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Private Asylbewerberheime : Vier Euro für einen Flüchtling 

  • -Aktualisiert am

Hinter Zäunen, aber nicht sicher: In diesem Flüchtlingsheim in Burbach soll es zu Übergriffen durch private Sicherheitskräfte auf Flüchtlinge gekommen sein Bild: dpa

Im Preiskampf unterbietet der Betreiber von Flüchtlingsunterkünften European Homecare seine Konkurrenten. Und ist dabei sehr profitabel. Doch die Vorkommnisse in Burbach sind nicht die ersten dieser Art in der Firmenhistorie.

          Wenn es um die Sicherheit von Asylbewerbern in Deutschland geht, setzen viele Betreiber auf ein Prinzip, das man eigentlich von großen Konzernen kennt: Sie lagern Dienstleistungen an andere Unternehmen aus. So geschah es auch in der nordrhein-westfälischen Flüchtlingsunterkunft in Burbach, die am Wochenende in die Schlagzeilen geriet.

          Die beiden Wachmänner, die dort schon vor einigen Wochen einen 20 Jahre alten Algerier missbraucht haben sollen, waren zwar für das Essener Unternehmen European Homecare (EHC) im Einsatz, das die Unterkunft betreibt. Angestellt waren sie jedoch bei einem Subunternehmen: dem Sicherheitsdienst SKI aus Nürnberg.

          Für EHC bietet dieses Outsourcing eine Reihe von Vorteilen. Der größte ist wohl: Das Unternehmen ist nicht direkt für die Misshandlungen in Burbach verantwortlich und darf daher die Flüchtlingsunterkunft weiter betreiben. Die direkten Konsequenzen trägt allein SKI – dem Sicherheitsdienstleister wurde noch am Wochenende gekündigt. Auch bei der für die Asylbewerber zuständigen Bezirksregierung in Arnsberg will man bisher nichts von einer Mitschuld des Betreibers wissen: „Wir werden die Vorfälle jetzt erst einmal intensiv mit European Homecare besprechen“, sagt ein Sprecher.

          Das Prinzip des Auslagerns gehört fest zum Geschäftsmodell von EHC. Das Essener Unternehmen betreibt seit mehr als 25 Jahren Unterkünfte für Flüchtlinge, Auftraggeber sind meist Kommunen oder Länder. Als Betreiber verpflichtet sich EHC dann dazu, die Heimbewohner rundum zu versorgen: Neben Unterbringungen und Verpflegung der Asylbewerber fällt darunter auch der Sicherheitsdienst, der die Unterkünfte bewachen soll. Allerdings übernimmt EHC viele dieser Aufgaben nicht selbst, sondern engagiert dafür wiederum Partnerunternehmen. So zum Beispiel Cateringfirmen oder eben externe Sicherheitsdienste.

          Niemand weiß, wie viel Geld bezahlt wurde

          Wirtschaftlich ist European Homecare mit diesem Modell durchaus erfolgreich: In 2012 erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresüberschuss von mehr als 800.000 Euro, bei einem Umsatz von knapp 10 Millionen Euro. Neuere Zahlen will die Geschäftsführung nicht nennen, man sei gerade dabei, die Bilanz für 2013 aufzustellen.

          Entlohnt wird der Betrieb einer Flüchtlingsunterkunft dabei pauschal über einen Tages- oder Monatssatz, der je Bewohner fällig wird. „Ein Tagessatz kann zwischen vier und fünfzehn Euro pro Person schwanken“, sagt Sascha Korte, der Geschäftsführer von European Homecare, dieser Zeitung. Er hänge vom exakten Umfang der Aufgaben ab. Genaue Zahlen, etwa wie hoch der Satz in Burbach ist, will er jedoch nicht nennen. Auch die Gehälter der dort eingesetzten Sicherheitsleute kenne er nicht.

          Ähnlich ahnungslos zeigt sich der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. „Der Sicherheitsdienst wird vom Betreiber eigenverantwortlich organisiert, zu finanziellen Fragen dazu kann ich mich nicht äußern“, sagt er. Auch eine Nachfrage, wie hoch die gezahlte Pauschale je Flüchtling an EHC ausfällt, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

          Sicherheitsmann: „Sex mit der Negerin“

          Dass sich European Homecare aber vor allem über den Preis die Aufträge öffentlicher Hand sichert, zeigt die Geschichte des Unternehmens in Österreich: Als dort vor zwölf Jahren der Betrieb der Flüchtlingsunterkünfte privatisiert werden sollte, kritisierten mehrere Nichtregierungsorganisationen die „Dumpingpreise“ von EHC: Mit einem geforderten Tagessatz von 12,89 Euro je Bewohner lag das Angebot von EHC für ein Heim in Traiskirchen deutlich unter dem Preis eines Konsortiums aus verschiedenen Hilfsorganisationen, die 15 Euro je Tag und Flüchtling verlangt hatten. „Für Homecare sind die Asylbewerber Klienten am Durchmarsch, die verköstigt werden müssen“, kritisierte ein Caritas-Mitarbeiter damals.

          Der Rückzug aus der Traiskirchener Unterkunft im Frühjahr 2010 war rein wirtschaftlich getrieben: Damals kündigte EHC den Betreibervertrag, da die Asylbewerberzahlen in Österreich zurückgingen und nur noch 288 Bewohner in dem Heim lebten. Dadurch sei die Betreuung unrentabel geworden, teilte das Unternehmen mit. 2012 zog sich EHC schließlich ganz aus österreichischen Flüchtlingsunterkünften zurück.

          Auch in Österreich hat das Unternehmen schon negative Schlagzeilen gemacht. 2003 kam es in jener Unterkunft in Traiskirchen zu einer Massenschlägerei: Tschetschenische und moldauische Bewohner gingen mit Eisenstangen aufeinander los, 30 Menschen wurden verletzt, ein 24-Jähriger totgeprügelt. Kurz darauf zeigte eine Asylbewerberin aus Kamerun einen Wachmann in demselben Heim wegen Vergewaltigung an. Dieser gab zu, sehr viel Bier getrunken und anschließend möglicherweise „Sex mit der Negerin“ gehabt zu haben. Aus Mangel an Beweisen wurde er jedoch freigesprochen.

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