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Zukunft der Arbeit : Der Algorithmus sucht neue Kollegen aus

Auf die alte Weise: Besucherin auf einer Jobmesse Bild: dpa

Die Datenanalyse erreicht die Personalabteilungen. Noch steht die Kandidatensuche per Datenauswertung am Anfang. Aber nach den ersten Großunternehmen zeigt auch der Mittelstand zunehmend Interesse.

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          Ende April diskutierten 450 Unternehmer, Wissenschaftler, Gewerkschafter und Politiker in Berlin eine Frage, die in Deutschland mehr als 42 Millionen Menschen betrifft: Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus, wenn sich die Wirtschaft immer weiter digitalisiert? Unter dem Schlagwort „Arbeit 4.0“ hatte die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zur Debatte geladen, angelehnt an den Begriff Industrie 4.0, hinter dem sich die Vernetzung von Wirtschaft und Produktion verbirgt. Arbeiten 4.0 hieße, dass Beschäftigung sich wandele, Berufe wegfielen und neue entstünden, sagte Nahles damals. Sie wolle, „dass wir Vorreiter sind und diesen Wandel der Arbeitswelt gestalten“.

          Dabei verwandeln Internet, Vernetzung und auch Datenanalyse schon heute nicht nur den Arbeitsalltag vieler Menschen. Die Entwicklung wird bald schon früher ansetzen, bevor Menschen überhaupt eine Stelle finden und anfangen zu arbeiten. Das zeigt exemplarisch die Erhebung „Big Data im Personalmanagement“, die das berufliche soziale Netzwerk Linkedin und der Technikbranchenverband Bitkom am heutigen Montag veröffentlichen und die diese Zeitung vorab auswerten konnte. Sie beleuchtet die Frage, in welchem Umfang Personalabteilungen heute schon die Big Data genannte massenhafte elektronische Datenanalyse einsetzen, um neue Mitarbeiter zu finden oder die Angestellten zu organisieren.

          In die Umfrage flossen Antworten von 408 Personalentscheidern aus deutschen Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern ein. Zwar nutzt demnach bisher lediglich jedes zehnte Unternehmen massenhafte Datenanalyse im Personalwesen. Und fast zwei Drittel der Personalentscheider zählen sich zu der Gruppe, die sich bisher noch nicht mit Big Data beschäftigt haben. Doch lässt die Umfrage erahnen, dass sich das schon bald ändern könnte.

          Künftige Nutzungsquoten von mehr als 50 Prozent

          Das zeigt ein Blick in die Teilergebnisse. In den Branchen Finanzdienstleistung, Automobilbau, Informationstechnologie und Telekommunikation, Handel sowie Maschinen und Anlagenbau übersteigt der Anteil der Datenanalyse-Planer in den Personalabteilungen den der Nutzer teils deutlich. Zählt man noch die Personaler hinzu, die das Thema derzeit diskutieren, kommt man schnell auf künftige Nutzungsquoten von jenseits der 50 Prozent. „Das Thema Big Data im Personalmanagement ist derzeit klar von Großunternehmen getrieben“, sagt Till Kaestner, Linkedin-Geschäftsführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Aber auch der Mittelstand ziehe nach. „Insgesamt existiert ein großes Potential für die Zukunft. Allerdings gibt es einen großen Nachholbedarf bei der Nutzung externer Datenquellen.“

          Nicht so beim in Berlin sitzenden Internetunternehmen Soundcloud, das die gleichnamige Internetplattform betreibt, über die Musiker neue Stücke an Hörer verbreiten können. Das Unternehmen hat derzeit 200 Mitarbeiter, wächst aber schnell. Nach Angaben der Soundcloud-Personalchefin Noor van Boven hat sich die Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren im Schnitt jährlich um die Hälfte erhöht. Dabei hat sich der Weg verändert, auf dem neue Mitarbeiter zu Soundcloud finden. Noch vor zwei Jahren entstand die Mehrzahl der Neueinstellungen über direkte Empfehlungen, und rund vier von zehn neuen Mitarbeitern hatten sich bei Soundcloud beworben. Inzwischen werden Boven und ihre Kollegen in der Personalabteilung immer häufiger selbst aktiv, wobei ihnen die Datenanalyse hilft.

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