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Der Sonntagsökonom : So halten die guten Vorsätze

Das Fitnessstudio hilft nicht in allen Lebenslagen. Bild: dapd

Mehr Sport, weniger Alkohol – gute Vorsätze fassen viele Menschen an Silvester. Doch die Halbwertszeit ist meist gering. Ökonomen wissen, wie es endlich klappen kann.

          3 Min.

          Noch halten sie wahrscheinlich, all die an Silvester gefassten guten Vorsätze. 2015 ist ja auch erst vier Tage alt, da fällt es nicht besonders schwer, mal auf Rotwein oder Zigaretten zu verzichten. Die Erinnerung ist noch frisch an die guten Gründe, aus denen man regelmäßig joggen oder ins Fitnessstudio gehen will. In einer Woche? Da sieht es wahrscheinlich schon wieder ganz anders aus. So wie im vergangenen Jahr auch. Und in dem davor.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Die gute Nachricht zum Jahresstart: Das muss nicht sein. Denn die Forschungsarbeiten von Wirtschaftswissenschaftlern liefern nützliche Tricks, mit denen sich die Halbwertzeit guter Vorsätze verlängern lässt. Das mag überraschen, Ökonomen sind schließlich keine Lebensberater und schon gar keine Moralapostel. Doch kaum jemand kennt die Menschen mit all ihren Stärken – und ihren Anfälligkeiten für Versuchungen – so gut wie Verhaltensökonomen. Sie untersuchen unter Laborbedingungen, wie Menschen Entscheidungen treffen, wann sie sich dabei streng rational verhalten und was sonst den Ausschlag für ihr Handeln geben kann. Das ist wichtig für die guten Vorsätze. Denn nur wer seine Schwachstellen kennt, kann gezielt gegensteuern.

          Tipp 1: Wehret den Anfängen. Nur wer konsequent ist, hält durch

          Verhaltensökonomen, die der Frage nachgehen, warum Menschen kriminell werden und gegen Gesetze und Regeln verstoßen, wissen, dass Vergehen selten aus dem Nichts kommen. Sie bahnen sich langsam an, aus einem winzigen Vergehen wird ein größeres, und irgendwann fallen alle moralischen Hemmungen. „Slippery Slope“ haben sie diese in vielen Experimenten und Straftaten auftretende Verhaltensweise getauft. Mancher, der den Jahreswechsel hinter Gittern verbracht hat, mag sich daran erinnern: Der Steuerhinterzieher fängt nicht gleich mit Riesenbeträgen an, die er dem Fiskus vorenthält. Erst sind es kleine Summen, später Millionen.

          Mit der ökonomischen Standardtheorie ist das nicht zu fassen. Denn der streng rationale Nutzenmaximierer ist nicht verführbar, er würde in vergleichbaren Situationen immer wieder gleich entscheiden. Für die guten Vorsätze heißt das: Finger weg von der einen Zigarette, die schon niemand bemerken wird. Und auch der kleine Rückfall mit der Tüte Chips ist tabu. Glaubt man den Ökonomen, dann ist einmal nicht keinmal – sondern der Anfang vom Ende der guten Vorsätze.

          Tipp 2: Keine übertriebenen Ziele setzen, das frustriert nur und ist teuer

          Verhaltensökonomen wissen, dass Menschen sich chronisch überschätzen („Overconfidence“). Zum Jahreswechsel sind sie beschwingt und trauen sich Phantastisches zu. Im Alltag, wenn es ernst wird, sind dann andere Dinge plötzlich wichtiger, und es hapert an Selbstdisziplin. Das bedeutet nicht, dass man es mit den Vorsätzen gleich lassen kann. Aber die Ziele sollten realistisch sein, alles andere ist kontraproduktiv. Drastisch führt das eine Studie der deutschen Ökonomin Ulrike Malmendier und Stefano DellaVigna (beide University of California, Berkeley) vor Augen. Die beiden Forscher haben untersucht, was für Verträge Amerikaner im Fitnessstudio abschließen – und wie oft sie dann tatsächlich trainieren gehen. Die Haupterkenntnis: Die Menschen schließen teure Langfristverträge und bleiben, nachdem die Anfangseuphorie verflogen ist, häufig zu Hause. Im Vergleich zu Kunden, die nur für einzelne Besuche oder kürzere Zeiträume zahlen, berappen sie mehrere hundert Dollar zu viel. Wenn der Langzeitvertrag dann abgelaufen ist, betreten sie das Fitnessstudio häufig nie wieder – ein sicheres Indiz für ein teures Frusterlebnis, von dem nicht die eigene Gesundheit, sondern nur der Betreiber des Studios profitiert hat.

          Tipp 3: Versprechen Sie Freunden, dass Sie sich an die Vorsätze halten

          Gute Vorsätze gehen nur denjenigen etwas an, der sie fasst. Trotzdem ist es offenbar sinnvoll, Freunde einzuweihen und ihnen zu versprechen, das Ziel zu erreichen. Gleich eine ganze Reihe ökonomischer Studien zeigt positive Effekte solcher „soften Verpflichtungen“. Dafür gibt es mindestens zwei Erklärungen: Verstöße kosten zwar kein Geld, sie verursachen aber psychologische Kosten. Weil niemand gern das eigene Wort bricht, erhöhen Versprechen die Chancen, standhaft zu bleiben. Zum anderen verändern Versprechen die Anreizstruktur. Ist man nicht nur sich selbst verpflichtet, wird aus einer rein intrinsischen auch eine extrinsische Motivation. Auch diese kleine Selbstmanipulation kann die Erfolgschancen erhöhen, sagen die Verhaltensforscher. Und wem das nicht ausreicht: Der sollte Verstöße von Freunden sanktionieren lassen. Dann werden psychologische Kosten zu solchen, die man im Portemonnaie spürt.

          Tipp 4: Betrügen Sie sich nicht selbst

          Der Mensch hat den Hang dazu, sich die Dinge schönzureden oder unangenehme Wahrheiten auszublenden. Verhaltensforscher sprechen von „morals licensing“ und „strategic ignorance“. Das erste Phänomen bezeichnet die Beobachtung, dass Menschen, die in einem Lebensbereich Gutes tun oder erfolgreich sind, dies als Rechtfertigung für Verstöße in anderen Lebensbereichen benutzen. Der Kölner Wirtschaftsethiker Bernd Irlenbusch zeigt in seinen Arbeiten zudem, dass Menschen, wenn sie vor der Wahl stehen, die möglichen negativen Folgen ihres Handelns gerne ausblenden. Gemünzt auf die guten Vorsätze, heißt das: Es ist in uns angelegt, in den Wochen nach Weihnachten einen Bogen um die Waage zu machen. Das ändert aber nichts, besser man stellt sich der Realität.

          Wie stehen also die Erfolgschancen? In einer Studie haben Forscher 300 Menschen zu ihren Neujahrsvorsätzen befragt. Mehr als die Hälfte gab an, zuversichtlich zu sein, das selbstgesteckte Ziel auch zu erreichen. Die Langzeitbetrachtung fällt ernüchternd aus. Gerade einmal jeder Zehnte war am Ende auch erfolgreich. In den Folgejahren fielen die Ergebnisse nicht besser aus. Im Gegenteil: Es zeigte sich, dass viele Menschen es immer wieder versuchen – und immer wieder scheitern. Vielleicht erhöhen die hier präsentierten Tipps die Erfolgschancen um den ein oder anderen Prozentpunkt.

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