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Mitsubishi Motors : Hohe Verluste in Japan bereiten Daimler-Chrysler Sorgen

  • Aktualisiert am

Schwierige Aufgaben für Rolf Eckrodt, Chef bei Mitsubishi Motors Bild: dpa

Den Aktionären der Daimler-Chrysler AG wird durch die schlechten Halbjahreszahlen der Mitsubishi Motors Corp. (MMC) erstmals deutlich, welche Belastung der Konzern in Asien zu bewältigen hat.

          Den Aktionären der Daimler-Chrysler AG wird durch die Halbjahreszahlen der Mitsubishi Motors Corp. (MMC), Tokio, erstmals deutlich, welche Belastung der Konzern in Asien zu bewältigen hat. Nach einem verheerenden ersten Halbjahr werde Mitsubishi in den nächsten Monaten wieder mit Gewinn arbeiten, sagte MMC-Präsident Rolf Eckrodt vor Journalisten in Tokio. Trotzdem rechnet er für das Gesamtjahr mit einem operativen Verlust von 45 Milliarden Yen, umgerechnet 360 Millionen Euro. Der Jahresfehlbetrag werde bei 11 Milliarden Yen (87 Millionen Euro) liegen. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Mitsubishi noch einen Rekordüberschuß von umgerechnet 270 Millionen Euro erwirtschaftet. An der Tokioter Börse brach der Aktienkurs von MMC bis zu 7,8 Prozent auf 224 Yen ein. Unmittelbar nach Eröffnung der deutschen Börsen sackte auch der Aktienkurs von Daimler-Chrysler von 32,30 Euro auf fast 31,50 Euro ab. Daimler-Chrysler hält 37 Prozent des MMC-Kapitals.

          Daimler-Chrysler betonte zwar, das Ergebnisziel des Konzerns von 5 Milliarden Euro Betriebsgewinn sei durch den Verlust bei Mitsubishi nicht gefährdet. Der größere Teil des Verlustes sei bereits im dritten Quartal verbucht worden. Für das gesamte Jahr dürfte der von Daimler-Chrysler zu übernehmende Verlust bei 140 Millionen Euro liegen. Aus den genauen Zahlen macht Daimler-Chrysler ein Geheimnis unter Hinweis darauf, daß Mitsubishi lediglich eine Beteiligung sei. Letztlich wird das Ergebnis unter dem Sammelpunkt Beteiligungen ausgewiesen, in die auch die Ergebnisse des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, von MTU und von Hyundai einfließen, außerdem das Ergebnis der Nutzfahrzeug-Gesellschaft Fuso, an der Mitsubishi und Daimler-Chrysler gemeinsam beteiligt sind.

          Probleme in Nordamerika

          Für den Verlust von Mitsubishi wird neben dem weiterhin verlustreichen Geschäft im eigenen Land der nordamerikanische Markt als Ursache genannt. Im Bestreben, den Umsatz zu erhöhen, hatte Mitsubishi dort in den zurückliegenden Jahren zu viele kreditfinanzierte Autos an Kunden mit schlechter Bonität verkauft. Die Kreditausfälle häuften sich. Dafür seien nun Rückstellungen von 430 Millionen Dollar zu verbuchen, berichtete MMC in Tokio. "Eine Situation wie diese habe ich nicht erwartet", erklärte Eckrodt. Bei Daimler-Chrysler sieht man die Ursache für das Problem in der Vergangenheit, als der Stuttgarter Konzern noch nicht an Mitsubishi beteiligt war: "Damals wurden Riesenfehler im Leasing- und Finanzierungsgeschäft gemacht", heißt es in Stuttgart.

          In Nordamerika belief sich der Verlust von MMC im ersten Halbjahr 2003/2004 (31. März) auf 104 Milliarden Yen, bei einem Umsatz von 281 Milliarden Yen. In Japan lag der operative Verlust im ersten Halbjahr bei 20,6 Milliarden Yen, bei einem Verkaufsvolumen von 292 Milliarden Yen. Die Geschäfte in Europa und auf dem asiatischen Kontinent seien profitabel, sagte Eckrodt. Der konsolidierte Fehlbetrag wurde von ihm mit 80 Milliarden Yen beziffert, umgerechnet 634 Millionen Euro.

          Sinkende Umsätze

          Die Mitsubishi-Erlöse gingen im Halbjahr verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 6 Prozent auf 1,2 Billionen Yen (9,5 Milliarden Euro) zurück. Dabei wurden auf der ganzen Welt 773 000 Fahrzeuge abgesetzt. Allerdings gab es eine deutliche Abwärtstendenz in Amerika. Im Bemühen, die riskante Kreditvergabe einzuschränken, hat Mitsubishi Einbußen hinnehmen müssen: 27 Prozent weniger Autos wurden verkauft. Um wiederum diesem Trend entgegenzuwirken, setzt Mitsubishi nun verstärkt auf andere Kaufanreize wie Rabatte. Daß dies nicht zwangsläufig gelingt, könnte Mitsubishi leicht bei Daimler-Chrysler beobachten. Während Chrysler-Chef Dieter Zetsche mit seinen Sparanstrengungen erfolgreich war, hat er das Ziel, den Marktanteil von Chrysler zu halten, bei weitem verfehlt. Statt dessen zählt Chrysler nun zu den Autoherstellern, die in Amerika die höchsten Rabatte geben, selbst bei neuen Modellen.

          Diese Duplizität der Ereignisse ist es, die Beobachter beunruhigt: "Bei Mitsubishi ist es genau wie bei Chrysler. Am Anfang gab es schnelle Sanierungserfolge, weil man die Kosten gesenkt hat, aber dann kommt es wieder zu einem Rückfall", faßt Jürgen Pieper, Analyst des Bankhauses Metzler, zusammen. Es dauere wohl viele Jahre, bis man das schlechte Image, die schlechte Kundenbasis und die schlechten Produkte hinter sich lassen könne, meint er: "Schön, daß man in Stuttgart so viel Kampfeskraft hat. Aber aus Investorensicht ist das eine schlechte Allokation von Ressourcen." In Japan macht jetzt Mitsubishi-Chef Eckrodt Hoffnung auf die angekündigte Produktoffensive. Daß keine schnellen Erfolge zu erwarten sind, ist aber wieder am Beispiel Chrysler zu erkennen. Der Pacifica, in den der Konzern sehr große Hoffnungen gesetzt hatte, weil er das erste Auto ist, das unter der neuen Ägide geschaffen wurde, hat einen Fehlstart hingelegt. Das Konzept wurde nicht begriffen, hieß es bei Daimler-Chrysler zunächst. Mittlerweile wird auch eingestanden, daß bei der Markteinführung Fehler gemacht wurden. Bei Mitsubishi wird es noch deutlich länger dauern, bis wirklich neue Produkte auf den Markt kommen. Zeitweise hat Mitsubishi nicht einmal 2 Prozent des Umsatzes investiert. (sup./fib.)

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