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Preissystem für Plastik : Mit Verpackungsdesign die Umwelt retten

Mülltonnen und gelbe Säcke mit Kunststoff-Abfällen (Grüner Punkt) stapeln sich auf einem Fußweg. Bild: dpa

Ein neues Preissystem soll den schlecht verwertbaren Verpackungsmüll teurer machen. Kann so Gebührenprellern schneller das Handwerk gelegt werden?

          Gunda Rachut startet ihre Präsentation mit einem Recycling-Quiz. Einen leeren Joghurtbecher hat sie mitgebracht, Obstschälchen aus PET und diverse Behälter für Haushaltsreiniger. Welche dieser Plastikverpackungen lässt sich besonders gut oder besonders schlecht wiederverwerten? Davon wird vom kommenden Jahr an abhängen, wie hoch die Entsorgungsgebühren ausfallen.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Rachut und ihre Mitarbeiter der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR), der neuen Kontrollbehörde für das deutsche Verpackungsrecycling, haben zusammen mit dem Umweltbundesamt einen ersten Kriterienkatalog entwickelt. Er legt Mindeststandards fest und definiert eine Art Punktesystem für ein recyclinggerechtes Verpackungsdesign, an dem sich die Preislisten für die Entsorgung von Verpackungsmüll über gelbe Tonnen und Säcke künftig orientieren müssen. „Die Entsorgung nicht oder schlecht recycelbarer Verpackungen muss künftig mehr Geld kosten“, sagt Kontrollchefin Rachut.

          Oft entscheiden vermeintliche Kleinigkeiten darüber, ob der Abfall in der Verbrennung landet oder Neues daraus werden kann. Zum Beispiel die Größe des Etiketts. Je mehr Fläche es abdeckt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die Infraroterkennung in der Sortieranlage das Plastikmaterial erkennt. Auch eine schwarze Einfärbung erschwert oder blockiert die richtige Sortierung – abgesehen davon, dass sich aus solchem Material nur minderwertige Produkte herstellen ließen.

          Ökologie als Marketingthema

          Und es gibt auch immer noch riesige Mengen von Problemplastik, an dem sich herkömmliche Recyclingtechnik die Zähne ausbeißt. Miteinander verklebte Folien für Käse- und Fleischverpackungen zum Beispiel oder die durchsichtigen PET-Schälchen, die sich in jeder Obst- und Gemüseabteilung zuhauf finden. So kommt es, dass weit mehr als die Hälfte des getrennten Plastikmülls aus der gelben Tonne immer noch schlicht verbrannt wird.

          Schon die höheren gesetzlichen Quoten für die stoffliche Verwertung zwingen zum Handeln. Müssen bisher 36 Prozent des Kunststoffabfalls aus der Hausmüllsammlung ins Recycling, steigt dieser Anteil bis 2022 auf 63 Prozent an. Um die neuen ehrgeizigen Ziele zu erreichen, müssen deshalb schärfere Vorgaben für die Verpackungen her.

          Zugleich hofft Rachut auf ein Umdenken in Industrie und Handel. „Helfen würde es, wenn ökologische Verpackungen zum Marketingthema werden“, sagte sie. Dafür freilich müssten auch die Verbraucher stärker für die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Verpackungen sensibilisiert werden. „So eine Art Foodwatch für Verpackungen wäre vielleicht nicht schlecht“, sagte die Umweltjuristin aus Osnabrück.

          Gebürenpreller in Massen

          Eine Hauptaufgabe der neuen Kontrollstelle mit ihren nach der Aufbauphase geplanten knapp 40 Mitarbeitern wird es sein, die Finanzierung des Systems zu sichern. Rund 2,4 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr landen bisher in den gelben Tonnen und Säcken. Aber nur für rund 1,7 Millionen Tonnen haben Handel und Industrie auch die fälligen Gebühren an den Grünen Punkt und die übrigen dualen Systeme abgeführt, die die Entsorgung und das Recycling organisieren.

          Und auch bei den Systemen selbst liegt einiges im Argen: Immer wieder werden Vorwürfe des Abrechnungsbetruges und anderer Tricksereien laut. Von diesem Sommer an müssen sich alle Unternehmen, die Verpackungen „in Verkehr bringen“, bei der Kontrollstelle registrieren, die anschließend auch die gemeldeten Mengen überwachen soll. „Schärfere Kontrollen werden den Wettlauf der Systeme um die günstigste Verwertungsmöglichkeit und das Trittbrettfahren stoppen“, kündigte Rachut an.

          Gebührenpreller gibt es in Massen, auch wenn die meisten nur kleine Mengen auf den Markt bringen. Vielen sei gar nicht klar, dass sie längst verpflichtet seien, ihre Verpackungen bei einem dualen System zur Entsorgung anzumelden und dafür Lizenzentgelte zu entrichten, sagte Rachut. Rund 700.000 Unternehmen fielen unter diese Bestimmung, tatsächlich aber zählten die Systeme bisher nur etwa 60.000 Kunden.

          Letztes Mittel Vertriebsverbot

          Die Lücke erklärt sich unter anderem durch den Online-Handel. Etwa 300.000 Online-Händler hätten sich dem System bisher entzogen. Das Register wird öffentlich sein, so dass es auch eine gewisse „Selbstüberwachung“ zwischen konkurrierenden Unternehmen geben dürfte. Vor allem im Handel zählt bei den niedrigen Margen jeder Cent – auch der für die Verpackungsentsorgung.

          Und was bedeutet das an der Ladenkasse, wo die Kunden die Entsorgung über den Produktpreis mitbezahlen? Laut Rachut kostet das System pro Kopf bisher rund 12,50 Euro im Jahr, so dass beinahe eine Milliarde Euro zusammenkommt. „Für den Verbraucher wird es unterm Strich nicht teurer“, verspricht sie. „Die Kosten steigen jedoch für die Hersteller, die sich bisher nicht rechtskonform verhalten haben.“

          Und richtig teuer werden kann es für Unternehmen, die sich vor den Entsorgungsgebühren drücken wollen: Neben Bußgeldern von bis zu 200.000 Euro droht eine Gewinnabschöpfung der hinterzogenen Gebühren. Für diese Sanktionen sind die Landesbehörden zuständig, die sich in Zukunft auf die Daten der zentralen Stelle stützen werden. Die wiederum kann als letztes Mittel sogar ein Vertriebsverbot verhängen.

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