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KfW-Umfrage : Mittelstand verliert immer mehr an Innovationskraft

Ein Elektromotor aus Chemnitz, der in 3-D-Druck hergestellt wurde: Ein Kompetenzzentrum an der Technischen Universität bringt digitale Pioniere zusammen. Bild: dpa

Der Mittelstand gilt als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Doch seit mehr als zehn Jahren befinden sich die Neuerungen bei Produkten und Prozessen hierzulande im Sinkflug.

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          Immer weniger mittelständische Unternehmen in Deutschland geben Geld für Innovationen aus. Nach einer Auswertung der Entwicklungsbank KfW ist der Anteil innovativer Mittelständler auf einen neuen Tiefstand gesunken, wie die Chefvolkswirtin der Bank, Fritzi Köhler-Geib, am Mittwoch in Frankfurt erklärte. Als Grundlage dient der Ökonomin das KfW-Mittelstandspanel, eine jährliche Analyse von kleinen und mittleren Unternehmen. Als Innovation wird auf Grundlage von Umfragen gewertet, was den Produktionsprozess merklich verbessert. Dazu zählen auch Nachahmungen. 

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Köhler-Geib nannte die Studienergebnisse „alarmierend“. Innovationskraft sei wichtig für Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit, in der Spitze wie in der Breite. „Deutschland hat sich lange gerühmt mit der Innovationskraft des Standorts“, so Köhler-Geib. „Doch dieses Bild hat Risse bekommen.“ Laut KfW führten in den Jahren 2016 bis 2018 nur noch 725.000 der 3,81 Millionen kleineren und mittleren Unternehmen in Deutschland Neuerungen ein. Das sind 125.000 weniger als in den Jahren 2015 bis 2017.

          Der negative Trend setzte allerdings schon deutlich früher ein. So befindet sich der sogenannte Innovatorenanteil, also der Anteil jener Mittelständler, die Produkt- als auch Prozessinnovationen neu entwickelt oder von anderen übernommen haben, seit dem Jahr 2006 im Sinkflug. Während er damals noch bei 43 Prozent lag, betrug er im Jahr 2018 nur noch 19 Prozent. Der Rückgang verläuft dabei in allen Branchen und Unternehmensgrößen synchron, vom kleinen Handwerksbetrieb mit fünf Mitarbeitern bis hin zum Maschinenbauer mit zweihundert Mitarbeitern.

          Einige wenige Mittelständler haben laut KfW ihre Investitionen in Zukunftstechnologien allerdings außergewöhnlich stark erhöht. Das führe zu dem auf den ersten Blick paradoxen Umstand, dass die Innovationsausgaben in absoluten Zahlen keinem klaren Trend folgten und von 2017 auf 2018 sogar leicht gestiegen seien auf 34 Milliarden Euro. Das gelte auch für die deutsche Wirtschaft insgesamt, große Konzerne also eingeschlossen, betonte Köhler-Geib. So investierten allen voran die Automobilhersteller deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren in Bereiche wie die Elektromobilität. Auch deshalb sei der Anteil von Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt auf zuletzt 3,5 Prozent gestiegen.

          Als einen wesentlichen Grund für die geschwundene Innovationskraft des deutschen Mittelstands sieht die KfW den Fachkräftemangel. Dieser verhindere ganz praktisch die Entwicklung oder Imitation von Neuerungen im laufenden Betrieb. Hinzu komme die gesunkene Zahl an Gründern in der Bundesrepublik, was nicht zuletzt mit der Alterung der Gesellschaft und der dadurch bedingten Risikoscheu liege. Ein weiteres Hindernis seien schließlich Finanzierungsschwierigkeiten, meint Köhler-Geib. Vor allem in puncto Beteiligungsfinanzierung für Gründer habe Deutschland Nachholbedarf.

          Solche Hindernisse zu beseitigen und auch gezielt die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Unternehmen zu fördern, hält die Ökonomin für sehr wichtig. Zumal zwei Drittel aller Mittelständler gar keine eigenen Forschungs- und Entwicklungsarbeit betrieben: Gerade einmal 17 Prozent tun es den Zahlen der KfW zufolge kontinuierlich, weitere 17 Prozent gelegentlich. Köhler-Geib: „Vor dem Hintergrund der ambitionierten Innovationsstrategien im Ausland sind erhöhte Forschungsanstrengungen hierzulande notwendig.“ 

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