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Minenarbeiter in Südafrika : Tückischer Goldstaub

Ein südafrikanischer Minenarbeiter im Goldstaub
          4 Min.

          Früher war Toto Willie ein kräftiger Mann. Heute muss der 50 Jahre alte Südafrikaner schon nach wenigen Sätzen nach Luft schnappen. Sein Atem rasselt wie der eines Kettenrauchers. Zehn Jahre lang fuhr er tagtäglich in die Schächte der südafrikanischen Goldminen von Anglo American. Er kauerte in Stollen, bohrte in Felswände, wuchtete Gesteinsbrocken. Wie Millionen schwarzer Minenarbeiter in Südafrika verdiente er sich unter Tage seinen Lebensunterhalt. Dann setzte ein Arztbesuch seinem Arbeitsleben abrupt ein Ende. Ersparnisse hatte er keine, eine Rente auch nicht, Lohn gab es noch für zwei Wochen. Seitdem sitzt Willie in Happy Valley, einem Armenviertel nahe Kapstadt. Durch das vergitterte Fenster seiner Wellblechhütte verkauft er Kartoffelchips und Kerosin. „Das Atmen fällt schwer“, sagt er, „richtig arbeiten? Das geht nicht mehr.“

          Claudia Bröll
          Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Willie leidet an einer Staublunge, einer Krankheit, die Ärzte nicht umsonst auch die „Minenarbeiterkrankheit“ nennen. Die Arbeiter in Goldbergwerken sind permanent Schwaden von Staub ausgesetzt. Werden die Staubpartikel inhaliert, zersetzen sie über die Jahre hinweg die Atemwegsorgane. Eine Heilung ist ausgeschlossen. Tatsächlich sterben weitaus mehr Minenarbeiter an Lungenerkrankungen als bei Unfällen in den Bergwerken zu Tode kommen. Nur nimmt von ersteren kaum jemand Notiz.

          300.000 Erkrankte

          Im kommenden Jahr könnte sich das ändern. Anwälte in Südafrika bereiten eine Sammelklage gegen nahezu alle namhaften südafrikanischen Goldproduzenten vor, um Entschädigungen durchzusetzen. Es ist ein Präzedenzfall. Niemals zuvor gab es in dem Land eine Sammelklage. Auch das Ausmaß des Verfahrens dürfte bisherige ähnliche Rechtsstreitigkeiten bei weitem übertreffen. Groben Schätzungen nach leiden bis zu 300.000 frühere Minenarbeiter an Staublunge oder Tuberkulose. Analysten halten eine Schadenssumme von mehreren hundert Millionen Euro für möglich.

          Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht Anglo American. Der britisch-südafrikanische Konzern hat seine Entstehung und seinen Aufstieg dem gelben Metall zu verdanken, hat sich aber mittlerweile vom Goldgeschäft verabschiedet. Jetzt holt ihn die Vergangenheit ein. Stellvertretend für 450 frühere Arbeiter ziehen Anwälte in London gegen Anglo American vor Gericht. „Die große Frage ist, wie hoch die Entschädigungszahlungen sein werden“, sagt Leon Esterhuizen von RBC Capital Markets in London. „Alles hängt davon ab, ob man den Konzernen Nachlässigkeit nachweisen kann. Wir reden sicher nicht von kleinen Summen“. Die Fälle lenken die öffentliche Aufmerksamkeit aber auch auf die rauen Anfänge des Goldbergbaus in Südafrika und die spätere Politik der Rassentrennung. „Schwarze Minenarbeiter wurden wie eine Ware behandelt“, sagt der südafrikanische Anwalt Richard Spoor, der die Sammelklage anstrengt, dieser Zeitung. „Ständig strömten junge gesunde Männer in die Bergwerke, sie wurden benutzt und wenn sie nicht mehr arbeiten konnten, buchstäblich ausrangiert“.

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