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Verkehrswende : Abschied von der autogerechten Stadt

Durch einen zugeparkten Radweg weicht eine Fahrradfahrerin in Berlin auf die Fahrbahn aus. Bild: dpa

Mit 20 Milliarden Euro zusätzlich für Investitionen in nachhaltige Mobilität wollen Städte die Verkehrswende einleiten. Ist die Ära des Autos bald vorbei?

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          Die deutschen Städte wollen Abschied nehmen von der Idee der „autogerechten Stadt“, für die in den sechziger und siebziger Jahren überall Straßen und Parkplätze gebaut wurden. Heute wollen die Bürgermeister mehr Umwelt- und Lebensqualität, sie streben eine „Verkehrswende“ an – weg vom Auto mit Verbrennungsmotor.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Der Deutsche Städtetag fordert jetzt zusätzliche Milliardenbeträge, damit die Kommunen den öffentlichen Nahverkehr, Privilegien für Carsharing und Elektromobilität sowie Radwege ausbauen können. Bund und Länder müssten die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur in Städten und Regionen sichern, fordern die Städte in ihrem neuen Positionspapier „Nachhaltige Mobilität für alle“.

          Nach dem jüngsten KfW-Kommunalpanel habe sich für Erhalt und Erneuerung ein Investitionsrückstand von 38 Milliarden Euro aufgestaut. „Akut notwendig ist eine Investitionsoffensive von Bund und Ländern mit zusätzlich 20 Milliarden Euro über zehn Jahre – also 2 Milliarden jährlich – um den Wandel zu nachhaltiger Mobilität ermöglichen“, sagte Städtetags-Präsident Markus Lewe, Bürgermeister von Münster.

          Online-Handel schafft neue Probleme

          Die Ansprüche der Menschen und der Wirtschaft an die Mobilität stiegen, und das Verkehrsaufkommen und Pendlerzahlen nähmen zu. Gleichzeitig verlangten Radfahrer und Fußgänger einen größeren Anteil an den Verkehrsflächen, und die Bürger suchten attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten in Innenstädten. Um diese Wünsche unter einen Hut zu bringen, seien kluge Konzepte nötig. „Unabhängig vom Dieselskandal und dem Sofortprogramm ,Saubere Luft‘ des Bundes müssen langfristige Perspektiven für die Mobilität entwickelt werden – deutlich über eine Legislaturperiode hinaus“, sagte Lewe.

          Der Bund müsse diesen Prozess koordinieren und mit Gesetzen begleiten. „Wir können viele Technologien und Verkehrsarten nur dann erproben, wenn der Bund uns die rechtlichen Entscheidungsspielräume verschafft“, sagte Lewe. Als Beispiel nannte er die Kennzeichnung von Parkzonen für Carsharing und Elektroautos sowie die Förderung für den Bau von Trambahn-Linien. Um gemeinsame Lösungen entwickeln zu können, müssten die Städte auch in die Arbeit der Regierungskommission zur „Zukunft der bezahlbaren und nachhaltigen Mobilität“ einbezogen werden.

          Ein neues Problem ist das Wachstum der Paketdienste durch den Online-Handel – Straßen und ganze Viertel seien dadurch verstopft. Das könne nicht die Lösung sein, hieß es. Das Problem werde nur gelöst, wenn man Unternehmen verpflichte, auf der letzten Meile zu kooperieren.

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