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Fachpersonal gesucht : 2035 fast eine halbe Million Arbeitskräfte zu wenig in Hessen

Schon jetzt besonders gefragt: Viele Labore könnten mehr Mitarbeiter brauchen. Bild: dpa

Die hessischen Industrie- und Handelskammern prognostizieren für 2035 einen eklatanten Mangel an qualifiziertem Personal. Eng wird es demnach nicht nur im Pflege- und Gesundheitswesen, sondern auch in Laboren und in der Luftfahrt.

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          Wer Käse macht, macht im Wortsinn keinen Unfug, sondern stellt ein Lebensmittel her und hat das ordentlich gelernt. Käser sind gesucht. Der Kapellenhof in der Wetterau, der seine Bio-Schafmilch selbst verarbeitet, braucht dringend Verstärkung. „Der Markt ist leergefegt“, sagt Betriebsleiter Pascal Küthe. Deutschlandweit werde nach Käsern gesucht, und selbst die Einschränkung, dass neue Mitarbeiter angelernt werden könnten, habe bisher wenig genutzt. Was wie ein sehr spezielles Problem klingt, ist schon jetzt ein weitaus größeres. Auch die Gastronomie beispielsweise beklagt, dass der Personalmangel manchem die Freude an Öffnungen mit dem Abklingen der Pandemie verhageln könne. Und auch ein erfolgreicher Notar berichtet von den großen Anstrengungen, die er unternehmen müsse, um Mitarbeiter zu finden.

          Demographie als Grund

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Andere Branchen haben schon seit vielen Jahren Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen. Und Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Nach der am Dienstag veröffentlichten Prognose des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK) werden bis zum Jahr 2035 in diesem Bundesland 495.000 Fachkräfte fehlen. Der Mangel entstehe vor allem wegen der demografischen Entwicklung und sei ein großes Risiko für die hessische Wirtschaft. Aktuell fehlten in den Betrieben coronabedingt nur rund 5000 Fachkräfte. „Die Corona-Pandemie senkt die Nachfrage nach Fachkräften nur kurzfristig“, so HIHK-Präsident Eberhard Flammer. Derzeit stehe für Hessens Betriebe das Halten des Personals im Vordergrund. Mittel- und langfristig aber werde „die Demografie-Keule zuschlagen und Hessens Wirtschaft einen massiven Fachkräftemangel bescheren“, so Flammer.
          Dass das Angebot an Fachkräften in den nächsten Jahren um 29 Prozent zurückgehen könnte, besorge die Kammern ernsthaft. „Fast eine halbe Million Arbeitskräfte könnten in einem Land mit gut sechs Millionen Einwohnern fehlen, das ist eine Gefahr für Wertschöpfung und Wohlstand in Hessen“, sagt Flammer weiter.

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