einkommen dastehen.

          Der Wuppertaler Kreis, zu dem unter anderem das Weiterbildungswerk der Hessischen Wirtschaft, der Ausbildungsträger Provadis, die Akademie der Deutschen Genossenschaften, DB Training und die Frankfurt School of Finance and Management gehören, prognostiziert für 2020 ebenfalls "erhebliche Umsatzeinbrüche" von etwa einem Drittel. Seine 50 Mitglieder hatten im Jahr 2019 zusammen knapp einhunderttausend Seminare für 1,35 Millionen Teilnehmer angeboten. Der Jahresumsatz betrug 1,47 Milliarden Euro. 2020 waren es die Hauptumsatzbringer, nämlich Seminare und Inhouse-Schulungen für Unternehmen, die wegbrachen.

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