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Neuer Chef : Ritter Sport verliert den Ritter

  • Aktualisiert am

Alfred Ritter geht. Bild: dpa

Ritter-Sport-Chef Alfred Ritter hat Schokolade und Öko zusammengebracht - und hatte trotzdem Ärger mit seinen Aromastoffen. Jetzt zieht sich Alfred Ritter in den Beirat zurück.

          Schokolade und Öko, geht das zusammen? Alfred Ritter vereint beides in einer Person. Der 61-jährige Enkel des Firmengründers von Ritter Sport, dem Schokoladenhersteller aus dem schwäbischen  Waldenbuch, wurde schon Ende der 90er Jahre als Ökomanager des Jahres ausgezeichnet, später folgte der Deutsche Solarpreis.

          Für sein Umweltengagement hat er bald wieder mehr Zeit. Denn Ritter gibt die Führung von Ritter Sport ab. Der bisherige Geschäftsführer Andreas Ronken (48) übernimmt den Chefposten zum 1. Januar 2015, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Marketing-Chef Jürgen Herrmann wird stellvertretender Firmenchef.

          Die Familie bleibt dem Unternehmen trotzdem treu. Ritter übernimmt zum Jahreswechsel den Vorsitz im Beirat des Unternehmens, dort löst er seine Schwester Marli Hoppe-Ritter ab. Die Kinder von Alfred Ritter und seiner Schwester sind als Gesellschafter und Mitglieder des über alle strategischen Fragen entscheidenden Beirats eng mit dem Unternehmen verbunden. Ein Sohn von Marli Hoppe-Ritter arbeitet zudem in der Rohstoffbeschaffung des Schokoladenherstellers.

          Er führte natürliche Aromen ein

          Ritters Bemühen um die Umwelt macht sich schon in der eigenen Schokoladen-Produktion bemerkbar. Nachdem er 2005 die Führung bei dem Schokoladenhersteller übernahm, führte er Bio-Sorten ein. Auch die Energiesparliste für seine Firma ist lang: „Blockheizkraftwerk, Abwärmeverwertung, gute Isolierungen, automatische Stromabschaltung und Anforderung von Strom, wenn er billig ist“, zählte er auf. „Wir sind ein energieintensives Unternehmen, aber so energieeffizient wie kaum ein anderes.“

          2012 ließ er im Osten Nicaraguas rund 2000 Hektar Land kaufen, um dort eine eigene Kakao-Plantage nach nachhaltigen Standards aufzuziehen. 2017 sollen die ersten Schokoladentafeln mit eigenem Ritter-Kakao produziert werden. Langfristig will der schwäbische Schokoladenhersteller ein Drittel seines Bedarfs von dort decken. 

          Schon vorher ließ er naturidentische Aromastoffe durch natürliche Aromen austauschen. Wie wichtig Ritter das Thema war, zeigte der erbitterte Schoko-Streit vor Gericht mit der Stiftung Warentest. Dabei ging es um die Frage, ob eine Vanillearoma in Nussschokolade als natürlich bezeichnet werden dürfe. Ritter setzte sich durch.

          Andreas Ronken kommt.

          Als Schlüsselerlebnis bezeichnete Alfred Ritter den Atomunfall in Tschernobyl 1986. „Da konnte ich nicht einfach weitermachen wie bisher.“ 1988 gründete er in Karlsruhe die Firma Paradigma, die sich auf Energie- und Umwelttechnik spezialisiert hat. Im Jahr 2000 kam Ritter Solar in Karlsruhe dazu, die solarthermische Großanlagen baut. Außerdem ist Ritter Gesellschafter der Firma Thermo-Hanf, die natürliche Dämmstoffe anbietet.

          Als Enkel des Firmengründers war Ritter der dritte Alfred Ritter an der Spitze des Unternehmens. Dabei konnte er sich lange nicht vorstellen, die Firma selbst zu führen. Zunächst studierte er zwar Volkswirtschaft, brach dann aber ab, um ein Diplom in Psychologie zu machen.

          Erst 2005 wechselte Ritter vom Beirat in die Firmenführung, als die Geschäfte der Schokoladenfirma nicht mehr rund liefen. Der Schokoladenhersteller aus dem schwäbischen Waldenbuch war damals zu schnell gewachsen. „Die Entwicklung damals war ungut“, sagte der Sprecher. Darunter habe die Qualität gelitten.

          Als Ritter antrat, schraubte er die Anzahl der Werbeaktionen mit Saisonware zurück, die teilweise sogar zeitgleich in den Regalen lag. Er modernisierte die Fabrik in Waldenbuch bei Stuttgart, führte Bio-Sorten ein und stellte alle Rezepturen auf den Prüfstand. Im vergangenen Jahr verbuchte das Unternehmen erneut einen Rekordumsatz.. Expandiert hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren weiter. 2013 steigerte Ritter Sport seinen Umsatz um neun Prozent auf rund 380 Millionen Euro. Der Schokoladenhersteller ist inzwischen in mehr als 100 Ländern weltweit vertreten.

          Der Schokolade wird Ritter wohl treu bleiben. Jeden Tag nascht er heute zwar nicht mehr, wie er erzählt. Eine Vorliebe hat er im eigenen Sortiment natürlich trotzdem: ganz klassisch mit Vollmilch.

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